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Feuerwehren retten sich selbst

Steigende Mitgliederzahlen Feuerwehren retten sich selbst

Die Feuerwehren in Schleswig-Holstein haben den Abwärtstrend offenbar gestoppt. In den Städten und größeren Gemeinden gibt es wieder steigende Mitgliederzahlen in den Einsatzabteilungen. Ende des Monats will Landesbrandmeister Detlev Radtke die Bilanz für 2014 vorlegen.

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Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Laboe wächst dank neuer Mitglieder die Hoffnung auf ein Ende der Krise: Vasily Nakostenko, Fabian Lemke, Karsten Steinbach, Olaf Netwig, Stefan Matthiesen und Wehrführer Kurt Jahn (von links).

Quelle: Frank Behling

Kiel. Die Tendenz ist nach den Rückmeldungen, die er bisher bekommen hat, aber eindeutig positiv: Ein Ende der seit zehn Jahren andauernden Talfahrt ist in Sicht.

„Wir werten noch die Zahlen der einzelnen Wehren für 2014 aus. Es zeichnet sich aber eine Zunahme der Mitglieder ab“, sagt Volker Arp. Er ist seit 1. Januar neuer Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein. 2013 gab es im nördlichsten Bundesland 48104 Feuerwehrleuten in den Einsatzabteilungen der 1371 Freiwilligen Feuerwehren. Die Zahl der Feuerwehrleute sank seit 2010 um über 1000 - im Vergleich zu 1994 sogar um fast 5000 Mitglieder. Die Zahlen für 2014 werden Ende April auf der Landesfeuerwehrversammlung bekannt gegeben.

 Die Gemeinden steuern seit Jahren mit verstärkter Werbung gegen den Negativtrend. Dies zeigt Wirkung. Beispiel Laboe: Dort sollen eigentlich rund 60 ehrenamtliche Feuerwehrleute zur Verfügung stehen. Doch diese Stärke lässt sich nur mit Mühe erreichen. Im vergangenen Jahr aber konnten fünf neue Mitglieder gewonnen werden.

 „Ich bin eigentlich genau der Typ, auf den alle Ausreden passen, weshalb man nicht zur Feuerwehr gehen soll. Ich bin selbstständig, schon älter und habe etwas Übergewicht“, sagt Stefan Matthiesen. Der 51-Jährige betreibt das Autohaus Laboe und hat damit eigentlich alle Hände voll zu tun. „Die Idee mit der Feuerwehr entstand aus einer Bierlaune heraus“, erzählt er. Doch er ist geblieben. Matthiesen kam 2014 zusammen mit Olaf Netwig zur Wehr. „Blaulicht habe ich zwar im Hauptberuf beim THW, doch die Feuerwehr muss sein“, sagt er.

 Ganz anders Fabian Lemke: Der 25-Jährige kam 2010 aus Berlin nach Laboe. Er fand dort eine Wohnung fürs Studium in Kiel. Und die Feuerwehr? „In Berlin ruft man die 112 und dann kommt die Feuerwehr. Wie so etwas funktioniert? Darüber macht man sich in einer großen Stadt keine Gedanken“, erzählt er. In Laboe aber wurde dem Studenten beim Blättern im Gemeindeblatt erst bewusst, dass es auf dem Land ganz anders läuft. Deshalb machte sich Lemke im August 2012 auf den Weg. „Er kam irgendwann auf den Hof geschlurft und fragte nach der Wehr“, erinnert sich Wehrführer Kurt Jahn. Seitdem hat sich der Student voll in die Wehr integriert und sogar Führungsverantwortung übernommen.

 So weit ist es für Vasily Nakostenko noch nicht. Der 27-jährige Ingenieur kam 2008 aus Moskau nach Deutschland und studierte in Sachsen an der Technischen Universität Freiberg Metallurgie. Vor drei Jahren bekam er in Schönkirchen eine Anstellung als Ingenieur und zog nach Laboe. Vor fünf Wochen führte ihn dann ein Werbeplakat zur Feuerwehr. Es seien drei Gründe gewesen, erzählt er. „Die Feuerwehr ist ein guter Ausgleich zur Arbeit und es ist eine prima Möglichkeit, um hier im Ort neue Kontakte zu knüpfen. Der dritte Grund ist, dass ich der Gesellschaft durch meinen Dienst etwas zurückgeben kann“, sagt Nakostenko.

 „Bei mir war es die Frau, die mich irgendwann auf den Gedanken gebracht hat“, berichtet Karsten Steinbach. „Was ist eigentlich, wenn es brennt und keiner kommt?“, fragte sich der 52-jährige Laboer. Das war im vergangenen Sommer. „Es gab eigentlich keinen Grund, warum ich mich drücken sollte. Deshalb bin ich gekommen. Und ich habe es nicht bereut“, erklärt Steinbach. Auch für ihn ist das Engagement für die Feuerwehr ein guter Kontrast zum Beruf als Pilot bei der Lufthansa.

 „Wir können hier jeden gebrauchen“, sagt Wehrführer Kurt Jahn (52). Er selbst gehört zu denen, die mit der Feuerwehr aufgewachsen sind. „Vater und Onkel waren schon bei der Feuerwehr, und mein Bruder ist auch dabei“, sagt er. Der Wehrführer ist auch im Hauptberuf bei der Wehr. Ein dickes Lob richtet Volker Arp an die Gemeinde: „Laboe unterstützt unsere Mitglieder vorbildlich – etwa bei den Kosten für die Führerscheine.“

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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