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Sportwagen mit erschlichenem Geld

Landgericht Kiel Sportwagen mit erschlichenem Geld

Im Kieler Landgericht beginnt am Montag der Strafprozess gegen einen 59-jährigen Steuerberater aus Laboe. Dem Angeklagten, der seit einem halben Jahr in U-Haft sitzt, werden Untreue, Unterschlagung, Betrug und Urkundenfälschung zur Last gelegt – insgesamt zwölf Taten seit Mai 2008.

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Um die Liebhaberobjekte an den Mann zu bringen, soll der Steuerberater in der Holsteinischen Schweiz ein Geschäft namens „All American & German Classic Cars“ betrieben haben.

Quelle: dpa

Kiel/Laboe. Den Gesamtschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 2,258 Millionen Euro.

Gegenüber dieser Summe machen sich die 170000 Euro, die für den laufenden Betrieb der DRK-Kindertagesstätte Laboe im letzten Quartal 2014 bestimmt waren, fast bescheiden aus. Der Familienvater hatte früher seine eigenen Kinder in die betroffene Kita geschickt, seit zehn Jahren verwaltete er ihre Finanzen. Das Geld soll er gemeinschaftlich mit seiner Ehefrau veruntreut haben.

Der mehrfachen Mutter und Vermieterin eines schwedischen Ferienhauses werden vier Taten vorgeworfen, darunter drei Überweisungen von DRK-Geldern. Der Fall gefährdete monatelang die Existenz der Einrichtung mit 22 Mitarbeitern und 120 betreuten Kindern. Erst vor zwei Wochen meldete unsere Zeitung, eine Versicherung habe gezahlt, die finanzielle Notlage sei ausgestanden.

Der Löwenanteil des Millionenschadens stammt laut Anklage aus Geldern, die der Steuerberater für Mandanten gewinnbringend anlegen sollte. Während er den Geschädigten vorspiegelte, das ihm anvertraute Geld für ihre Altersversorgung liege auf sicheren Festgeldkonten, soll er es in windige Geschäfte mit teuren Sportwagen gesteckt haben.

Schnelle Autos, bevorzugt der Marke Porsche, waren offenbar schon lange die Leidenschaft des passionierten Amateur-Rennfahrers, dessen Name auf Teilnehmerlisten von 24-Stunden-Rennen am Nürburgring der Jahre 2000 bis 2004 auftaucht. Sein Team verkörperte angeblich „alle Eigenschaften, die zum Erfolg führen: Konstanz, Erfahrung und den nötigen Speed“.

Anlässlich der Jubiläumsausfahrt „125 Jahre Automobil“ des Schleswig-Holsteinischen Automobil-Clubs präsentierte der Autosammler im Mai 2011 laut Vereinsbericht einen „Meilenstein der Automobilgeschichte“: einen Porsche 356 Coupé. Modelle dieses Typs Jahren werden derzeit im Internet zu Gebrauchtpreisen bis 285 000 Euro angeboten.

Mit mehr als 100 Edelkarossen diverser Fabrikate soll der Angeklagte gehandelt haben – ein hochspekulatives Geschäft, abhängig von den Launen gut betuchter Auto-Enthusiasten. Fahrzeuge begehrter Baureihen wurden aus den USA nach Schleswig-Holstein importiert, teilweise einer Bank sicherheitsübereignet und mit Vorkaufsrecht teuer zurückgeleast. Fand der Händler einen zahlungskräftigen Interessenten, konnte er ihm das Fahrzeug mit Gewinn verkaufen.

Um die Liebhaberobjekte an den Mann zu bringen, soll der Steuerberater in der Holsteinischen Schweiz ein Geschäft namens „All American & German Classic Cars“ betrieben haben. In Panker bei Lütjenburg sollen Kunden die kostbaren Sammlerstücke in einem Schauraum bestaunt haben können.

Am Ende vergriff sich der Autohändler wohl an den DRK-Finanzen, um dringende Verbindlichkeiten auszugleichen. Als die Kita-Affäre im Herbst 2014 ans Licht kam, brach das Geschäftsmodell zusammen. Für den Prozess gegen das Ehepaar hat die 5. Wirtschaftsstrafkammer des Kieler Landgerichts zunächst 21 Prozesstage bis Ende September terminiert.

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