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Kreis verdonnert Eltern zu Bußgeld

Moschee-Besuch verboten Kreis verdonnert Eltern zu Bußgeld

Die Weigerung eines Schülers aus Rendsburg, eine Moschee zu betreten, beschäftigt zurzeit die Staatsanwaltschaft Itzehoe. Der 13-Jährige war am 14. Juni dem Schulausflug seiner Erdkunde-Klasse aus weltanschaulichen Gründen fern geblieben.

Rendsburg/Itzehoe. Am Gymnasium Kronwerk in Rendsburg haben Eltern im Juni ihrem 13-jährigen Sohn einen Klassenausflug zur benachbarten Moschee verboten. Niemand dürfe gezwungen werden, einen Sakralbau zu betreten, „wenn ihm sein Gewissen oder seine Weltanschauung dies verbietet“, lautete ihre Begründung. Auch habe „die Sorge um die Sicherheit für Leib und Leben unseres Kindes“ bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. Sie sprachen von der Gefahr „religiös motivierter Gewalt“. Nachdem der Siebtklässler dem mittags anberaumten eineinhalbstündigen Termin fernblieb, flatterte den Eltern ein Bußgeldbescheid über zweimal 150 Euro für den Vater und die Mutter vom Kreis Dithmarschen ins Haus – Rendsburg-Eckernförde hat diesen Bereich aus wirtschaftlichen Gründen nach Heide abgegeben. Die Eltern reichten Widerspruch ein.
Nach Angaben eines Sprechers des Kreises Dithmarschen liegt die Zuständigkeit nunmehr bei der Staatsanwaltschaft in Itzehoe. Zwar bestätigte er den Vorgang, gab aber mit Verweis auf das laufende Verfahren keine weiteren Auskünfte. Auch der Landrat von Rendsburg-Eckernförde, Rolf-Oliver Schwemer, wollte den Fall mit Blick auf die gut funktionierende Verwaltungskooperation mit seinem Heider Kollegen Jörn Klimant nicht kommentieren. Nur so viel: „So, wie mir der Fall geschildert wurde, hätte die Angelegenheit möglicherweise auch anders geklärt werden können.“
Die anderen Kinder hatten die Moschee im Rahmen ihres Erdkundeunterrichts besucht. Schleswig-Holsteins Lehrplan sieht für die siebten Klassen das Thema „Der Orient – Machtfaktoren Wasser und Erdöl“ vor. Es geht um die großen Wüstengürtel der Erde, um islamische Lebensformen, um Trockenräume und Bewässerung, Entwicklung durch die Ressource Erdöl und den schwierigen Interessenausgleich im Nahen Osten. Nach Information unserer Zeitung hatte der Vater des 13-Jährigen bei der Schulleitung vorgesprochen, weil nach seiner Ansicht statt Erdkunde Religion unterrichtet wurde. Er setzte sich dafür ein, dass sein Kind während dieser Zeit in einer anderen Klasse beschult wird. Dieser Ersatz wurde ihm verweigert.
Die Eltern schalteten darauf den Anwalt Alexander Heumann aus Düsseldorf ein, der auch im Bundesvorstand des rechtspopulistischen Vereins „Pax Europa“ tätig ist. Seiner „Verteidigerschrift für die breite Öffentlichkeit“ im Internet stellt er unter anderem das Foto der Rendsburger Moschee voran, die er nicht nur als protzig bezeichnet, sondern auch als „größten architektonischen Schandfleck in ganz Norddeutschland“. Seine Auftraggeber hätten eine religiöse Indoktrination befürchtet. Doch nicht nur der Staat, sondern auch Eltern hätten einen Erziehungsauftrag. Dem seien sie nachgekommen.

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