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Der Lotse geht von Bord

Thomas Giebeler Der Lotse geht von Bord

Überraschende Personalie im Innenministerium des Landes: Thomas Giebeler räumt zum 1. September seinen Posten als Sprecher von Stefan Studt (SPD). 27 Jahre lang war der 55-Jährige Sprachrohr des Ministeriums. Als Grund gibt Giebeler seinen „persönlichen Wunsch“ an.

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Plötzlicher Abgang: Thomas Giebeler (55), Sprecher von Innenminister Stefan Studt (SPD), will nicht mehr.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Seit 1988 ist der studierte Politikwissenschaftler im Amt. Neun Innenministern hat Deutschlands dienstältester Ministeriumssprecher seither den Rücken freigehalten. Sein Rückzug kommt überraschend. Allerdings verdichteten sich im Landeshaus zuletzt Berichte über Differenzen zwischen dem Minister und seinem Sprecher. Thomas Giebeler will davon nichts wissen. Er sagt auf Nachfrage: „Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder einmal den Wunsch geäußert, im Haus zu wechseln.“ Eine Bitte, der allerdings keiner von Studts Vorgängern entsprochen hat. Giebeler: „Tatsächlich befinden der Innenminister und ich uns bereits seit Herbst vergangenen Jahres in Gesprächen über eine andere Aufgabe.“ Studt bestätigt dies und sagt nur: „Nach 27 Jahren kann ich das auch gut verstehen.“ Gemeinsam hätten sie letztlich entschieden, dass der Wechsel nach der Sommerpause zum 1. September stattfinden soll. Welche Position Giebeler in der Landesverwaltung übernehmen wird, ist noch unklar. Auch einen Nachfolger für die Position des Ministeriumssprechers gibt es noch nicht.

 Überrascht reagiert Andreas Breitner (SPD), Studts zurückgetretener Amtsvorgänger, auf den Abgang. „Die aktuelle Entwicklung kommentiere ich nicht“, sagt er, fügt allerdings hinzu: „Thomas Giebeler war für mich und alle meine Vorgänger parteiübergreifend nicht nur ein herausragender Pressesprecher, sondern unverzichtbarer Ratgeber.“ Breitner rühmt Giebeler als „klug, politisch erfahren, gebildet und völlig uneitel – ein politisches und menschliches Schwergewicht im Innenministerium“.

 Klaus Schlie (CDU), ehemaliger Innenminister und heutiger Landtagspräsident, pflichtet bei: „Ich habe Thomas Giebeler in meiner damaligen Funktion intensiv kennen- und schätzen gelernt.“ Er sei ein außerordentlich loyaler Mitarbeiter und einer der fachkundigsten Kenner der Innenpolitik im Land. Schlie: „Sein Weggang ist ein großer Verlust für die Landespolitik.“

 Die Opposition im Landtag glaubt nicht daran, dass Giebelers Rückzug nichts mit dem zuletzt immer wieder kritisierten Führungsstil des Innenministers zu tun hat. „27 Jahre lang haben neun vom Typ und in ihrer politischen Ausrichtung her völlig unterschiedliche Innenminister sich auf seinen Rat und sein politisches Gespür verlassen“, sagt Axel Bernstein. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion ist überzeugt: „Wenn ein so erfahrener und mit dem Innenministerium verbundener Mitarbeiter schon nach wenigen Monaten die Zusammenarbeit mit dem neuen Minister aufgibt, sagt das alles.“

 Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki nutzt den Abgang des lang gedienten Mitarbeiters zur Ministerkritik. Auch ein neuer Sprecher werde Studt nicht in ein neues Licht rücken können. „Wir brauchen nicht eine bessere Kommunikation schlechter Innenpolitik, sondern wir brauchen eine gute Innenpolitik. Ob Herr Studt sie zu liefern imstande ist, wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher.“

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