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„Werra“ setzt Mission fort

Tender aus Kiel „Werra“ setzt Mission fort

Der Tender „Werra“ ist wieder auf See. Nach der dramatischen Rettung von 627 Flüchtlingen vor der libyschen Küste hatte die Besatzung die Menschen in der Nacht zu Donnerstag im italienischen Hafen Regioa Calabria an die zuständigen Behörden übergeben. Die Geretteten kamen zur Erfassung in Auffanglager. Stefan Klatt, Kommandant der „Werra“, hatte bereits am Donnerstagmorgen dem Einsatzführungskommando sein Schiff wieder seeklar gemeldet. Kurz nach 10 Uhr startete die „Werra“ zur nächsten Mission.

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Eine Schwierigkeit bei Rettungseinsätzen: die Betreuung von Flüchtlingskindern. Auf der Fregatte „Hessen“ (Foto) behelfen sich die Mannschaftsmitglieder mit Papier und Malstiften. Auf der „Werra“ kamen Kuscheltiere gut an, doch die werden langsam knapp.

Quelle: Marine

Rom/Kiel. „Ich bin sehr stolz auf meine Besatzung. Sie hat großartig gearbeitet und Tolles geleistet“, sagte Korvettenkapitän Klatt im Gespräch mit KN-online. Während der Tender mit Südkurs an Sizilien vorbei durch das Tyrrhenische Meer fuhr, bereitete die Mannschaft ihr Schiff bereits auf neue Hilfseinsätze vor. „Dieser erste Einsatz war schon eine große Herausforderung. Ich hätte mir zu Anfang eher ein Boot mit vielleicht 200 Menschen gewünscht. Dass es dann gleich 627 wurden, war natürlich eine Herausforderung für alle hier an Bord. Wir lassen aber niemanden zurück“, so Klatt.

 Am Telefon berichtete er, wie sich die Rettung am Dienstag abgespielt hat. „Wir haben gegen 9.30 Uhr vom Maritime Rescue Coordination Center in Rom die Position bekommen, an der sich ein Boot befinden soll. Gegen 12.30 Uhr waren wir dann vor Ort und fanden es“, sagte Klatt. Der Holzkutter mit den Flüchtlingen trieb ohne Antrieb und Treibstoff in der Mittagssonne, etwa 43 Seemeilen nordwestlich des libyschen Hafens Tripolis.

 In die Versorgung der Geretteten wurde die gesamte Besatzung eingebunden. Neben der 60-köpfigen Stammbesatzung sind für die Rettungsmission auch Spezialisten aus dem Seebataillon, Sanitätskräfte, Feldjäger, Rechtsberater und Übersetzer an Bord der „Werra“ untergebracht. Die Kombüsenmannschaft begann sofort damit, für die Menschen leichte Nahrung zu machen – Reis mit Gemüse. Nach der ersten Erfassung stellte sich heraus, dass viele aus dem Sudan und Eritrea stammen. „Eine Frau aus Eritrea hat unseren Leuten bei der Übersetzung geholfen.“, berichtete Klatt. Über sie hätten die Flüchtlinge auch erfahren, dass sie nach Italien gebracht werden, das habe große Freude ausgelöst, sagte der Kommandant weiter.

 Für die Unterbringung der Menschen hat das Schiff vor allem Decken und Overalls aus Bundeswehrbeständen an Bord. „Die Wolldecken haben sich bewährt. Darin lässt sich gut schlafen und auch drauf liegen. Im Moment haben wir auch noch genügend davon. Das Einzige, was knapp wird, sind die Kuscheltiere für die Kinder. Die sind wirklich sehr gut angenommen worden. Wenn wir beim nächsten Mal auch wieder so viele Kinder retten, werden uns die Kuscheltiere bestimmt ausgehen“, fürchtete Klatt. Da Kuscheltiere nicht zur militärischen Ausrüstung der Bundeswehr gehören, hatten Besatzungsmitglieder der „Werra“ vor dem Auslaufen in Kiel eigenständig welche organisiert. „Wer noch Kuscheltiere hat, darf sie gern im Stab beim 5. Minensuchgeschwader in Kiel abliefern. Die werden uns von dort geschickt“, sagte Klatt.

 Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat kurzfristig auch einen Besuch an Bord angekündigt, um der Besatzung für die Leistung zu danken. Aus Regierungskreisen hieß es, der Termin werde voraussichtlich auf die kommende Woche fallen – während der nächsten Hafenphase zur Versorgung des Schiffes in Sizilien.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Tender aus Kiel
Foto: Dicht an dicht liegen Flüchtlinge auf dem mit einem Tarnnetz überspannten Hubschrauberdeck der „Werra“. Der Tender hatte die Menschen von einem Holzboot gerettet.

Vor der libyschen Küste holte das Kieler Marineschiff die verzweifelten Menschen von einem maroden Holzboot. Völlig überfüllt fuhr der Tender am Mittwoch Richtung Italien.

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