16 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Ein Rundgang im Märchen

Schloss Glücksburg Ein Rundgang im Märchen

Seit 428 Jahren zählt Schloss Glücksburg zu den bedeutendsten Herrschaftsgebäuden in Nordeuropa. Nur zehn Kilometer von Flensburg entfernt, prägte es als Wiege europäischer Königshäuser die Geschichte Schleswig-Holsteins. Ein Rundgang.

Voriger Artikel
TK-Report: Frauen in Hamburg häufiger krankgeschrieben
Nächster Artikel
Autofahrer mit 3,5 Promille von Polizei gestoppt

Schloss Glücksburg liegt nur eine Viertelstunde von Flensburg entfernt und gehört zu den bedeutendsten Schlossanlagen in Nordeuropa.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Glücksburg. Die Kulisse erinnert an einen Film: Umringt von einem großen See und hohen Bäumen, deren Äste leicht ins Wasser ragen, steht Schloss Glücksburg mit seiner strahlend weißen Außenfassade mitten auf einer kleinen Insel. Der Weg dorthin führt zunächst über eine kleine Schlossgraben-Brücke und durch eine Vorburg mit Torhaus zum Innenhof. Vorbei an einem ehemaligen Wirtschaftshof, einigen Nebengebäuden, einem prunkvollen Schlossgarten und einem historischen Pferdestall wird der Weg etwas steiniger. Ein breiter Damm führt vom viereckigen Vorplatz direkt zum Eingang des Anwesens.

 An der großen Holztür erwartet Bernhard Engelke die Museumsbesucher. Seit 15 Jahren ist er Mitarbeiter auf Glücksburg, kennt jeden Winkel und die besten Anekdoten des Adels. „Auf Schloss Glücksburg wurde für ganz Schleswig-Holstein Geschichte geschrieben“, sagt der 68-Jährige und führt die Besucher in den ersten Raum.

Einfach märchenhaft: Auf Schloss Glücksburg kann man eine Reise in die bewegte Vergangenheit von Schleswig-Holstein unternehmen. Ein Besuch.

Zur Bildergalerie

 Bis zu Beginn der Reformation im Jahr 1517 stand an der Stelle des Schlosses noch ein mittelalterliches Kloster der Zisterziensermönche, und der See war damals ein kleiner Bach. Erst zwischen 1583 und 1587 wurde das Schloss von Herzog Johann (Hans) dem Jüngeren gebaut, der das Kloster und weitere Gebiete von seinem Bruder, dem dänischen König Friedrich II., übernommen hatte. Mit einer Länge von je 30 Metern ließ Baumeister Nikolaus Karies drei Giebelhäuser aneinanderreihen, an deren vier Ecken jeweils die Türme mit einem Durchmesser von sieben Metern errichtet wurden. Das Schloss mit seinen prägnanten Ecktürmen und einer symmetrischen Raumanordnung entstand nach französischem Vorbild. Alle Räume sind mit Ausnahme der oberen Etage kunstvoll gewölbt und mit Stuck besetzt.

 In der Grünen Diele, dem ersten Raum des Schlosses, hängt links an der Wand ein Porträt des Bauherrn Herzog Johann. „Seinen Namen erhielt das Schloss nach dem Wahlspruch Johanns: ‚Gott gebe Glück mit Frieden‘“, sagt Engelke. Von dem großen Eingangsbereich führt der Weg hinunter in die Kapelle. Im Jahr 1717 wurde der Raum, der sich über zwei der Langhäuser erstreckt, von Herzog Philipp Ernst im barocken Stil umgestaltet. Der hölzerne Kanzelaltar dagegen stammt noch aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und zeichnet sich durch aufwendige Schnitzarbeiten aus. „Noch heute geben sich hier Brautpaare das Jawort“, sagt der Museumsführer. Ein besonderer Blickfang sind die Decken, die aus der Zeit der Erbauung stammen und deren kleine Stuck-Gesichter an die 23 Kinder von Johann erinnern sollen.

 Unter der Orgel aus dem Jahr 1847 befindet sich hinter einem Holzverschlag die Familiengruft. Durch einen kleinen Spalt sind die steinernen Särge zu sehen. „Das ist für die kleinen Besucher immer ein besonderer Spaß“, sagt Engelke mit einem Augenzwinkern: „Jedes Mal will mindestens ein Kind gesehen haben, wie sich ein Deckel bewegt.“

 Zwischen schweren Vorhängen, barocken Möbelstücken und altem Silberbesteck hätten sich Rapunzel und Dornröschen bestimmt zu Hause gefühlt. Doch es war keine dieser Märchengestalten, die im Schloss ein- und ausgingen, sondern der europäische Hochadel. Fünf Generationen der Herzöge von Glücksburg residierten zwischen 1622 und 1779 auf dem Schloss. Dann starb der letzte Herzog der älteren Glücksburger Linie. Nach dem Tod seiner Witwe verlieh der dänische König Friedrich VI. am 6. Juli 1825 das Schloss samt Herzogstitel an Herzog Wilhelm von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck. Dieser heiratete Louise Caroline, eine Tochter des Statthalters der Herzogtümer, des Landgrafen Carl von Hessen. Unter ihren zehn Kindern waren der spätere König Christian IX. von Dänemark und Herzog Friedrich. Im Kaiserinnenturmzimmer im ersten Stock findet sich noch heute eine Familiengalerie mit einem Porträt Christians als kleiner Junge. Er ging als „Schwiegervater Europas“ in die Geschichte ein, da alle seine Kinder in europäische Dynastien verheiratet wurden. So kam es zu spektakulären Verbindungen, die bis nach Russland reichten.

 Die Führung geht weiter in den ersten Stock – dort liegt der rote Saal. Früher noch mit Seidenstoffen an den Wänden verkleidet, diente er den Bewohnern für Fest- und Bankettabende. In einem Nebenraum rekonstruiert eine gedeckte Tafel den Besuch der letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria. „Sie stammte aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und hielt sich oftmals in Glücksburg auf. Ihre Schwester Caroline Mathilde war mit Herzog Friedrich Ferdinand verheiratet“, erklärt Engelke.

 Über eine schmale Holztreppe, die durch einen der Türme verläuft, geht es in den zweiten Stock. Die Wände im weißen Saal sind mit meterlangen, aufwendig geknüpften Teppichen aus dem 18. Jahrhundert geschmückt. „Ein Weber brauchte für einen Quadratmeter Teppich rund ein Jahr“, sagt Engelke und führt die Gruppe in einen weiteren Raum. Hier hält ein Gemälde einen bedeutenden Augenblick für die Geschichte Schleswig-Holsteins fest: Zu sehen ist Christian I. aus dem Hause Oldenburg, der 1460 Landesherzog von Schleswig und Holstein wurde, während einer Proklamation vor seiner Wahl. In dieser Szene sagte er einen Satz für die Ewigkeit: „Unde dat se bliven ewich tosamende ungedelt.“ Er versprach damit, die beiden Herzogtümer nicht wieder zu trennen, und bekräftigte das mit dem Vertrag von Ripen, erzählt Engelke. Den Wahlspruch Schleswig-Holsteins „Up ewig ungedeelt“ kennt noch heute im Norden jeder.

 Die Arbeitsverhältnisse der Dienerschaft zeigen sich schließlich im dritten Stock des Schlosses. Nach den prunkvollen Zimmern stehen hier karge Möbel in schlichter Machart. „Eine Heizung gab es hier oben nicht. Es wurde nur warm, wenn gerade in der Küche gekocht wurde“, sagt Engelke.

 Heute trägt Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein die Verantwortung für Schloss Glücksburg und dessen Stiftung. Anstelle eines herzoglichen Banketts werden die Räume mittlerweile für Hochzeiten, Firmenfeiern und Taufen genutzt.

 Auch wenn Schloss Glücksburg in der Moderne angekommen ist, findet sich hier Schleswig-Holsteins Geschichte in jedem Winkel wieder. Und das wird auch immer so bleiben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kathrin Mansfeld
Digitale Angebote

Mehr aus Nachrichten: Norddeutschland 2/3