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Prozess um Attacke auf christlichen Flüchtling geplatzt

Angeklagter zu jung Prozess um Attacke auf christlichen Flüchtling geplatzt

Der Flüchtling aus Afghanistan soll einen Iraner schwer verletzt haben, weil der zum Christentum konvertiert war. Jetzt muss der Prozess neu aufgerollt werden - und in drei Wochen endet eine Frist.

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Der Prozess um den jungen Afghanen muss neu aufgerollt werden.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Hamburg. Der Prozess um den Angriff auf einen christlichen Iraner in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft ist geplatzt. Grund ist das Alter des Angeklagten aus Afghanistan. Der Afghane soll den 24-jährigen Iraner der Anklage zufolge aus religiösen Gründen angegriffen und schwer verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte das Alter mit mindestens 22 Jahren angegeben. Der Angeklagte selbst hatte gesagt, er sei um die 20.

Einem am Dienstag vorgestellten Gutachten zufolge kann nicht ausgeschlossen werden, dass er zum Tatzeitpunkt im Oktober 2015 unter 21 und damit Heranwachsender war. Das Gericht verwies das Verfahren darum an eine Jugendkammer. Dort muss es neu aufgerollt werden, sagte ein Gerichtssprecher.

Der bei dem Angriff schwer verletzte Iraner hat Deutschland inzwischen verlassen und ist vermutlich in sein Heimatland zurückgekehrt. Der Afghane ist wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er hat die Tat bestritten.

Dagegen hatte das Opfer ausgesagt, bereits zwei Tage vor der Tat habe ihn der Afghane als Ungläubigen beschimpft und gesagt: „Ich muss dich töten, du bist ein Ungläubiger“. Bei der Tat am 18. Oktober habe der Angreifer ihm unvermittelt mit einem Teleskopschlagstock auf den Kopf geschlagen und dabei immer wieder „Allahu akbar!“ (Gott ist groß!) geschrien. Die Aussage des 24-Jährigen in einer richterlichen Vernehmung am 6. Mai in Bielefeld war im Prozess verlesen worden.

In der Vernehmung hatte der 24-Jährige auch angegeben, wegen seiner Konversion zum Christentum habe ihn sein Vater geschlagen, seine Familie ihn verstoßen. Der „Abfall vom islamischen Glauben“ kann im Iran mit langer Haft oder gar dem Tode bestraft werden.

Wer über 18 und unter 21 Jahre alt ist gilt rechtlich als Heranwachsender. Die Jugendkammer stehe nun unter Zeitdruck, sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen. Der Angeklagte sitze seit dem 14. Dezember 2015 in Untersuchungshaft. Nach sechs Monaten müsse das Oberlandesgericht entscheiden, ob besondere Gründe für eine Verlängerung der Untersuchungshaft vorliegen. Da die Frist sei Prozessbeginn nicht weitergelaufen sei, habe das Gericht noch etwa drei Wochen Spielraum.

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