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Betrug mit Billig-Tickets

Bahnhöfe im Norden Betrug mit Billig-Tickets

Falsches Spiel mit Fahrkarten: An den Bahnhöfen in Schleswig-Holstein blüht das Schattengeschäft mit Gruppen-Tickets. Gezielt werden Reisende mit Schnäppchenpreisen von Betrügern geködert. „Die Maschen der sogenannten Ticketschlepper werden immer professioneller“, warnt Gerhard Stelke von der Bundespolizei in Kiel.

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Alltag auf dem Kieler Hauptbahnhof: Ein Lockvogel (Mitte) wirbt im Umkreis der Ticketautomaten um Mitfahrer für Gruppentickets. In diesem Fall hat er bereits mehrere Reisende gefunden. Häufig versuchen sogenannte Ticketschlepper, schnelles Geld zu machen, setzen sich kurz nach Fahrtantritt ab oder pendeln mit manipulierten Fahrkarten durchs Land. Die Polizei ist machtlos, kann nur Fahrgäste vor den Tricks der Betrüger warnen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Am Samstag rückt die Bundespolizei landesweit zu einer Großaktion aus. In den Bahnhöfen von Kiel, Neumünster, Lübeck und Elmshorn sollen Reisende gezielt auf die Gefahren der Betrugsmasche hingewiesen werden. Aus gutem Grund: Der illegale Handel mit genutzten Gruppenfahrkarten – wie dem Schleswig-Holstein-Ticket – boomt. „2014 haben wir allein im Bereich der Bundespolizei-Inspektion Kiel mehr als 700 Fälle gezählt“, sagt Behördensprecher Stelke.

 Das System der Ticketschlepper ist einfach, aber effektiv: Reisende werden auf den Bahnhöfen angesprochen. Meist postieren sich die Werber in der Nähe von Ticket-Automaten und bieten ihren potenziellen Opfern an, gemeinsam mit ihm ein zuvor gelöstes Tages-Gruppenticket zu nutzen. „Sie locken mit Schnäppchenpreisen von acht bis zehn Euro“, berichtet Stelke. Grundsätzlich ist dies rechtlich zulässig. Dennoch kann es für Mitfahrer richtig teuer werden. „Häufig kassieren die Ticketschlepper den vereinbarten Preis, verlassen aber unter einem Vorwand kurz vor der Abfahrt des Zuges noch schnell den Zug oder steigen an einem Bahnhof aus, an dem der Zug während der Fahrt hält“, berichtet der Bundespolizist. Für den ahnungslosen Reisenden bedeutet das: Wird er während der Fahrt von einem Zugbegleiter kontrolliert, kann er keine Fahrkarte vorlegen und wird unfreiwillig zum Schwarzfahrer.

Zur selben Zeit lockt der Betrüger bereits schon wieder neue Opfer in die Falle. „Alternativ pendelt der Schlepper den ganzen Tag zwischen mehreren Orten hin und her und kassiert vor jeder Fahrt bei seinen Mitfahrern“, sagt der Beamte. Fliegt der Schlepper als Betrüger auf, machen sich auch die Mitreisenden wegen des „Erschleichens von Leistungen“ strafbar und müssen mit hohen Geldbußen rechnen. 2013 wurden 18 Ticketschlepper von der Polizei in Kiel, Neumünster und Lübeck gefasst, im vergangenen Jahr waren es 22. „Die Spitze des Eisberges“, weiß Stelke, nicht zuletzt aufgrund der steigenden Anzahl von registrierten Fällen. Das System entwickele sich zu einer lukrativen Geldquelle für Kriminelle: „Bis zu 4000 Euro im Monat ergaunern sich Ticketschlepper mit dieser Masche“, sagt der 58-Jährige. Zum Vergleich: Der Kauf eines Schleswig-Holstein-Tickets kostet gerade einmal 40 Euro.

 Versuche der Deutschen Bahn, die Gruppenkarten gegen Betrüger sicherer zu machen, in dem sie mit den Namen der Mitreisenden beschrieben werden müssen, laufen ins Leere. Die Kriminellen werden immer raffinierter: „Sie kleben kaum sichtbare Folien über die Karten oder sprühen diese mit speziellen Tinkturen ein, mit denen man die Unterschriften wieder abwischen kann“, berichtet der Polizeisprecher, der den Ticketschleppern eine besondere „kriminelle Findigkeit“ attestiert.

 Die Anwerbeversuche in den Bahnhöfen können die Beamten nicht unterbinden. „Erst beim Nachweis, dass andere Personen geschädigt oder an den Tickets manipuliert worden ist, können wir einschreiten“, sagt Stelke. Ziel sei vielmehr, Bahnkunden vor Schaden zu bewahren. „Vielen sind die Gefahren nicht bewusst, so dass wir heute einen landesweiten Aktionstag planen, Flyer verteilen und das Gespräch mit Reisenden suchen werden“, kündigt Stelke an. Los geht es ab 9 Uhr an den Bahnhöfen in Kiel, Neumünster, Lübeck und Elmshorn.

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