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Schüler stehen mit Mathe auf Kriegsfuß

Studie Schüler stehen mit Mathe auf Kriegsfuß

In Sport gut, in Mathe schlecht? Immer wieder klagen Bildungsexperten über das schwache Abschneiden von Abiturienten in Mathematik. Eine neue Studie des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) enthüllt jetzt, dass die Schüler trotz bildungspolitischen Gegensteuerns nach wie vor gerade in diesem Kernfach schwächeln.

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Die Lust auf Formeln hält sich in Grenzen. Viele Schüler drücken sich vor der Mathe-Prüfung.

Quelle: fotolia

Kiel. Die Studie besagt, dass im Schnitt demnach 69 Prozent aller Abiturienten das Ziel einer voruniversitären mathematischen Bildung verfehlen.

Vor mehr als sieben Jahren führte Schleswig-Holstein die Profiloberstufe ein – weg vom Kurssystem, hin zu Klassenverband und der Verpflichtung, bis zum Ende der Schulzeit Mathematik zu lernen. Seitdem gibt es keine Möglichkeit mehr, das Schlüsselfach abzuwählen. Doch nach Angaben des IPN fanden schwächere Schüler vielfältige Ausweichstrategien. Denn die Prüfungsordnung verlangt einen schriftlichen Leistungsnachweis nur in zwei der drei Kernfächer Deutsch, Englisch und Mathe.

 Die vom IPN bei 1360 Abiturienten im Jahr 2013 getestete Kompetenz fiel – je nach gewähltem Profil – sehr unterschiedlich aus. Erwartungsgemäß schnitten die Schüler und Schülerinen im naturwissenschaftlichen Profil am besten ab: 52 Prozent von ihnen erfüllten die Anforderungen der gymnasialen Oberstufe. Die Gymnasiasten, die das ästhetische Profil gewählt hatten, standen dagegen am stärksten auf Kriegsfuß mit Mathematik und wiesen im Schnitt sogar einen Leistungsrückstand von zwei Jahren auf.

 „Dass die Mathematikergebnisse sich nicht verschlechtert haben, sondern stabil geblieben sind, gleichzeitig aber weit mehr Schülerinnen und Schüler Abitur machen als noch vor 15 Jahren, ist schon einmal gut,“ kommentierte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) die Studie. Aber „natürlich wünschen wir uns bessere Ergebnisse in Mathematik.“ Verfehlt die Profiloberstufe das Ziel, die Kompetenzen zu stärken? Es sei zu früh, dies zu bewerten, erklärte sie weiter: Neue Fachanforderungen an die Profiloberstufen gälten erst seit dem Sommer 2014, während die getesteten Schüler noch nach alten Lehrplänen unterrichtet worden seien.

 Für Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologenverbandes, sind die Defizite in Mathematik dagegen erschütternd und bestärken ihn in seinem Eindruck, dass trotz vieler Einser-Abis insgesamt die Leistungsfähigkeit der Schüler sinkt. Mit Blick auf hohe Studien-Abbrecherquote fordert er, den Unterrichtsausfall zu bekämpfen und mindestens vier Stunden Mathematik in der Woche sicherzustellen. Vor allem aber sollte Mathematik im Abitur verbindlich geprüft werden, so dass auch schwache Matheschüler richtig lernen müssten: „Die allgemeine Hochschulreife sollte bedeuten, jedes Fach studieren zu können“, so Siegmon. Mangelnde Fähigkeiten in Mathematik engten die berufliche Entfaltung ein.

 Auch FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn pocht auf eine Mathematik-Offensive, die schon in der Grundschule einsetzt. Schleswig-Holstein drohe sonst im Bereich der Mathematik, Naturwissenschaften und Technik weiter abgehängt zu werden. Auf ihre Anfrage veröffentlichte das Bildungsministerium aktuelle Abitur-Statistiken, die die IPN-Studienergebnisse bestätigen. Danach pendelt der Abi-Notendurchschnitt zwar seit einigen Jahren um die 2,5, fast 18 Prozent erzielten eine Note zwischen 1 und 1,9. Die Erklärung: Ob Sport, Musik oder Geschichte – gute Ergebnisse in den gewählten Neigungsfächern machen so manche schlechte Note bei der Prüfung in einem Kernfach wett. So erreichten die Abiturienten in Mathematik an den Gymnasien, rechnet man das Punktesystem in frühere Schulnoten um, nur einen Schnitt von 3,2, an Gemeinschaftsschulen nur 3,6 und an berufsbildenden Schulen sogar nur 3,7. An Deutsch- und Englisch-Prüfungen nahmen nicht nur deutlich mehr Abiturienten teil als in Mathematik: Sie erzielten in den beiden Fächern auch etwas bessere Ergebnisse. Trotzdem: Auch in Deutsch lagen die Noten im Schnitt nur zwischen 3 (Gymnasien) und 3,4 (berufsbildende Schulen), in Englisch zwischen 2,8 und 3,4.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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