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Taufe im Namen der Rose „Elbjuwel“

Stresstest in Holstein bestanden Taufe im Namen der Rose „Elbjuwel“

„Elbjuwel“ hat es geschafft. Zu tausend anderen Rosensorten im deutschen Markt kommt die neue Blumenkönigin aus Holstein hinzu. Was ihr nicht anzusehen ist: Die Zehnjährige hat sich wie ihre Taufpatin, Fliegengewichtlerin Kentikian, durchgeboxt.

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Die Boxerin Susianna Kentikian präsentiert am Donnerstag auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau in Hamburg die neue Rosensorte "Elbjuwel".

Quelle: dpa

Hamburg. In Frankreich gezüchtet, im holsteinischen Holm herausgefordert, in Hamburg geehrt: Mit der Taufe der karminroten Edelrose „Elbjuwel“ am Donnerstag durch Box-Fliegengewichtlerin Susianna Kentikian (24) — genannt „Killer Queen“ — hat die Königin der Blumen ihren Reifeprozess abgeschlossen. Ihr Produzent, der Baum- und Rosenschulbetrieb BKN Strobel in Holm (Kreis Pinneberg) nahe Hamburg, wird sie nun auf den Markt bringen. Doch dies ist schon der dritte Schritt in der Entwicklung der Pflanze, wie Geschäftsführer Hannsjörg Kähler (45) und sein Fachmann Armin Eßer (47) inmitten des größten deutschen Rosenanbaugebiets berichten.

Rote Rosen der Sorte "Tilt Symphonie" stehen am Dienstag (26.06.2012) in Holm (Landkreis Pinneberg) in einem Gewächshaus der Firma BKN Strobel.

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Schritt Nr. 1: „Nach der Kreuzung zweier Rosen und Bestäubung wird neues Saatgut geerntet und ausgesät. So werden jedes Jahr mehrere 100 000 Sämlinge angelegt — von unserem Partner in Südfrankreich“, erläutert Kähler. Seit mehr als 60 Jahren arbeitet der 1927 gegründete holsteinische Familienbetrieb mit dem Rosenzüchter Meilland aus Le Luc-en-Provence zusammen.

Schritt Nr. 2: In vier Wochen seien sie wieder dort unten, zur Selektion, ergänzt Agraringenieur Eßer. Bei diesem Vorentscheid begutachten die BKN-Fachmänner die rund 1000 bis 2000 Exemplare, die sich unter 100 000 Sämlingen durchgesetzt haben. Nach vier bis sechsjährigem Wachstum muss dieser Nachwuchs mit seinem Charme die Männer aus dem Norden überzeugen: „Die Auswahl treffen wir nach optischen Gesichtspunkten, welche Farbe hat die Rose, und schnuppern nach ihrem Duft“, erzählt Eßer. „Die Kunst besteht nicht darin, die schlechte Rose wegzuschmeißen. Die Kunst besteht darin, die Gute zu finden, die man noch nicht hat und die man braucht.“

Schritt Nr. 3: Die norddeutschen Rosenexperten bringen 400 bis 450 Exemplare mit nach Holm zur Härteprüfung — oder zum „Stresstest“ unter raueren klimatischen Bedingungen, wie Eßer es ausdrückt. In den BKN-Gewächshäusern und auf umliegenden Feldern müssen die Kandidaten beweisen, wie robust sie sind, wie resistent gegenüber Krankheiten. „Ein bisschen Dünger, bei Bedarf etwas Wasser, aber keine Fungizide - damit wir das Harte im Garten rauslassen“, sagt Eßer zu den Lebensbedingungen. Die Auslese verschärft sich. „Dann kommt die schwierigste Entscheidung: weg damit — oder die richtigen Mengen produzieren und in unserem Katalog anbieten.“

Nach zehnjährigem Überlebenskampf setzen sich nach Angaben der Produzenten fünf bis acht neue Rosensorten durch. Eine wie eben „Elbjuwel“, eine öfter blühende Strauchrose mit dicht gefüllter Blüte und schwerem Duft, dunkelgrünem Laub und aufrechtem Wuchs bis 1,20 Meter. Eigens für die Internationale Gartenschau (igs) 2013 in Hamburg hat sie sich durchgekämpft. „Die Sorten, die übrig bleiben, müssen den ganzen Zauber ihrer 100 000 Geschwister finanzieren — über Pflanzenverkäufe“, sagt Eßer.

Am vergangenen verregneten Wochenende hat er um seinen jüngsten Spross gebangt: „Durch den Seerosentest sind sie durchgefallen, das schafft keine Rose bei 40 Liter pro Quadratmeter Regen“, fügt der Rosenvater verschmitzt an. Doch die rund 200 „Elbjuwel“-Exemplare, die zur Wochenmitte zum Transport auf das igs-Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg in Holm präpariert wurden, haben die harte Dusche mit wenigen Blessuren überstanden.

Zwei Millionen veredelte Rosen verlassen jedes Jahr das BKN-Betriebsgelände. 320 Sorten — Strauch-, Busch-, Kletterrosen - mit Namen wie „Alexandrine“, „Pink Swaney“, „Michelangelo“ oder „Roger Whittaker“ hat BKN im Programm. „1000 Sorten müssen Sie kennen“, ergänzt Eßer. „Das ist das aktuelle Sortiment, dass in Deutschland gehandelt wird.“

Seit 19 Jahren vertieft der 47-Jährige bei BKN sein Wissen und zollt den Rosen, Sinnbild der Liebe, seinen Respekt: „Bei Rosen lernt man nie aus, die wird man nie beherrschen.“ Doch die Kunden seien anspruchsvoll: „Eine Edelrose ohne Duft können sie fast nicht mehr verkaufen. Die Rose muss funktionieren — auch im Topf auf dem Balkon“, sagt Eßer. Rosen, die schon im April im Freien blühen, sind sein beruflicher Ehrgeiz.

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