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So fies zockt "Megawinn 3000" ab

Verbraucher im Norden klagen So fies zockt "Megawinn 3000" ab

Das „Gesetz gegen unerlaubte Telefonwerbung“ kann die Abzocker am Telefon nicht stoppen. In in Schleswig-Holstein häufen sich derzeit Anrufe von „Megawinn 3000“ - einem Gewinnspielservice, der Zahlungsaufforderungen für Verträge zuschickt, die nie geschlossen wurden. Eine perfide Masche, wie die Verbraucherzentrale findet.

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Das „Gesetz gegen unerlaubte Telefonwerbung“ kann die Abzocker am Telefon nicht stoppen.

Quelle: dpa

Kiel. Herta B. aus Kiel ist misstrauisch. 99,90 Euro soll sie an einen Gewinnspielservice überweisen – ihre Kontodaten im zugeschickten Formular stimmen, in ihrem Namen gibt es allerdings einen Buchstabendreher. Sie sucht Hilfe bei der Verbraucherzentrale und überweist nicht.

„Megawinn 3000“ verbirgt sich hinter dem Schreiben – ein Kieler Gewinnspiel-Eintragungsdienst, der in den vergangenen Wochen Hunderte Zahlungsauffoderungen und Kündigungsschreiben in Kiel und Umgebung verschickt hat. Er wirbt unter anderem am Telefon damit, dass Menschen bei lukrativen Gewinnspielen eingetragen werden. Dadurch sollen sich ihre Gewinnchancen erhöhen.

In der Praxis gewinnt allerdings nur der Anbieter, der jährlich 99,90 Euro für seine nicht vorhandene Dienstleistung kassiert. „Woher der Anbieter die Daten hat, ist oft unklar. Herta B. hat aber schon häufiger an Gewinnspielen teilgenommen und dort ihre Daten hinterlassen. Möglicherweise wurden sie verkauft“, sagt Dorothee Kremer von der Verbraucherzentrale Kiel. Häufiger wurde Herta B. in den vergangenen Wochen mit Telefonwerbung belästigt, ein Einzelfall ist sie nicht.

Rund 300 Beschwerden gehen pro Woche bei den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein wegen „Megawinn 3000“ ein. „Wir haben den Eindruck, dass es ein bundesweites Problem ist“, sagt Boris Wita. „Wir stellen immer wieder fest, dass die Verbraucher in der Regel erst in einem Telefonat überrumpelt werden und es dazu missbraucht wird, ihnen einen vermeintlichen Vertrag unter zujubeln.“

Das 2009 verabschiedete „Gesetz gegen unerlaubte Telefonwerbung“ fordere zwar eine vorherige Einwilligung, über die setzten sich viele Betreiber aber dreist hinweg. Und auch die Vorgabe, nicht mit unterdrückter Nummer anzurufen, werde ausgenutzt: „Es wird eine Nummer angezeigt, aber eine, die man nicht zurückrufen kann“, sagt Wita. „Megawinn 3000“ gehe oft noch einen Schritt weiter: Es werde ein Kontakt suggeriert, den es nie gegeben hat. „Wenn Sie jetzt zahlen, lassen wir Sie aus dem Vertrag raus“ – einem Vertrag, der gar nicht existiert. „Entweder es hat überhaupt noch keinen Erstkontakt gegeben, oder der Vertrag, der geschlossen wurde, ist nicht rechtsgültig“, sagt Wita über das unseriöse Geschäft. Betreiber spielten mit der Angst der Menschen vor vertraglichen Bindungen und ihrer Hoffnung, mit einer einmaligen Zahlung aus der Angelegenheit komplett rauszukommen.

Die Hürden, die ein Vertragsabschluss per Telefon erfordere, nähmen Anbieter wie „Megawinn 3000“ erst gar nicht auf sich: Aufklärung über kostenpflichtige Angebote, Möglichkeiten zum Widerruf oder die Laufzeit gehörten dazu. „Es sind Verträge, die vor Gericht nicht bestehen können“, sagt Boris Wita. Sein Rat an alle Verbraucher: „Nicht zahlen.“ Diejenigen, die bereits gezahlt hätten, aber noch zurückbuchen könnten (innerhalb von sechs Wochen), sollten das schnell tun. Alle anderen könnten sich bei der Verbraucherzentrale ein Musterschreiben abholen, um juristisch korrekt handeln zu können. „Vor Gericht ziehen Unternehmen wie diese nicht“, so Wita.

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