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Tod durch Sauerstoffmangel

„Suntis“-Untersuchung Tod durch Sauerstoffmangel

Der rätselhafte Tod von drei Seeleuten auf dem Itzehoer Frachter „Suntis“ ist geklärt. Im englischen Hafen Goole waren die Seeleute am 26. Mai 2014 leblos in einem Zwischendeck des Schiffes gefunden worden. Trotz Wiederbelebungsversuche starben alle drei Seeleute später im Krankenhaus.

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Der Itzehoer Frachter "Suntis" fuhr am Sonnabend mit Holz aus Schweden über den Nord-Ostsee-Kanal nach England.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. Nach Ermittlungen der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen in Hamburg führte ein Verstoß gegen geltende Sicherheitsbestimmungen zu dem Unglück. Das 82 Meter lange Frachtschiff hatte an dem Unglückstag im Laderaum Fichten- und Tannenholz aus Lettland geladen. Dieses Holz hatte während der Fahrt in dem nahezu luftdicht verschlossenen Laderaum bei einem natürlichen Faulungsprozess der Luft den Sauerstoff entzogen. Das wurde den Seeleuten beim Betreten des Laderaums zum Verhängnis.

Die Bundesstelle rekonstruierte den Ablauf des Unglücks und veröffentlichte jetzt den Bericht. Danach hat die sechsköpfige Besatzung an dem Unglückstag um 5.45 Uhr mit dem Entladen des Holzes in Goole begonnen. An Bord befanden sich laut Bundesstelle 2335 Kubikmeter Holz, das auf den Lukendeckeln und im Laderaum gestaut war. Im Laderaum selbst befanden sich 1661 Kubikmeter Tannen- und Fichtenschnittholz, das zum Teil mit Holzschutzmittel getränkt und feucht war.

Gegen 6.45 Uhr wollten zwei Matrosen den Zugang zu diesem Laderaum öffnen und stiegen deshalb im Vorschiff durch eine Luke ins Zwischendeck hinab. Als die Matrosen nicht zurückkehrten, begann der Erste Offizier zusammen mit einem dritten Matrosen die Suche. Der 60-jährige Offizier entdeckte die beiden beim Blick durch die Luke und stieg hinab. Der dritte Matrose blieb an der Luke und sah, wie sein Offizier unten im Deck ebenfalls zusammenbrach. Er schaltete sofort die Belüftung des Laderaums ein und alarmierte die englischen Hafenarbeiter und den Kapitän. Mit Hilfe von Fluchtmasken und einem Atemschutzgerät konnten alle drei Männer wenig später an Deck gezogen und dort durch Rettungskräfte versorgt werden. Im Krankenhaus verstarben sie jedoch kurz darauf.  

Die „Suntis“ wurde vor Ort durch die britischen Behörden untersucht und nach einer Woche mit neuer Besatzung wieder freigegeben, da an dem Schiff keine technischen Mängel vorlagen. Ursächlich für den Unfall war die Missachtung der an Bord für diese Ladung bekannten Verfahrensanweisungen, so die Bundesstelle. An der Luke waren Warnschilder angebracht.

Die 1985 in Wewelsfleth gebaute und in Itzehoe beheimatete „Suntis“ fährt bereits seit Jahren Holz zwischen Ostseehäfen und England. Deshalb seien die Gefahren durch diese Ladung an Bord bekannt gewesen, stellt die Bundesstelle fest. Wieso die Männer dennoch ohne Atemschutz in das Zwischendeck hinabstiegen, konnte nicht restlos geklärt werden. Möglicherweise wurde die Gefahr der geringen Sauerstoffkonzentration unterschätzt. Die Bundesstelle erinnerte in diesem Zusammenhang an die von der Berufsgenossenschaft Verkehr veröffentlichten Ratgeber und Sicherheitsregeln für Laderäume. Die „Suntis“ kehrte schon kurz nach dem Unfall in die Holzfahrt zurück. Auch über Pfingsten war das Schiff mit einer Ladung Schnittholz von Karlshamn in Schweden auf dem Weg nach Ipswich unterwegs.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH