16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Gehört der Wolf in den Norden?

Kiel Gehört der Wolf in den Norden?

Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein mobilisiert die Massen. Parallel zur Ankündigung von Umweltminister Robert Habeck (Grüne), das landesweite Wolfsmanagement in den kommenden Wochen neu aufstellen zu wollen, gab es am Dienstagabend eine Informationsveranstaltung in der Kieler Fachhochschule.

Voriger Artikel
Teurer Schaulauf der Politik-Prominenz
Nächster Artikel
Prozess um Leiche unter Gartenteich: Urteil erwartet

Das Interesse am Wolf war riesig: Eine Informations- und Diskussionsveranstaltung des Umweltministeriums im Audimax der Fachhochschule Kiel hatte nicht genügend Plätze für die interessierten Gäste aus dem ganzen Land.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Etwa 650 Besucher, darunter Jäger, Naturschützer sowie Tierzüchter und Halter waren gekommen. Die Veranstaltung unter dem Titel „Wölfe in Schleswig-Holstein“ war so überlaufen, dass einige Interessierte an den Türen abgewiesen wurden.

Während der Diskussion wurde schnell klar, dass es nur vordergründig – 200 Jahre nach seiner Ausrottung – um die Rückkehr eines Wildtieres geht. Vielmehr stelle sich die Frage, ob und wie zwei Geschöpfe am Ende der Nahrungskette (Mensch und Wolf) miteinander leben wollen. Die Meinungen der Gäste und Experten reichten in den Redebeiträgen daher von „Der Wolf gehört nicht nach Schleswig-Holstein“ bis „Wir müssen diesen wilden Geschöpfen Lebensraum geben.“

Um einen sachlichen Blick auf das Thema sicherzustellen, kamen mehrere Experten zu Wort. Norman Stier von der Technischen Universität Dresden forscht seit Jahren über Wölfe. Angesichts der tatsächlich bestätigten Sichtungen im Vergleich mit anderen Ländern unterstrich er: „Wir haben ganz wenig Wolf.“ Aber, es gebe immer wieder extreme Tiere, die Probleme bereiteten.

Karl-Henning Hinz vom Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter warnte eindringlich vor der Rückkehr des Wolfes. „Eine artgerechte Haltung von Tieren auf der Weide ist mit dem Wolf nicht mehr möglich.“ Warum sollten die Halter ihre Tiere in den Stall stellen, fragte Hinz. „Stellt doch den Wolf in den Stall.“

Klaus-Hinnerk Baasch, Präsident des Landesjagdverbandes, bot die Hilfe der Jägerschaft an und betonte mehrfach, das Aufklärung für die Bevölkerung jetzt sehr wichtig sei. „Da hat es in der Vergangenheit viel Verharmlosung gegeben.“ Jetzt brauche es „klare Spielregeln“, forderte Baasch und betonte, dass es nicht die Jäger seien, die den Wolf im Jagdrecht sehen wollen.

Fritz Heydemann vom Naturschutzbund (NABU) versuchte, den Zuhörern mit Zahlen und Fakten zum Thema Wolf die Angst zu nehmen. Aber: Auch der NABU-Mann gehe davon aus, einzelne Problemtiere, die – wie im Niedersächsischen Munster – ihre Scheu vor dem Menschen verloren haben, erschossen werden müssten.

Im Gegensatz zu den Jägern hatte sich der Bauernverband bereits dafür ausgesprochen, den Wolf unter ganzjähriger Schonung ins Jagdrecht aufzunehmen. So könnten verletzte Wölfe nach Verkehrsunfällen und auffällige Tiere schneller getötet werden. Minister Habeck hält davon offenbar nichts. „Der Wolf befindet sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Daran wird sich absehbar nichts ändern. Vor diesem Hintergrund erscheint das Jagdrecht grundsätzlich weniger zur Lösung der anstehenden Probleme im Wolfsschutz geeignet als das Artenschutzrecht.“ Dennoch sei es wichtig „die Entnahme eines Wolfes gerichtsfest zu machen“, so Habeck. Zu den konkreten Plänen gehören eine neue Koordinierungsstelle, zusätzliches Personal, Herdenschutzpakete für Tierhalter sowie ein runder Tisch mit Jägern, Schafhaltern und Naturschützern. Dazu soll das Parlament 100000 Euro pro Jahr bewilligen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH