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Schon Kinder greifen zur E-Zigarette

Studie Schon Kinder greifen zur E-Zigarette

Eine Studie an 2700 Schülern aus Schleswig-Holstein und drei anderen Bundesländern hat ein überraschendes Ergebnis zu Tage gefördert: Danach greifen Schüler früher als erwartet zu E-Zigaretten. Außerdem spricht diese Tabakware auch Schichten an, die die Hände von konventionellen Zigaretten lassen. Die Studie wird am Dienstag in Berlin vorgestellt.

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Prof. Reiner Hanewinkel warnt vor dem neuen Trend.

Quelle: Jan Köhler-Kaeß

Kiel. Das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel hat rund 2700 Mädchen und Jungen im Alter von 12 und 13 Jahren zu ihrem Verhalten befragt. 26 Monate zuvor war das Rauchverhalten schon einmal untersucht worden. Es ging um die Frage, wie weit die E-Zigarette unter jungen Teenagern verbreitet ist. E-Zigaretten gehören zu den neueren Nachahmerprodukten und wurden bisher als wenig attraktiv für Kinder und Jugendliche eingestuft. Die Studie entlarvt dies nun als Fehleinschätzung.

Denn bereits jeder 20. Schüler hatte in der 7. Klasse Erfahrungen mit E-Zigaretten. Dreiviertel davon rauchten auch konventionelle Zigaretten. Ein Viertel aber griff ausschließlich zur E-Zigarette. „Das ist eine beunruhigend hohe Zahl“, erklärt Prof. Reiner Hanewinkel, Geschäftsführer des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel. Er fürchtet, dass gezieltes Marketing für E-Zigaretten und auch für Wasserpfeifen Kinder dazu verführt, das Rauchritual einzuüben, und sie dauerhaft zu Rauchern zu machen. Gerade bei hohem Dauerkonsum steigt aber das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Interessant ist aber auch, wer zur herkömmlichen Glimmstengeln und wer zu E-Zigarette greift: Zigaretten werden vor allem von Jungen mit eher niedrigem Bildungsniveau und mit rauchenden Eltern konsumiert. Auch die Neugier spielt eine große Rolle. Das alles begünstigt zwar auch den Griff zur E-Zigarette. Aber sie wird eben auch von Mädchen und bei hohem Bildungsniveau konsumiert. „Offenbar sind E-Zigaretten potentiell für breitere Schichten Jugendlicher attraktiv als konventionelle Zigaretten“, sagt Hanewinkel.

Der Gesetzgeber muss einen effektiven Schutz vor den Gefahren der E-Zigarette gewährleisten und durch Gesetzesänderungen den Konsum von nikotinhaltigen wie nikotinfreien E-Zigaretten regulieren, fordern deshalb das Deutsche Krebsforschungszentrum und das Aktionsbündnis Nichtrauchen. Der Weltnichtrauchertag am 31. Mai steht unter dem Motto: „E-Zigaretten und E-Shihas – Chemie für die Lunge“.

Schnelles Handeln sei auch notwendig, weil die neuen Ergebnisse dem allgemeinen Trend zuwiderlaufen: Dank gezielter Prävention sinkt der Absatz der klassischen Zigarette seit Jahren. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene rauchen weniger. „Demgegenüber entwickelt sich der Markt für E-Zigaretten rapide. Immer mehr erwachsene Raucher, aber auch immer mehr Jugendliche konsumieren solche vermeintlich harmlosen nikotinfreien und nikotinhaltigen Produkte“, warnt die Deutsche Krebshilfe. Insgesamt hätte schon ein Viertel der rauchenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen E-Zigaretten ausprobiert.

Bei der E-Zigarette wird ein Chemikaliengemisch erhitzt, aber nicht verbrannt. Es entsteht ein Aerosol (eine Mischung aus einem Gas und einer fein verteilten Flüssigkeit oder fein verteilten Bestandteilen), das inhaliert wird. Beim Ausatmen belastet der Chemiecocktail auch die Umgebung.

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