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Tote Leitung? Nicht länger als einen Tag

Neue Richtlinien bei Telefonanbieterwechsel Tote Leitung? Nicht länger als einen Tag

Viele kennen das: Man wechselt den Anbieter von Telefon und Internet – und hat erst einmal eine tote Leitung. Tagelang. Wochenlang. Monatelang. Dabei ist das gar nicht mehr erlaubt: Seit dem 1. Dezember 2012 darf der Anschluss bei einem Anbieterwechsel nicht länger als einen Tag unterbrochen sein. Doch dagegen wird munter verstoßen, kritisiert Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

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Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Quelle: hfr

Kiel. „Leider ist den Bürgern kaum bekannt, dass das Telekommunikationsgesetz novelliert wurde und sie nun deutlich mehr Rechte haben“, sagt Wita. Das gelte für Umzüge und den Anbieterwechsel, aber auch, wenn man in der Warteschleife einer Hotline festhänge.

Die Probleme bei einem Anbieterwechsel haben Verbraucherzentralen, Medien, aber auch Gerichte in den vergangenen Jahren immer wieder beschäftigt. Jetzt müssten diese Fälle eigentlich Schnee vom vorigen Jahr sein. Denn die Leitung darf bei einem Anbieterwechsel nur noch einen Tag lang unterbrochen sein. „Der bisherige Anbieter ist in der Pflicht: Er darf den Internet- und Telefonanschluss nur unterbrechen, wenn sichergestellt ist, dass die vertraglichen und technischen Voraussetzungen für den Anbieterwechsel vorliegen. Es muss also klar sein, dass die Leitung nach einem Tag steht“, sagt Boris Wita.

Verbraucher kennen Änderungen noch nicht

Doch trotz der Neuregelung hätten Verbraucher beim Anbieterwechsel und Umzug häufig immer noch für längere Zeit eine tote Leitung. „Das Problem ist, dass die Verbraucher die Änderung meist noch gar nicht kennen – und das gilt sogar für Mitarbeiter der Anbieter.“

Das bestätigt auch eine Studentin, die „gut vier Wochen lang Druck machen musste“ und immer wieder mit „neuen Ausreden vertröstet wurde“, bis sie Ende Januar endlich wieder einen Internetanschluss hatte. „Von der neuen Eintages-Frist hat mir natürlich keiner etwas gesagt.“ Möglicherweise hat die 25-Jährige nun sogar Anspruch auf Schadensersatz. Denn der Bundesgerichtshof hat kürzlich entschieden, dass der Internetanschluss zur Lebensgrundlage eines jeden Verbrauchers gehört. Fällt der Anschluss – etwa bei einem Anbieterwechsel – länger als erlaubt aus, kann der Bürger Anspruch auf Schadensersatz geltend machen. Über die Höhe haben sich die Richter allerdings nicht geäußert.

"Das dauert nur drei Minuten"

Etwas anders ist die Lage, wenn der Telefonanschluss ausfällt. Hat der Bürger noch ein Mobiltelefon, gibt es keinen Schadensersatz – er kann ja weiterhin telefonieren. Die höheren Kosten, die dadurch entstehen, kann er aber geltend machen. „Weil bei einem Anbieterwechsel die Verbraucher immer noch oft viel zu lange ohne Anschluss sind und sich alter und neuer Anbieter gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, bitten wir die Leser, uns ihre Erfahrungen online zu melden“, sagt Boris Wita. „Das dauert nur drei Minuten.“ Die „Online-Umfrage zum Anbieterwechsel“ findet man auf der Startseite der Verbraucherzentrale: www.verbraucherzentrale-sh.de

Auch bei einem Umzug hat der Bürger eine stärkere Position. Er kann seinen Vertrag für Festnetz, Internet oder Mobilfunk an seinen neuen Wohnort mitnehmen, ohne dass sich an den Vertragsinhalt und der Laufzeit etwas ändert. Einzige Voraussetzung: Der Vertragspartner bietet diese Leistung auch wirklich an dem neuen Wohnort an. Für die Umstellung darf eine Gebühr erhoben werden. Die darf allerdings maximal so viel kosten wie ein Neuanschluss.

Eine weitere Verbesserung, die bares Geld sparen kann: Die Zeit in einer Warteschleife darf den Anrufer nicht mehr teuer zu stehen kommen. Verbraucher müssen erst bezahlen, wenn ihr Anliegen auch tatsächlich bearbeitet wird. Kostenfrei muss auch die Zeit bleiben, die verstreicht, wenn man während des Gespräches weitergeleitet wird.

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