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Kampf dem Jakobskreuzkraut

Stiftung Naturschutz und Bauernverband Kampf dem Jakobskreuzkraut

Kehrtwende im Streit um das giftige Jakobskreuzkraut: Die Stiftung Naturschutz, auf deren Flächen das Giftkraut über Jahre gut gedieh, sagt ihm jetzt den Kampf an, weil es eine Gefahr für Pferde, Rinder und wegen des Bienenhonigs auch für Menschen ist.

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Kehrtwende im Streit um das giftige Jakobskreuzkraut: Die Stiftung Naturschutz, auf deren Flächen das Giftkraut über Jahre gut gedieh, sagt ihm jetzt den Kampf an, weil es eine Gefahr für Pferde, Rinder und wegen des Bienenhonigs auch für Menschen ist.

Quelle: Frederike Hiller

Kiel. Lob kommt vom Umweltministerium, Kritik vom Bauernverband.

„Wir sind landes- und bundesweit die erste Organisation, die das Problem der Ausbreitung der heimischen Pflanzenart planvoll und konsequent anpackt“, berichtet die Stiftungsvorsitzende und SPD-Landtagsabgeordnete Sandra Redmann. Die teils explosionsartige Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts solle mit einem Zehnpunkteprogramm eingedämmt werden. Dazu gehören als Akutmaßnahme das regelmäßige Mähen von mit Jakobskreuzkraut durchsetzten Wiesen, der Einsatz biologischer Feinde und eine Wildpflanzen-Offensive, damit Bienen genügend harmlose Nahrung finden.

Die Landesstiftung richtet zudem ein in Deutschland einzigartiges Kompetenzzentrum ein, das den Kampf gegen das Kraut organisieren soll. „Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß“, weiß der Leiter des Zentrums, der Umweltmanager Aiko Huckauf. Der Kornblütler, der ab Ende Juni gelb blüht, enthält Pyrrolizidin-Alkaloide, die zu Leberschäden führen können. Pferde und Kühe machen auf der Weide meist einen Bogen um das bittere Kraut, sind aber gefährdet, weil Jakobskreuzkraut in Heu oder Silage zwar die Bitterstoffe, aber nicht die Alkaloide verliert. Nach Angaben der Stiftung wie des Bauernverbandes hat es bisher aber keine bestätigten Todesfälle gegeben.

Auch Menschen sind vor dem Kraut nicht sicher. Im vergangenen Jahr fanden sich in mehreren Sommerhonigen so hohe Alkaloid-Werte, dass die betroffenen Imker ihre Ware aus den Regalen räumten. In diesem Jahr will das Umweltministerium wieder Proben ziehen. Der Imkerverband gibt derweil Entwarnung. Der Honig sei zu 95 Prozent nicht belastet, meint Vizeverbandschef Dietrich Ramert. Echte Grenzwerte für Pyrrolizidin-Alkaloide gebe es nicht, nur einen Richtwert. Und selbst wenn der überschritten werde, drohe keine akute Gefahr. Ramert geht aber davon aus, dass Imker belastete Ware zurückziehen und ihre Völker möglichst fernab von Jakobskreuzkraut fliegen lassen.

Einfach dürfte das für die Imker nicht werden. Die Stiftung, einer der größten Grundbesitzer in Schleswig-Holstein, meldet auf 1200 ihrer 33000 Hektar größere Vorkommen von Jakobskreuzkraut, insbesondere im östlichen Hügelland und auf dem Geestrücken. Zudem wächst das Giftkraut an Bahndämmen und Straßen. Die Stiftung setzt außer kurzfristigen Maßnahmen („mähen, mähen, mähen“) auch auf eine mittel- und langfristige Hilfe für die Imker. Mit Kampagnen wie „Blüten für Bienen“ sollen der Artenschwund gestoppt und den Bienen nach der Rapsblüte im Mai andere „Trachtpflanzen“ angeboten werden.

In einem Punkt bleibt die Stiftung stur. Der Kampf gegen das Jakobskreuzkraut erfolgt auch künftig ohne Giftspritze, weil die heimische Pflanze nur dezimiert werden soll. „Das Kraut soll uns nicht über den Kopf wachsen“, bekräftigt Stiftungsgeschäftsführer Walter Hemmerling. Rückendeckung kommt aus dem Umweltministerium. „Das Jakobskreuzkraut ist ein Problem, das wächst“, sagt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel. „Es ist gut, dass die Stiftung das offen angeht.“

Dem Bauernverband reicht die Kampfansage der Stiftung nicht. Der Vorsitzende des stark betroffenen Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck, Klaus-Dieter Blanck, fordert, dem Giftkraut ganz den Garaus zu machen. „Das Jakobskreuzkraut wächst speziell auf den ungenutzten Flächen der Stiftung Naturschutz.“ Sie biete dem Kraut nach wie vor Nischen und sei damit „Teil des Problems“.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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