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Stöcker entschuldigt sich für Äußerungen

Euroimmun-Chef Stöcker entschuldigt sich für Äußerungen

Euroimmun-Chef Prof. Winfried Stöcker bedauert in einer schriftlichen Stellungnahme seine umstrittenen Äußerungen über Flüchtlinge und Zuwanderer. „Ich bitte die Öffentlichkeit wegen meiner nicht angebrachten Formulierungen um Entschuldigung“, erklärt Stöcker, „sie sind zu drastisch geraten, haben viele Leute vor den Kopf gestoßen, waren nicht ausgewogen und das Vokabular war nicht mehr zeitgemäß.“

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Unternehmer Winfried Stöcker entschuldigt sich jetzt für seine Äußerungen.

Quelle: PFF - Pressefoto Nord - Olaf Malzahn

Lübeck. Der Lübecker Medizintechnik-Unternehmer will das Bild vom Rassisten und Ausländerfeind revidieren. „Ich habe selber eine chinesische Frau und arbeite eng mit Kollegen aus vielen Nationen zusammen“, schreibt Stöcker in seiner Stellungnahme. Seine Sorge vor Überfremdung kleidet der Unternehmer nunmehr in abgewogenere Worte. „Mir macht die demografische Entwicklung in Deutschland Sorgen“, heißt es, „in großer Zahl strömen aus vielen Ländern Menschen zu uns, um sich hier anzusiedeln“.

Er fürchte, dass sich daraus große Konflikte ergeben werden. Darauf habe er mit der Absage eines Benefizkonzertes in seinem Görlitzer Kaufhaus zugunsten von Flüchtlingen und dem anschließenden Zeitungsinterview hinweisen wollen. Das Schicksal von Bootsflüchtlingen gehe ihm nahe, sagt Stöcker und fordert, dass die Lebensverhältnisse in den Herkunftsländern der Flüchtlinge verbessert werden müssten. Auch eine bessere Integration der Menschen aus der Türkei sei eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Bereits vor Bekanntwerden der Entschuldigung hatten mehrere Verbände und Personen Strafanzeigen gegen Stöcker wegen Volksverhetzung angekündigt. Die Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein werde den Unternehmer anzeigen, erklärt der Landesvorsitzende Cebel Küçükkaraca. „Wir sind entsetzt und bestürzt über diese Äußerungen“, sagte der Landesvorsitzende, „es ist nicht akzeptabel, was Stöcker über Flüchtlinge und Zuwanderer gesagt hat“. In der kommenden Woche wollen die Türkische Gemeinde und der Lübecker Karl-Heinz Haase, ehemaliger Kommunalpolitiker und Kämpfer für die Umbenennung des Hindenburgplatzes, die Beweggründe der Strafanzeige öffentlich erklären.

„Stöcker ist ein besonders erfolgreicher Unternehmer, der von vielen Menschen als Vorbild angesehen wird“, sagt Haase, „seine Worte entfalten deshalb eine besondere Wirkung“. Die behauptete Bedrohung durch die türkisch-stämmige Bevölkerung sei purer Rassismus. Haase will auch nach dem Zurückrudern Stöckers auf jeden Fall Anzeige erstatten. Küçükkaraca erklärte, man werde sich die Entschuldigung ansehen und bewerten.

Der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland stellt ebenfalls Strafanzeige gegen den Euroimmun-Chef. Durch seine „menschenverachtenden Äußerungen habe Stöcker einen ganzen Kontinent und mehr als eine Milliarde Afrikaner verunglimpft“, schreibt der Zentralrat. Der sächsische Linken-Kreisrat Sven Scheidemantel hat den Lübecker Unternehmer wegen Diskriminierung von Minderheiten angezeigt.

Die Universität distanziert sich von ihrem Honorarprofessor, der dort Labormedizin unterrichtet. An der Uni würden Wissenschaftler aus aller Welt forschen, stellt der neue Uni-Präsident Prof. Hendrik Lehnert klar: „Toleranz, Weltoffenheit und ein klares Bekenntnis zu multikulturellem Handeln und Denken sind unveräußerliche Werte unserer Campus-Kultur.“ Der AStA hatte sogar den Entzug der Honorarprofessur gefordert.

Von Kai Dordowsky

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