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Jeder zweite Jugendliche ohne Lehrstelle

Top Ten der freien Ausbildungsplätze Jeder zweite Jugendliche ohne Lehrstelle

Auf den ersten Blick haben Schulabgänger in diesem Jahr gute Karten: Es gibt so viele Ausbildungsplätze wie Bewerber. Allein im Einzelhandel – dem Wunschberuf Nummer Eins im Norden – sind noch über 1000 Ausbildungsstellen unbesetzt.

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Auf den ersten Blick haben Schulabgänger in diesem Jahr gute Karten.

Quelle: Waltraud Grubitzsch/ dpa/ Archiv

Kiel. Trotzdem hat bisher jeder zweite Bewerber noch keinen Ausbildungsplatz. 15 890 Bewerbern stehen diesmal 15870 gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber. Rein statistisch hätte damit nahezu jeder Jugendliche einen Platz finden müssen. Vor zehn Jahren war das ganz anders. Im Mai 2005 buhlten 6400 junge Leute um 3900 Stellen. Aktuell gibt es 7900 Suchenden und 7700 unbesetzte Ausbildungsplätze.

„Die Ausbildungsbereitschaft bei den Unternehmen liegt weiterhin auf hohem Niveau“, sagt Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein: „Für Bewerber sind die Chancen auf Ausbildungs- und sichere Arbeitsplätze daher zurzeit hoch.“ Dennoch suchen viele junge Leute bislang vergeblich. Und Arbeitgeber befürchten, dass sie viele Stellen erneut nicht besetzen können. Allein im Bereich der IHK sind im laufenden Ausbildungsjahr 3500 Plätze leer geblieben.

 Denn Bewerber und Stellen passen immer weniger zueinander. Für Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, ist ein Grund dafür die mangelnde Mobilität. „In dem Flächenland Schleswig-Holstein liegt der offene Ausbildungsplatz nicht immer in der Nachbarschaft.“ In Norderstedt etwa kommen aktuell auf 231 offene Stellen nur 134 Bewerber. Außerdem, sagt Haupt-Koopmann, würden sich 33 Prozent der Bewerber auf fünf Berufe konzentrieren: „Es gibt über 300 Ausbildungsberufe. Meist sind aber höchstens zehn bekannt.

 Die Unternehmen schauen heute aber auch genauer hin. Kein Wunder bei einer Abbrecherquote von 25 Prozent. „Oft hapert es an Deutsch- und Mathematikkenntnissen und an realistischen Vorstellungen von dem Beruf, vor allem von den Arbeitszeiten“, sagt Monika Dürrer von der Geschäftsführung des Einzelhandelsverbandes. Das bestätigt auch Sinje Pachur. Die Chefin von „Das Bett komplett“ in Kiel konnte ihren Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich bisher nicht besetzen. „In unserem Fachgeschäft sind Umgangsformen unverzichtbar, daran mangelt es oft.“ Die Arbeitsagenturen bieten deshalb nun die „assistierte Ausbildung“ an: Die Arbeitgeber erhalten Unterstützung, die Azubis Nachhilfe und Sozialtraining. Das Ziel: jene in Ausbildung zu bringen, die bisher leer ausgegangen sind.

1. Kaufmann/frau im Einzelhandel: 694

2. Verkäufer/in: 420

3. Fachverkäufer/in in der Bäckerei: 327

4. Koch/Köchin: 308

5. Friseur/in: 255

6. Elektroniker/in: 233

7. Anlagenmechaniker/in für Sanitär- und Klimatechnik: 232

8. Hotelfachmann/frau: 228

9. Kaufmann/frau für Büromanagement: 212

10. Restaurantfachmann/frau: 206

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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