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Bewährungsstrafe nach Badeunfall

Prozess in Kiel Bewährungsstrafe nach Badeunfall

Knapp drei Jahre nach dem Ertrinkungstod eines zwölfjährigen Mädchens beim Baden im Holtsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat das Kieler Landgericht dessen damaligen Fußballtrainer wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Als Auflage für die zweijährige Bewährungszeit muss der 61-jährige Angeklagte 3000 Euro an die Hinterbliebenen des Opfers zahlen.

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Nach einem Badeunfall in Holtsee, bei dem eine Zwölfjährige ums Leben kam, fordert die Anklage jetzt eine Bewährungsstrafe.

Quelle: Arne Dedert/ dpa/ Archiv

Kiel. „Eine fatale Fehlentscheidung mit schrecklichen Folgen“ nannte der Vorsitzende der 35. Strafkammer, Stephan Worpenberg, gestern im Urteil den Entschluss des Trainers, eine neunjährige Nichtschwimmerin im Huckepack ins tiefe Wasser zu transportieren. An jenem heißen Sommertag am 27. Juli 2012 waren zuvor zwei geübte Schwimmerinnen, darunter das spätere Opfer, zu einer Badeinsel hinausgeschwommen.

Aus etwa 60 Metern Entfernung winkten die Mädchen ihrer leicht körperbehinderten Kameradin am Ufer zu. Die wollte unbedingt auch dorthin, habe gequengelt und gebettelt, so der Angeklagte. Da habe er sich breitschlagen lassen. Offenbar hatte das als wasserscheu geltende Kind während der einwöchigen Ferienfreizeit Spaß am Baden entdeckt. Zudem waren Trainer und Spielerinnen euphorisch, weil sie bei einem Kick gegen einheimische Jungen nach einem 5:1-Rückstand ein Remis erkämpft hatten.

„Er wollte ihr eine Freude machen.“ So erklärte der Staatsanwalt das grob fahrlässige Verhalten des Trainers. Der ging die Strecke ohne jede Sicherung oder Schwimmhilfe im Bruststil an. Das 21 Kilo schwere Mädchen nahm er mit – und missachtete damit die ausdrückliche Anweisung der Eltern, ihre leicht in Panik geratende Tochter auf keinen Fall ins tiefe Wasser zu lassen.

Etwa auf halber Strecke, so das Urteil, verließen den Trainer die Kräfte. Das Mädchen an seiner Schulter geriet in Panik, klammerte sich fest, nahm ihm die Luft. Beide schluckten Wasser. Als der Angeklagte um Hilfe rief, sprang die Zwölfjährige von der Badeinsel ins Wasser. Beim Versuch, die beiden zu retten, wurde sie selbst unter Wasser gedrückt und ertrank. Die anderen erreichten mit letzter Kraft das Ufer.

Der ausgebildete Gymnasiallehrer für Sport und Englisch übernimmt nach eigenen Worten die Verantwortung für den Tod der Zwölfjährigen. Die Gefährlichkeit seiner Aktion will er aber nicht vorausgesehen haben. Sein Verteidiger forderte Freispruch. Dem folgte die Kammer nicht: Gerade als ausgebildeter Rettungsschwimmer hätte er die Risiken erkennen müssen. Auch dass die Zwölfjährige bei Komplikationen in die Katastrophe hineingezogen werden könnte, war laut Urteil naheliegend und vorhersehbar.

Nach DLRG-Zahlen DLRG ertranken in jenem Jahr 21 weitere Menschen bei Badeunfällen in Schleswig-Holstein. 2014 starben 26. Rund 80 Prozent der bundesweit 446 tödlichen Badeunfälle (2013) ereigneten sich an unbewachten Binnengewässern. Die größte Risikogruppe seien ältere Männer über 60 Jahre, die ihre Kräfte überschätzten.

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