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Der Norden baut die meisten Windräder

Schleswig-Holstein Der Norden baut die meisten Windräder

Von wegen Flaute. Mit 455 neugebauten Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 1300 Megawatt (MW) hat die Windkraftnutzung an Land in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr so kräftig zugelegt wie noch nie.

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In Schleswig-Holstein wurde 2014 insgesamt 455 neue Windräder mit einer Leistung von mehr als 1300 Megawatt installiert.

Quelle: Teresa Dapp/dpa

Kiel/Berlin. Etwa jede vierte in Deutschland gebaute „Windmühle“ wurde im Land zwischen Nord- und Ostsee errichtet.

Energieminister Robert Habeck (Grüne) nannte das Ausbautempo „enorm“. Auch 2015 könnte sich dieses Tempo, etwas abgeschwächt, fortsetzen. Der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, schätzte am Deonnerstag in Berlin den Zuwachs auf noch einmal 1000 MW – trotz der Unsicherheiten, die es für die weiteren Planungen aufgrund des Urteils des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Schleswig gibt.

Deutschlandweit betrug das Windkraftplus im Vorjahr sogar 4750 MW, die von 1766 neuen Windanlagen ins Netz eingespeist werden können. Damit liegt die Branche weit über der von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ausgegebenen Zielmarke von 2500 MW. Die Windenergiebranche hat über sechs Milliarden Euro investiert. Und sie ist, anders als etwa Photovoltaik, kein Stromkostentreiber. Mit gerade mal 0,27 Cent je Kilowattstunde gehen die Windstromkosten in die Ökostromumlage von 6,2 Cent ein.

Gründe für den Höhenflug der Windkraft an Land sind erstens die im August in Kraft getretene Ökostrom-Reform, die Kürzungen bei der Förderung mit sich bringt. Zuvor wurden noch zahlreiche Windrad-Anträge gestellt. Auftrieb bekam die Windkraft im Norden zweitens durch die großzügigen Flächenzuweisungen durch die Landesregierung. Nach dem OVG-Urteil zu den Flächen für Windanlagen steht die Zukunft des Ausbaus allerdings „unter anderen Vorzeichen“, meinte Habeck. Die Richter hatten die Regionalpläne des Landes zur Ausweisung von Flächen gekippt. Sie rügten insbesondere, dass von vornherein jene Gemeinden von der Ausweisung geeigneter Flächen ausgeschlossen wurden, die sich gegen Windkraft entschieden hätten.

Das Urteil ist janusköpfig: Einerseits räumt es Grundstückseigentümern und Investoren, die bislang auf ihren Flächen keine Windparks bauen durften, einen Vorteil ein. So lange kein neuer Regionalplan gilt, können sie den Bau beantragen. Sie müssten dann lediglich die Vorgaben von Natur- und Denkmalschutz oder Abstandsregeln einhalten. Die Landesregierung rechnet vor diesem Hintergrund mit eher noch mehr Windrädern denn mit weniger. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat bereits angekündigt, dass es keinen Ausbaustopp geben werde. Ohnehin gelte für bereits gebaute oder genehmigte Windanlagen Bestandsschutz. Auf der anderen Seite erschwert das OVG-Urteil die Umsetzung der Energiewende, weil die zentrale Planungsgrundlage des Landes entfällt. So wie bereits der Kieler Landtag vergangene Woche, befürwortete nun auch der Präsident des Bundesverbandes Windenergie einen Runden Tisch mit allen Beteiligten. Und Energieminister Habeck betonte, dass die Erfolgsgeschichte der Windkraft in Schleswig-Holstein nicht nur „immer mehr günstigen Windstrom“ bedeute, sondern dass es auch „eine breite Akzeptanz“ in der Bevölkerung geben müsse.

Insgesamt stehen in Deutschland an Land nun 24 867 Windräder mit einer Leistung von 38 115 Megawatt, die meisten in Niedersachsen. Die durchschnittliche Leistung betrug im vergangenen Jahr bei neu errichteten Anlagen 2,7 Megawatt, der Rotormesser 99 Meter und die Nabenhöhe im Schnitt 116 Meter.

Von Reinhard Zweigler

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Die Windkraft-Branche hat ein weiteres gutes Jahr hinter sich. Anlagen mit einer Leistung von 4750 Megawatt (MW) wurden an Land neu installiert, auf See waren es rund 1000 Megawatt.

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