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Dreister Anschlag auf Seeadler-Nest

Horst in Angeln zerstört Dreister Anschlag auf Seeadler-Nest

Naturfreunde sind fassungslos: In einem Wald in der Nähe der kleinen Gemeinde Stangheck in Angeln haben unbekannte Täter den Horst eines Seeadlerpärchens zerstört. Die Polizei sicherte den Tatort und ermittelt. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) verurteilt die Aktion. Bei der Projektgruppe Seeadlerschutz glaubt man, die Hintergründe zu kennen.

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 Ein Horst eines Seeadlerpärchens wurde in Angeln gezielt zerstört.

Quelle: Dirk Schneider (Archiv)

Stangheck. Ein oder mehrere unbekannte Täter haben Ende der vergangenen Woche in einem Wald bei Gelting fachmännisch einen mächtigen Baum gefällt, auf dem die Raubvögel seit 2007 ein großes Nest hatten. Offenbar ist dies landesweit bereits der zweite gezielte Anschlag gegen Seeadler seit Anfang des Jahres. Auch diesmal wurden umliegende Bäume nicht beschädigt. Spaziergänger entdeckten den Tatort am Wochenende und alarmierten die örtliche Polizei. Diese ermittle nun in alle Richtungen. Auch der Kreis Schleswig-Flensburg ist seit gestern eingeschaltet. Spätestens wenn die Polizei die Akte an die Staatsanwaltschaft übergebe, werde die Untere Naturschutzbehörde eine Expertise liefern, heißt es dazu aus der Kreisverwaltung.

 Der Zeitpunkt des Anschlags „ist eine Katastrophe“, sagt Dr. Jan Kieckbusch, Vogelschutzexperte beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Jetzt ist bei den Seeadlern Brutzeit, im Nest lagen möglicherweise Eier.

Foto: So sieht der Tatort aus.

So sieht der Tatort aus.

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Dies hätten der oder die Täter in Kauf genommen. Bei dem Nest in Stangheck habe es sich um einen „Traditionshorst“ gehandelt – seit mehreren Jahren schon wurde der Vogel dort beobachtet. Sein Revier liegt im angrenzenden Naturschutzgebiet Geltinger Birk, dem größten des Kreises Schleswig-Flensburg.

 Wie ein Lauffeuer hat sich die Nachricht vom zerstörten Horst bei den Umweltverbänden im ganzen Land verbreitet. „Wir sind empört über den Übergriff auf diese streng geschützten Tiere“, sagt Bernd Struwe-Juhl, Geschäftsführer der landesweiten Projektgruppe Seeadlerschutz. Darin sind die großen Umweltverbände, der Waldbesitzerverband, die Jägerschaft, die Landesforsten und das Umweltministerium zum Schutz der etwa 70 Seeadler-Paare im Norden organisiert. „Der Baum wurde gezielt gefällt. Da hat jemand genau gewusst, was er tut“, sagt Biologe Struwe-Juhl und hat einen Verdacht: Er sehe „einen Zusammenhang mit der Windkraft“, sagt der Experte. Seit Jahren wird in der Region um den Bau von Windkrafttürmen gerungen. Von ähnlich gelagerten Fällen in Süddeutschland wisse die Projektgruppe, dass dort immer wieder gezielt Jagd auf geschützte Wildvögel gemacht werde, um nach deren Verschwinden in den Jagdrevieren Windkraftanlagen bauen zu können. Die Projektgruppe habe das Umweltministerium des Landes bereits vor den Gefahren dieser „Selbstjustiz“ gewarnt, sagt Struwe-Juhl.

 Robert Habeck verurteilt die Aktion. „Eine absichtliche Zerstörung von Seeadlerhorsten ist alles andere als lustig“, erklärte der Umweltminister gestern. „Sie ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten und eine Straftat.“ Dies müsse jetzt „streng geahndet“ werden. „In jüngerer Zeit sind im Ministerium einige Hinweise auf entsprechende Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem geplanten Bau von Windkraftanlagen eingegangen, denen wir nachgehen“, sagt Habeck. „Wir prüfen auch, welche Konsequenzen über die strafrechtliche Verfolgung, die den Behörden obliegt, hinaus ergriffen werden können. Eine mutwillige Zerstörung von Seeadlernesten darf nicht zu Vorteilen führen – für niemanden.“

 Bernd Struwe-Juhl unterstreicht: In der Regel führe ein Anschlag auf geschützte Arten nicht dazu, dass Windkraftanlagen schneller genehmigt werden könnten. Das Gegenteil sei der Fall. „Wir gehen davon aus, dass sich das Verfahren dann sogar um mindestens ein Jahr verlängert.“ In Schleswig-Holstein muss seit 2013 im Umkreis von drei Kilometern um einen Seeadler-Brutplatz in jedem Einzelfall geprüft werden, ob Windräder die Tiere stören. Zuvor war der Bau in diesem Umkreis grundsätzlich verboten.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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