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Mehr Kontrolle über Atommüll

Umweltminister Habeck Mehr Kontrolle über Atommüll

Der Atommüll in Schleswig-Holstein soll deutlich strenger kontrolliert werden. Mit dieser Ankündigung zog Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gestern weitere Konsequenzen aus dem Fund von mehr als 100 Rostfässern in Kellerräumen des Atomkraftwerks (AKW) Brunsbüttel.

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Reaktion auf Brunsbüttel: Nach dem Rostfass-Skandal will Umweltminister Robert Habeck (links) die landesweit rund 5000 Fässer und Gebinde mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen strenger kontrollieren. Zuständig dafür ist der Leiter der Kieler Atomaufsicht, Jan Backmann (rechts).

Quelle: dpa

Kiel. Defekte Fässer waren in den Vorjahren auch im AKW Brokdorf sowie in der Landessammelstelle für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Geesthacht entdeckt worden.

„Wir müssen Sorge dafür tragen, dass solche erschreckenden Schäden wie in den Kavernen in Brunsbüttel nicht noch einmal auftreten“, sagte Habeck. Deshalb werde die Überwachung des Nuklearmülls „systematisch und umfassend“ erweitert. So müssen die Mitarbeiter der drei AKW Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel sowie der Landessammelstelle künftig die rund 5000 Fässer und Gebinde mit Atommüll einmal im Jahr in Augenschein nehmen und sie alle vier Jahre auch „von unten“ inspizieren.

Habeck will darüber hinaus eine Höchstlagerdauer für schwach- und mittelradioaktiven Müll festlegen und die Behälter in allen Lagerstätten genau erfassen. In der Pflicht sieht der Minister auch Berlin. Der Bund solle eine „einheitliche Atommülldatenbank“ schaffen, so Habeck. „Das werden wir im Bund in den entsprechenden Gremien anstoßen.“ Die verstärkten Kontrollen sollen dazu beitragen, den Strahlenmüll bis zu einer Endlagerung im Schacht Konrad (Salzgitter) notfalls über Jahrzehnte sicher zu verwahren.

Mit der Kontrolloffensive nahm Habeck Vorschläge einer Spezial-Arbeitsgruppe auf, die er nach den Rostfunden in den Kellerräumen des AKW Brunsbüttel eingesetzt hatte. Von den dort eingelagerten 573 Stahlfässern (200 Liter) waren 145 so stark beschädigt, dass sie nur mit Spezialgerät zu bergen sind. Diese Aktion soll im September anlaufen. Die Atomaufsicht bestätigte derweil, dass es bereits 2007 einen Hinweis auf Korrosionsschäden gab. Damals sei nicht nachgefasst worden, sagte der Leiter der Atomaufsicht, Jan Backmann. Öffentlich wurde der Rost-Skandal erst 2012.

Nach Angaben der Atomaufsicht gab es auch im AKW Brokdorf, das als einziges im Norden noch läuft, ein Rostproblem. In Brokdorf seien 2001 vier Fässer mit „Lochfraß“ entdeckt worden, so Backmann. In der Landessammelstelle gab es sogar mehrere Fälle. Die beschädigten 200-Liter-Behälter wurden dann einfach in 280-Liter-Fässer eingestellt. „Für die Landessammelstelle lässt sich dieses Verfahren aktenmäßig seit Anfang der 70er-Jahre nachweisen“, heißt es in dem Abschlussbericht der Spezial-Arbeitsgruppe.

Backmann erinnerte daran, dass das Problembewusstsein in Atomfragen erst mit der Zeit gewachsen sei und es bisher keine Meldepflicht für Rostfässer gab. „Nachträglich sind viele Versäumnisse festzustellen“, ergänzte Habeck. Das gelte insbesondere für Brunsbüttel. Dort seien Atomabfälle in nicht zugänglichen und damit ungeeigneten Kavernen gelagert worden. Regelmäßige Inspektionen habe es ebenso wenig gegeben wie echte Kontrollen. Ein Trost bleibt: Die Kosten für die Bergung der Rostfässer sowie für die verstärkten Kontrollen muss der Betreiber Vattenfall begleichen. Der schwedische Staatskonzern hatte Brunsbüttel und damit auch die Altlasten 2002 von einem anderen öffentlichen Unternehmen übernommen, den Hamburgischen Electricitätswerken (HEW).

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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