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Doppeltes Leid durch Handy-Gaffer

Schleswig-Holstein Doppeltes Leid durch Handy-Gaffer

150 Gaffer haben vergangene Woche den Einsatz von Polizei und Rettungsdiensten im Kieler Stadtteil Gaarden behindert. Ein Phänomen, mit dem die Polizei in der Landeshauptstadt bislang in dieser Form nicht konfrontiert wurde, das landesweit aber kein Einzelfall ist.

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Durch Handy-Aufnahmen werden viele Einsätze behindert.

Quelle: Andreas Gebert

Kiel. Im August vergangenen Jahres sorgten Katastrophentouristen für Empörung, die mit Smartphones die Bergung eines Badetoten in Bösdorf (Kreis Plön) filmten. Die Aufnahmen tauchten später im Internet auf. Im Februar dieses Jahres beobachtete die Polizei Staus und mehrere Folgeunfälle auf der Autobahn 1. Dort hatte sich zuvor ein Auto überschlagen. In Höhe der Unfallstelle bremsten viele Fahrer stark ab, um Handyfotos zu schießen. Nur mit Platzverweisen konnte die Polizei im März die Löscharbeiten an einem brennenden Gebäude in Kaltenkirchen sichern. Dort standen vier junge Männer und behinderten die Feuerwehr. Einsichtig zeigten sich die Gaffer nicht. Erst nach Drohungen, sie in Gewahrsam zu nehmen, zogen sich die Schaulustigen zurück.

 Das Filmen und Fotografieren per Smartphone sei ein zunehmendes Problem, mahnen Experten. „Wenn Gaffer am Unglücksort zur Kamera greifen und diese Bilder ins weltweite, nie vergessende Netz stellen, wird den Opfern und ihren Angehörigen ein weiteres Mal Leid zugefügt“, mahnt Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU). Gafferei lasse sich nur eindämmen, indem man aufklärt, sensibilisiert und an die moralischen Werte der Menschen appelliere. „Wenn es uns dann gelingt, den Gaffer zum Helfer werden zu lassen, haben am Ende alle gewonnen“, so Schlie.

 „Wo es zur Ermöglichung von Rettungseinsätzen erforderlich ist, sollten Absperrungen zum Einsatz kommen, die diese gewährleisten“, fordert Patrick Breyer von der Piratenpartei. Härtere Strafen lehnt er ab: „Sie wirken erfahrungsgemäß nicht abschreckend, funktionieren nicht, sind deshalb nicht sinnvoll.“ Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband hat Vorbehalte gegen mobile Sichtschutzwände: „Wer soll die aufstellen? Die Kameraden sind am Einsatzort ausreichend gefordert.“

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