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Marzipanlaster unter „Polizeischutz“ gestohlen

Schöffengericht in Neumünster Marzipanlaster unter „Polizeischutz“ gestohlen

Der Anklagevorwurf wog tonnenschwer: Drei Männer aus Osteuropa sollen als Anführer einer elfköpfigen Autoschieberbande im November 2014 drei große Sattelzüge (Wert 240 000 Euro) vom Hof einer Spedition in Neumünster gestohlen haben. Am Mittwoch verhängte ein Schöffengericht Bewährungsstrafen bis zu anderthalb Jahre gegen das im Kern geständige Trio.

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Das Schöffengericht in Neumünster verurteilte die Marzipanlaster-Diebe.

Quelle: dpa

Neumünster.  Das Urteil entspricht einem Deal, den die Anwälte der 32 bis 46 Jahre alten Männer mit Staatsanwaltschaft und Gericht ausgehandelt hatten. Auf eine detaillierte Aufklärung der Hintergründe wurde aus prozessökonomischen Gründen verzichtet. Allein die Auswertung mehrerer Hundert abgehörter Telefonate aus dem weitläufigen Täterumfeld hätte das Gericht monatelang beschäftigen können – mit ungewissem Ergebnis.

 Die Angeklagten waren durch Zufall in den Fokus der Ermittler geraten. Ob sie gewerbsmäßig und als Mitglieder einer Bande vorgingen, blieb in der Schwebe. Offenbar tauschten sie sich wochenlang auf Russisch, Ukrainisch oder Rumänisch über attraktive Fahrzeuge und ihre Standorte aus. Für die Verteidiger kein Beweis für strafbares Handeln, zumal die Gesprächspartner der Telefonate nicht immer zweifelsfrei identifizierbar waren.

 Auf frischer Tat ertappt und festgenommen wurden die Angeklagten und ihre acht mutmaßlichen Komplizen unmittelbar nachdem sie mit den drei Sattelzügen in der Nacht zum 15. November den Tatort verlassen hatten. Unter ihnen waren zwei Angestellte der bestohlenen Spedition, die den Tätern die entscheidenden Tipps geliefert haben sollen.

 Seit Mitte Oktober 2014 saßen die drei Angeklagten getrennt in U-Haft – in Neumünster, Lübeck und Itzehoe. Ihr Ziel, räumten sie im Prozess als Gegenleistung für die milden Bewährungsstrafen ein, war der gewinnbringende Verkauf der drei Sattelschlepper mit Kühlcontainern im Wert von je 80 000 Euro, von denen einer prall voll mit Marzipan und Schokolade beladen war.

 Die polnischen Abnehmer warteten vergebens auf die hochwertigen Lkw und ihre süße Fracht. Strafmildernd wirkte sich aus, dass die Observierung von Tat und Planung durch die Polizei einen realen Schaden ausgeschlossen hatte. Jetzt stehen die Angeklagten für zwei Jahre unter Bewährung. Zwei von ihnen haben keine Aufenthaltserlaubnis und müssen umgehend das Land verlassen.

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