21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Ein Arbeitsplatz unter Wasser

Schleitaucher Christian Hüttner Ein Arbeitsplatz unter Wasser

Für Urlauber ist die Schlei einfach ein Traum. Unter Wasser allerdings sieht die Welt anders aus: „Manchmal haben wir nur eine Handbreit Sichtweite, was die Arbeit als Berufstaucher anspruchsvoll macht“, erzählt Christian Hüttner. Der Schleitaucher fahndet nach verlorenen Außenbordmotoren, repariert Schiffe und hilft bei der Suche nach Wracks und Vermissten.

Voriger Artikel
444 Kilometer auf dem Longboard für Flüchtlinge
Nächster Artikel
Anrichte brennt: Frau erleidet Rauchvergiftung

Bereit zum Einsatz am Raddampfer „Schlei Princess“: Christian Hüttner mit einer Zinkanode in der Hand, die er zum Korrosionsschutz am Schiffsrumpf montiert.

Quelle: Joachim Welding

Schleswig. Auch beim Raddampfer „Schlei Princess“ sind seine Unterwassereinsätze gefragt.

 Langsam lässt sich Christian Hüttner zwischen dem Schiffsrumpf und der Hafenkante ins Wasser gleiten. Ein blau-roter Schlauch verbindet seinen signalgelben Helm mit der Pressluftversorgung. Leuchte und Kamera auf dem Helm sind eingeschaltet, aus einem Lautsprecher im Begleitfahrzeug sind die schweren Atemgeräusche des Tauchers zu hören. Der Mann hat jetzt alles, was er für seine Arbeit am Rumpf des Raddampfers „Schlei Princess“ braucht. Hüttner taucht ab ins aschgraue Wasser der Schlei.

 Rund zwei Stunden wird der 42-jährige Tauchprofi heute brauchen, um vier neue Zinkanoden am Schiffsrumpf nahe der Schiffsschraube zu montieren. „Die Teile müssen etwa einmal im Jahr getauscht werden, denn sie schützen vor Korrosion. Der Propeller erzeugt eine starke Galvanik, die dem Metall des Rumpfes ohne diese Opfer-Anoden stark zusetzen würde“, erklärt Hüttner. Diesmal sieht es gut aus: „Wir haben immerhin einen Meter Sichtweite, was die Arbeit mit der Luftdruck-Bohrmaschine erleichtert.“

 Die Schlei hat Hüttner schon als Kind magisch angezogen. „In der Unterwasserwelt liegt eine Faszination, die ich kaum erklären kann. Beim Tauchen begeistern mich heute besonders Einsätze, die mit viel Hightech akribisch vorbereitet werden müssen.“ Und davon hat Hüttner viele gemeistert, seit er die Ausbildung zum Berufstaucher abgeschlossen hat. Erst im Juni hat er bei Routineuntersuchungen vor Schleimünde zwischen Resten eines Schiffswracks eine Seemine und eine Wasserbombe geortet. „Die gefährlichen Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg wurden inzwischen geräumt. Wann immer möglich, überprüfe ich bei Tauchgängen verdächtige Objekte, um unser Gewässer sicherer zu machen“, sagt Hüttner.

 Im vorigen Jahr haben die Schleifischer Hüttner beauftragt, Unterwasserhindernisse aufzuspüren, die die Netze immer wieder beschädigen. „Wir konnten bei null Sicht mit Hilfe von Sonar fünf Objekte lokalisieren und bergen – darunter ein Motorboot mit Außenbordmotor.“ Besonders belastend sind Einsätze, wenn der Taucher vermisste Personen suchen muss. So orteten Hüttner und Kollegen ein Fischerboot mit zwei Ertrunkenen in 25 Meter Wassertiefe im Schweriner See. „Die Polizei hatte bereits drei Tage gesucht und nichts finden können.“

 Hauptsächlich in der Schlei zwischen Massholm und Schleswig ist der Berufstaucher im Einsatz, aber auch für Aufträge in der Ostsee zwischen Eckernförde und Damp streift er seinen Taucheranzug über. Dann kann es passieren, dass er selbst bei kühlen Wassertemperaturen ins Schwitzen gerät: Der dicke Trockentauchanzug und der 13 Kilo schwere Helm schotten den Taucher vollständig ab. „Die ganze Ausrüstung wiegt 60 Kilo. Doch die Last spüre ich nicht mehr, sobald ich ins Wasser eintauche.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Norddeutschland 2/3