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Midyatli soll in das Präsidium

Schleswig-Holsteinischer Heimatbund Midyatli soll in das Präsidium

Neue Offenheit beim Schleswig-Holsteinischen Heimatbund: Erstmals soll mit der SPD-Landtagsabgeordneten Serpil Midyatli eine Frau mit türkischen Wurzeln ins Präsidium des Dachverbandes. Die gebürtige Kielerin will dazu beitragen, dass sich in Zukunft Migranten und deren Nachkommen als Schleswig-Holsteiner fühlen.

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Erstmals soll mit Serpil Midyatli eine Schleswig-Holsteinerin mit türkischen Wurzeln ins Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes einziehen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Als der Heimatbund Serpil Midyatli fürs Präsidium gewinnen wollte, war die türkischstämmige SPD-Landtagsabgeordnete „freudig überrascht“. Zunächst hatte die 39-Jährige geglaubt, man wolle sie lediglich für eine Veranstaltung verpflichten. „Ich bin sehr herzlich und sehr offen empfangen worden“, sagt Midyatli. Der Heimatbund stellte die gebürtige Kielerin am Donnerstag in der Landeshauptstadt vor. Midyatli will am 13. Juni auf der Mitgliederversammlung für das Amt einer dritten Vizepräsidentin von Präsident Jörn Biel kandidieren - sie wird damit erstes Präsidiumsmitglied mit Migrationshintergrund.

Früher galt der Dachverband von gut 250 schleswig-holsteinischen Organisationen, Vereinen und Verbänden als eher hausbacken, traditionsfixiert und nicht unbedingt innovationsfreudig. „Der Heimatbund kam auf mich zu und machte deutlich, sich öffnen und die Vielfalt des Landes repräsentieren zu wollen“, sagt die muslimische Politikerin. Sie kam 1975 als Kind türkischer Einwanderer im Uniklinikum in Kiel zur Welt. Als Politikerin konzentriert sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende auf die Themen Migration und Integration sowie Familienpolitik.

„Warum gelingt es uns nicht, Menschen mit ausländischen Wurzeln zu integrieren, obwohl sie schon sehr lange hier leben?“ kritisiert Midyatli und nennt Gründe: Barrieren im Bereich Bildung, bei den Zugängen zum Arbeitsmarkt, im Staatsangehörigkeitsrecht. Viele Migranten hätten nie das Gefühl empfinden können, dazuzugehören. „Dieses Dazugehörigkeitsgefühl, hier beheimatet zu sein und hier sein Zuhause zu haben, ist weder in der ersten noch in der zweiten Generation so richtig gut gelungen — man ist nicht so richtig Fisch und nicht Fleisch.“

Hier will Midyatli ansetzen, für Aufmerksamkeit sorgen und als Türöffnerin dienen. So hofft sie, dass Migranten-Selbstorganisationen - „sie sind wichtig für die eigene Identität“ — und der Heimatbund mehr aufeinander zugehen. „Vielleicht ist ja sogar ein gemeinsamer Folklore-Verein möglich?“ Letztlich gehe es darum das Gefühl zu vermitteln, „auch Du bist Schleswig-Holstein“. Sie wolle Migranten und deren Nachkommen Mut machen, in Vereine zu gehen. Ein Freund von ihr sei gerade erstes Mitglied mit ausländischen Wurzeln in einem Schützenverein geworden. „Alle Schützenbrüder und -schwestern finden das toll. Und die Freiwilligen Feuerwehren haben sich geöffnet und werben sehr offensiv um Migranten und deren Nachkommen“, betont die Politikerin.

Sie selbst ist im LandFrauenVerein Gettorf und Umgebung und will jetzt Mitglied werden in der Heimatgmeinschaft Eckernförde. Ihre Kinder spielen in Gettorf, wo die Familie seit drei Jahren lebt, im Verein Fußball. „Der große ist elf Jahre alt und der Lütte fünfeinhalb.“ So wie sie Kiel als Heimat empfinde, würden ihre Kinder das später einmal über Gettorf sagen.

Schleswig-Holstein schätzt sie, „weil die Menschen hier bodenständig, ehrlich und aufrichtig sind“. Mit 13 Jahren hat Midyatli ein Schlüsselerlebnis für ihr Heimatempfinden. Als die Familie 1988 aus der Türkei zurückkehrt, die deutsche Grenze passiert, sich durch die verschiedenen Bundesländer von Bayern bis nach Niedersachsen durchkämpfte, hopsen alle wie verrückt im Auto, als sie endlich in Schleswig-Holstein, „unserem Zuhause“, sind.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)