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Die Polizei-Bigband ist verstummt

Schleswig-Holstein Die Polizei-Bigband ist verstummt

Vor ihrem letzten Auftritt hatten die 15 Musiker der Polizei-Bigband am Mittwoch nur Galgenhumor übrig. Aber sie sind Profis und begeisterten in der Turnhalle der Grundschule Blekendorf etwa 110 Kinder, obwohl es hinter den Kulissen gewaltig brodelt: Ende des Monats wird das Orchester im Zuge der Stellenstreichungen bei der Landespolizei aufgelöst.

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Immerhin ein dankbares Publikum: Die Polizei-Bigband spielte bei ihrem allerletzten Konzert in der Grundschule Blekendorf noch einmal groß auf.

Quelle: Manuel Weber

Blekendorf. Die Berufsmusiker werden innerhalb des Polizeiapparates verteilt. Am 3. August müssen sie auf ihren neuen Dienststellen antreten – mit mäßiger Begeisterung und viel Frust. Sie wissen einfach noch nicht, was dort genau auf sie zukommt.

Etwas 100 Konzerte im Jahr haben sie gegeben und fast täglich geprobt. Die Polizei-Bigband war Vorgruppe bei einem Konzert von Udo Jürgens, sie begleitete Andy Borg, Peter Petrel und Vicky Leandros. Nicht zu vergessen die zahlreichen Auftritte bei den Polizeisportschauen, die Konzerte in Schulen zusammen mit Präventionsbeamten und bei Verabschiedungen hochrangiger Beamter. „Die Musik ist unser Leben. Wir haben viele Menschen erreicht und begeistert“, sagte Bandleader Jiri Halada, der Saxophon studiert hat. Seit 1991 ist der heute 54-Jährige dabei, 2011 übernahm er die Leitung und verpasste der Bigband über die Jahre eine neue Ausrichtung – von der reinen Marschmusik hin zu modernen Stücken aus Rock und Pop. Jetzt wechselt Halada ins Polizeiamt und soll im Veranstaltungsmanagement arbeiten. „Ich habe mich schon erkundigt, weiß aber nicht, was mich erwartet“, sagte der gebürtige Tscheche. Ganz unglücklich über die Auflösung ist Bogdan Schultyssek, der seit 33 Jahren Klarinette und Saxophon in der Bigband spielt und der dienstälteste Musiker ist. „Ich soll in die Asservatenkammer und kann mir nicht vorstellen, was ich dort machen soll“, erzählte der 58-Jährige. Dass es ihm kaum Spaß machen werde, könne man sich sicher vorstellen, sagte der aus Polen stammende Mann: „Seit 40 Jahren mache ich Musik.“

Harry Kretschmar ist seit 19 Jahren dabei und zupft die Saiten am Bass. Er geht zur Kriminalpolizei in die Abteilung Wirtschaftskriminalität. „Soll ist da die Excel-Tabellen blau einfärben?“, fragte der 54-Jährige. Von der Materie hat er genauso wenig Ahnung wie ein Ermittler von einem Bass.

Hedi Peters will das alles nicht mehr mitmachen. Die 54-Jährige spielt Klarinette und Saxophon und hat um die Auflösung ihres Vertrages gebeten. „Ich arbeite dann als Goldschmiedin auf Gut Panker“, erzählte sie. „Andere Kollegen gehen ins Gesundheitsmanagement, in die Waffenkammer, werden Verkehrslehrer, verstärken die Personalabteilung oder arbeiten in der Prävention“, sagte Halada. Ehemals 22 Frauen und Männer gehörten dem Orchester an. Jetzt sind es noch 15. Ende des Monats werden sie ihre Instrumente aus der Hand legen. Drei Musiker sind bereits nach Hamburg gegangen und spielen in Orchestern weiter, einer in Babelsberg. Zwei Kollegen sind schon im Ruhestand. Einer hat bei dem verheerenden Brand in der Feldstraße in Kiel sein Instrument verloren.

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