15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Überholverbot für Lkw aufgehoben

Pilotversuch auf der A7 Überholverbot für Lkw aufgehoben

Bundesweiter Pilotversuch auf der Autobahn 7: Für Lastwagen in Fahrtrichtung Norden wird im Baustellenbereich zwischen dem Hamburger Dreieck Nordwest und der Landesgrenze Schleswig-Holsteins ab Freitag das Überholverbot für Lastwagen aufgehoben.

Voriger Artikel
45-jähriger Mann stirbt bei schwerem Verkehrsunfall
Nächster Artikel
Gasleitung gerissen: Zweigeschossiges Gebäude evakuiert

Hier soll es künftig schneller gehen: Am Freitag wird auch die linke Spur für den Lastwagenverkehr freigegeben. Der Pilotversuch ist zunächst auf acht Tage begrenzt.

Quelle: Michael Rauhe

Kiel/Hamburg. Acht Tage lang soll das Modell trotz Sicherheitsbedenken von Experten getestet werden. „Wir haben es uns mit dieser Entscheidung nicht leicht gemacht und unser Vorhaben mit allen Verkehrsplanern, Sicherheitsbehörden und den Bauunternehmen abgestimmt“, sagt Gerhard Fuchs (CDU), Verkehrskoordinator des Hamburger Senats. Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer dürfe nicht leiden, bekräftigt er und hofft auf ein Best-Practice-Beispiel, das bundesweit Vorreiter zur Minimierung von Staus im Bereich von Autobahn-Baustellen sein könnte – wenn es sich denn bewährt.

Seit Anfang April stecken Autofahrer zwischen dem Autobahndreieck Hamburg-Nordwest bis zur Landesgrenze fast dauerhaft im Stau. Grund für den „nicht zufriedenstellenden Verkehrsfluss“, so Fuchs, sei die Baustelle im Zuge der Erneuerung der Autobahn 7. „Von Anfang an war es klare Vorgabe, dass während der gesamten Bauphase die Anzahl von vier Fahrstreifen in diesem Bereich erhalten bleibt, so dass die A7-Trasse in Richtung Norden geteilt werden musste“, erläutert Fuchs. Seither verläuft eine Spur auf der rechten Fahrbahn, die linke wurde auf den Standstreifen der Gegenrichtung verschwenkt. Das Problem: Die Planer haben offenkundig das hohe Aufkommen an Schwerlastverkehr gravierend unterschätzt. Vor allem in der Hauptverkehrszeit an Werktagen staut sich deshalb der Lkw-Verkehr auf der rechten Spur – mitunter zurück bis zum Elbtunnel. „Dieses Problem wollen wir jetzt lösen, in dem wir auch die linke Spur in Fahrtrichtung Norden für Lkw freigeben – eine in Deutschland bislang einmalige Lösung“, erklärt der Baustellen-Koordinator.

Grundsätzlich dürfen Lastwagen laut Straßenverkehrsordnung in Baustellenbereichen nur die rechte Spur nutzen. „Versuchsweise werden wir dies nun für acht Tage aufheben“, sagt Fuchs. Ab Freitag sollen Sattelschlepper beide Spuren nutzen dürfen, allerdings vorerst nur acht Tage lang und nur zwischen sechs und 20 Uhr. „Um Gefahren zu minimieren, sind die mobilen Leitplanken verstärkt, beide Fahrspuren auf 3,25 Meter verbreitert sowie die Ein- und Ausfädelungsbereiche verlängert worden“, so Fuchs. Zudem werde das Projekt wissenschaftlich begleitet und per Video überwacht, um „lückenlos die Verflechtungsvorgänge“ anzusehen.

Ob sich Auto- und Lastwagenfahrer auf die neue Verkehrsregelung einlassen können, bleibt abzuwarten. Möglich ist, dass es zu brenzligen Situationen kommt, wenn ein Lkw-Fahrer von der linken Spur einfädeln möchte, auf dem gerade ein Kleinwagen-Fahrer unterwegs ist. Fest steht: Im Fall eines schweren Unfalls hat die Polizei die Entscheidungshoheit, das Pilotprojekt sofort abzubrechen.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) sieht die neue Regelung „mit einer gewissen Portion Skepsis“, plädiert aber dafür, nichts unversucht zu lassen. Einen dauerhaften Weiterbetrieb würde er von einer gründlichen Analyse des Versuchs abhängig machen. Ulf Evert vom ADAC wird noch deutlicher: „Was in der Theorie gut klingt, birgt im Verkehrsalltag erhebliches Gefahrenpotenzial.“ In den Planungen bereits die Option schwerer Unfälle und den Abbruch des Projekts einzukalkulieren, sei befremdlich. „So oder so erfordert das geplante Reglement ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel