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Schülerin stirbt beim Deo-Schnüffeln

Eltern warnen vor Inhalieren Schülerin stirbt beim Deo-Schnüffeln

Tödliche Suche nach dem Rausch: Eine 13-jährige Schülerin aus Kronshagen ist beim Inhalieren von Treibgasen aus Deosprays erstickt. Die Mutter fand das tote Mädchen in ihrem Kinderzimmer. Einen vergleichbaren Fall hat es nach Angaben von Polizei und Suchtexperten in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben. Die Familie des Mädchens sucht die Öffentlichkeit, um andere Eltern zu warnen.

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Ramona und Marco E. sowie ihr jüngster Sohn Louis (4) mit einem Foto von Judith, die am vergangenen Freitag in ihrem Kinderzimmer gestorben ist. Das Mädchen soll am Montag im Familienkreis beigesetzt werden.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel/Kronshagen. „Wenn wir nur ein Kind durch unseren Appell retten und anderen Familien diesen Schmerz ersparen, haben wir bereits gewonnen“, sagt Marco E. aus Kronshagen. Am Freitag vergangener Woche haben seine Frau und er morgens den Leichnam ihrer jüngsten Tochter gefunden. „Sie lag neben ihrem Schreibtisch, hatte eine Plastiktüte vor dem Gesicht, neben ihr lag eine Deo-Dose“, berichtet der 51-Jährige.

 Von einem Suizid gehen die Eltern nicht aus. „Sie war ein lebensbejahendes Mädchen, plante voller Vorfreude ihren 14. Geburtstag Ende März.“ Auch die Polizei fand keinerlei Hinweise für eine gezielte Selbsttötung. „Offenbar hat unsere Judith über einen längeren Zeitraum Lösungsmittel und Treibgase geschnüffelt, um sich zu berauschen – und wir haben nichts gemerkt“, sagt Marco E. Die Eltern machen sich schwere Vorwürfe und rufen Väter und Mütter zu erhöhter Wachsamkeit auf. Erst im Nachhinein erkläre sich der hohe Verbrauch von Deodorants ihrer Tochter, zugleich das stetige Klagen des Mädchens über Kopfschmerzen und Schwindel. „Wir wussten nicht, dass man Drogen im Laden um die Ecke kaufen kann“, sagt Marco E.. Die Obduktion von Judiths Leichnam habe den Verdacht bestätigt, sagt der Vater.

 Vergleichbare Todesfälle habe es in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben, erklärte eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA). 2006 waren im Norden Deutschlands zwei Teenager beim Inhalieren von Treibgasen zu Tode gekommen: in Rostock und in Oldenburg/Niedersachsen. Dr. Folker Westphal, Toxikologe des LKA Kiel, warnt eindringlich vor den Risiken des Rausches aus der Spraydose: „Beim sogenannten Schnüffeln wird das Treibgas in die Lunge inhaliert, der Sauerstoff verdrängt.“ Ist das Sauerstoffdefizit entsprechend hoch, tritt zunächst Benommenheit, dann ein komatöser Zustand und schlimmstenfalls der Tod ein. „Da das Gas in Spraydosen unter Druck steht, lässt sich die inhalierte Dosis schwer kontrollieren“, sagt Westphal.

 „Derartige Todesfälle sind uns in Schleswig-Holstein bisher nicht bekannt“, sagt auch Regina Kostrzewa, Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen. Bei Präventionsveranstaltungen in Schulen spiele das Thema Schnüffelstoffe keine große Rolle. „Es wird als Suchtmittel zwar angesprochen, stellt aber kein Kernthema wie Alkohol, Tabak oder Cannabis dar“, sagt Kostrzewa. Nur bei Nachfragen werde vor den Risiken gewarnt. „Erfahrungsgemäß sind dies aber Einzelfälle“, so Kostrzewa. In Deutschland sei der Anteil von Schnüffelstoffen bei zwölf- bis 17-jährigen Drogenkonsumenten mit 0,1 Prozent verschwindend gering, so die Expertin.

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Foto: Ramona und Marco E. sowie ihr jüngster Sohn Louis (4) mit einem Foto von Judith, die am vergangenen Freitag in ihrem Kinderzimmer gestorben ist. Das Mädchen soll am Montag im Familienkreis beigesetzt werden.

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