7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Kommt Abschussverbot für Haustiere?

Streit um Gesetzesänderung Kommt Abschussverbot für Haustiere?

Die Tötung eines jungen Hundes in Boksee sorgte im Sommer für Schlagzeilen. Seither kämpft Carmen Ritchie, die Besitzerin des erschossenen Snatch, gemeinsam mit anderen Tierschützern für ein Abschussverbot für Haustiere, zumindest aber für deutlich schärfere Auflagen.

Voriger Artikel
Züge zwischen Flensburg und Padborg fahren wieder
Nächster Artikel
Brückentester liebt „Eiserne Lady“

Auch Katzen gehören immer wieder zu den Abschusszielen.

Quelle: eye

Kiel. Ein Jäger hatte das Tier angeblich mehrfach in seinem Revier beim Wildern beobachtet und schließlich erschossen. Obwohl das Tier und dessen Besitzer im Dorf bekannt waren, hatte es vor dem Abschuss des Welpen keine Warnung der Eigentümer gegeben. „So etwas darf sich nicht mehr wiederholen – weder bei uns im Dorf, noch anderswo“, sagt Carmen Ritchie, die nun für eine Gesetzesänderung kämpft.

 Im Landeshaus wird dafür Unterstützung signalisiert. „Auch wir wollen nicht, dass Haustiere abgeschossen werden“, sagt SPD-Umweltexpertin Sandra Redmann. Ihre Fraktion sei für dieses Thema offen. Auch die grüne Naturschutzexpertin Marlies Fritzen sagt: „Ich bin gegen den Abschuss von Haustieren.“

 Vorbild für eine Reform könnte das sächsische Jagdgesetz sein. Dort muss ein Jagdschutzberechtigter, der einen wildernden Hund beobachtet und schießen will, eine Erlaubnis bei der jeweiligen Jagdbehörde stellen und einen triftigen Grund für den geplanten Abschuss vorbringen. „Natürlich ist dies eine aufwendige, aber sehr sinnvolle Vorgabe“, sagt Wolf Freiherr von Schenk, Leiter des Wildparks Eekholt bei Großenaspe und Wolfsexperte des Landes. In anderen Ländern habe es bereits Verwechslungen gegeben und geschossene Hunde hätten sich bei genauerer Betrachtung als Wolf herausgestellt. Einen Vorwurf macht von Schenck den Schützen nicht: „Selbst für Experten ist es bisweilen schwer, zwischen Hund und Wolf zu differenzieren – vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen.“

 Marcus Börner vom Landesjagdverband (LJV) hält davon wenig. „Eine versehentliche Erlegung eines Wolfes anstelle eines wildernden Hundes hat es in Schleswig-Holstein nicht gegeben.“ Überdies gebe es nur sehr wenige Hunderassen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Wolf haben. Am stärksten seien Wölfe noch immer durch den Straßenverkehr gefährdet.

 Trotz des Vorfalls in Boksee sieht sich die Jägerschaft im Norden zu Unrecht in der Kritik. Vielmehr seien es die Halter von Hunden und Katzen, die Aufsichtspflicht und Erziehung ihrer Haustiere nicht ernst genug nehmen würden. „Elend und Qualen verletzter Wildtiere werden leider kaum von der Gesellschaft wahr genommen“, sagt der LJV-Vorstand. Die Ausübung des Jagdschutzes, zu dem auch das Erlegen wildernder Hunde und Katzen gehöre, sei klar gesetzlich geregelt. „Diese Befugnis beschränkt sich ausschließlich auf Jagdschutzberechtigte – und keiner dieser Jägerinnen und Jäger, die oft selber Hunde oder Katzen halten, macht davon leichtsinnig Gebrauch“, versichert Börner. Die Tötung sei das letzte Mittel. „In der Regel wird vorher das persönliche Gespräch mit den Haltern, sofern möglich, gesucht oder eine Strafanzeige bei der Polizei gestellt.“

 Nach Angaben des Umweltministeriums hat es im Jagdjahr 2012 nicht einen einzigen Abschuss eines Hundes im Lande gegeben. Anders sieht es bei Katzen mit mehr als 5000 erlegten verwilderten Tieren aus, die laut LJV eine besondere Gefährdung heimischer Wildtiere seien. „Eine einzelne freilaufende Katze erbeutet durchschnittlich 200 Kleinsäuger und Vögel pro Jahr. In Schleswig-Holstein wird davon ausgegangen, dass es bis zu 75000 verwilderte Hauskatzen gibt“, zählt Börner auf.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kommentar

Jährlich werden Tausende Hunde und Katzen von Jägern in Deutschland erschossen – Begründung: Hunde reißen Wild, Katzen gefährden wertvolle Singvogelbestände und bedrohen Junghasen und Wildhühnervögel.

  • Kommentare
mehr