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Zu viel Gülle im Grundwasser

Nitratwert 40 Mal überschritten Zu viel Gülle im Grundwasser

Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen gefährden laut EU das Grundwasser in Schleswig-Holstein. „Wir haben ein Nitrat-Problem“, bestätigt Umweltminister Robert Habeck (Grüne), „es wird zu viel gedüngt, und das gefährdet das Trinkwasser künftiger Generationen.“ Bei 40 Messstationen im Land überschreitet der Nitratwert im Grundwasser die zulässige Höchstmenge von 50 mg/l. Der Kieler Professor Friedhelm Taube, Sachverständiger der Bundesregierung, fordert dringend strengere Dünge-Gesetze.

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Der Mais ist abgeerntet – jetzt kommt der Güllewagen. Würden wie gefordert strengere Düngeregeln durchgesetzt, dürfte nur noch in einem engen Zeitfenster Gülle ausgebracht werden, damit der Stickstoff in die Pflanze und nicht in den Boden geht. Statt vom Prallteller verspritzt zu werden, müsste der Dünger per Schlauch auf den Boden aufgebracht werden.

Quelle: Wolfgang Weihs/dpa

Kiel. Ein breites rotes Band zieht sich von Süd nach Nord durch Schleswig-Holstein. Hier ist das Grundwasser gefährdet, weil es zu viel Nitrat enthält. Insgesamt sind es 22 von 55 Grundwasserkörpern – etwa der Hälfte der Landesfläche. Weil das Trinkwasser in vielen Gebieten Schleswig-Holsteins aus dem Grundwasser gewonnen wird, muss es an etlichen Orten mit wenig belastetem Wasser gemischt oder kostspielig aufbereitet werden. Nur so ist der Grenzwert von 50 mg/l einzuhalten. Das macht Sinn: Nitrat kann beim Menschen die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse einschränken, vor allem aber im Körper jene Nitrosamine bilden, die als krebserregend gelten.

 Fachleute wie Prof. Taube, der an der Kieler Universität das Problem seit Jahren erforscht, überraschen die Nitratwerte nicht. Schließlich wird nicht nur mit der Gülle aus der Tierhaltung gedüngt, sondern auch mit den Gärresten aus den Biogasanlagen. Allein in Schleswig-Holstein sind das 630. „Die Gärreste, die vom Mais in den Biogasanlagen übrigbleiben, enthalten wie Gülle Stickstoff“, sagt Taube. „deshalb werden diese Reste auch wie Gülle als Dünger eingesetzt.“

 Allein der Dünger aus den schleswig-hosteinischen Biogasanlagen entspreche der Gülle von 150000 Kühen. Eine riesige Menge, die die Betreiber möglichst kostengünstig loswerden wollen. Deshalb werden die Gärreste meist als Dünger in der Umgebung eingesetzt. Angesichts der riesigen Mengen führt das immer noch viel zu oft zu Überdüngungen, kritisiert Taube.

 Werden die Gärreste zum Beispiel jetzt im Herbst auf ein abgeerntetes Maisfeld aufgebracht, wird der Nährstoff kaum genutzt, sondern versickert. Im Boden reichert sich der Stickstoff als Nitrat an. Das wird ausgewaschen und gelangt ins Grundwasser, in Flüsse, Seen und Meere. Nicht nur ein Gefahr fürs Grundwasser, sondern auch für die biologische Vielfalt.

 Dass Deutschland mit seinen Nitratwerten im Grundwasser EU-weit an vorletzter Stelle steht, wird auch im aktuellen Bericht der EU-Kommission beanstandet. Die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie seien so nicht einzuhalten. „Wir müssen uns dringend der Problematik der verfehlten Förderung von Biogasanlagen stellen und sichergehen, dass nur soviel Gärreste auf die Felder ausgebracht werden, wie die Pflanzen aufnehmen können“, fordert die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Europaabgeordneten, die Schleswig-Holsteinerin Ulrike Rodust.

 In Schleswig-Holstein haben Bauernverband und Umweltministerium eine Allianz für Gewässerschutz initiiert. Ein Ergebnis: Landwirte sollen freiwillig auf einem breiten Schutzstreifen an Gewässern gegen eine Entschädigung aufs Düngen verzichten. Auch die Gewässerschutzberatung wurde intensiviert. Doch ohne ein strengeres Düngerechts auf Bundesebene ist das Problem für Habeck nicht zu lösen. „Gärreste aus Biogasanlagen müssen genauso wie die Gülle den Höchstwerten für die Stickstoffdüngung unterliegen und Sperrfristen verlängert werden.“ Taube fordert zudem eine Hoftorbilanz: Jeder Betrieb müsse umfassend dokumentieren, welche Nährstoffe hinein- und wieder hinausgehen.

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Wasser ist keine übliche Handelsware. Es ist ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie betont das mit Fug und Recht. Denn allzu weit ist Deutschland nicht mit dem Gewässerschutz. Das Ziel der EU-Richtlinie – ein guter chemischer Wasserzustand – ist noch in weiter Ferne. Das Nitrat ist dafür nur ein Beispiel, aber ein anschauliches: Man hat die Biogasanlagen kräftig subventioniert, deren Auswirkungen jedoch ausgeblendet.

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