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Große Seeschlacht wirkt nach

Ursprung des Namens Schwedeneck Große Seeschlacht wirkt nach

Durch den Ortsnamen Schwedeneck wirkt sie bis heute in der Region nach: Vor 300 Jahren donnerten bei der Seeschlacht vor Fehmarn die Kanonen. Wie das bedeutsamste maritime Gefecht des Großen Nordischen Krieges dazu führte, dass Schwedeneck zu seinem Namen kam, erklärt der Historiker Dr. Joachim Krüger vom Landesmuseum Schloss Gottorf.

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Joachim Krüger präsentiert Zeugnisse der Seeschlacht vor Fehmarn. Zu den vom Ostseegrund gehobenen Überresten des schwedischen Flaggschiffs „Prinzessin Hedvig Sofia“ gehören Kanonenkugeln und Teile eines Offiziersdegens.

Quelle: Rainer Krüger

Schwedeneck/Fehmarn. Dazu beschreibt er die politische Lage des Jahres 1715 im Ostseeraum. Dort kämpfte die Vormacht Schweden seit 1700 mit einem Bündnis aus Dänemark-Norwegen, dem Russischen Zarenreich und Sachsen-Polen. Zunächst erzielte der zu Kriegsbeginn erst 18 Jahre alte Schwedenkönig Karl XII. große Erfolge. Seit ihrer Niederlage gegen Zar Peter den Großen bei Poltawa im Juli 1709 waren die Schweden aber in die Defensive geraten. „Ein in Karlskrona stationiertes Flottengeschwader unter Konteradmiral Carl Hans Wachtmeister sollte im Frühjahr 1715 die Verbindung zum schwedischen Stralsund sichern, hatte Orte auf Fehmarn geplündert und dänische Handelsschiffe aufgebracht. Den aus vier Linienschiffen und zwei Fregatten bestehenden Verband suchte damals eine doppelt so starke Einheit der Dänen unter Christian Carl Gabel“, erklärt Krüger.

 Als die Dänen am 24. April 1715 die Schweden stellten, kam es zur Seeschlacht bei Fehmarn. Dabei nutzten die Dänen ihre Überlegenheit aus. „Sie konzentrierten ihr Feuer auf die ‚Prinzessin Hedvig Sofia‘, das schwedische Flaggschiff.“ Mit 76 Kanonen war sie das größte Schiff im Verband. Beim Verhältnis von 314 schwedischen zu 514 dänischen Geschützen wurde für Wachtmeister die Niederlage am Abend absehbar. Er floh im Schutz der Nacht. Da die Dänen den Weg nach Schweden blockierten, plante er, die Schiffe vor Bülk auf Grund zu setzen. Damit sie dem Feind nicht in die Hände fielen, wollte er sie dann versenken. Zudem schickte er die „Vita Örn“, eine neue schnelle Fregatte, Richtung Heimat. Das erwies sich als Fehler. Als die Fregatte ausbrach, behielt sie der dänische Kapitän Peter Wessel im Auge. Das hatte verhängnisvolle Folgen für die Schweden. Denn als die „Vita Örn“ am Morgen des 25. April die Flucht abbrach, führte sie Wessel zum Rest des Verbands. Ohne Gabel zu konsultieren, forderte Wessel den schwedischen Befehlshaber zur Kapitulation auf. Im Gegenzug wollte er die schwedischen Besatzungen verschonen.

 Vor der Kapitulation versenkte Wachtmeister seinen Admiralsdegen in der Ostsee. Seine Worte „einem Gefangenen gebührt es nicht, einen Degen zu tragen“ stehen im Logbuch des dänischen Flaggschiffs „Prinz Christian“. Der legendäre Ausspruch „nachdem du mir solches Unglück bereitet hast, sollst du weder von mir noch von jemand anderem getragen werden“, lässt sich laut Krüger jedoch nicht hundertprozentig belegen.

 Für die Dänen war es ein großer, aber kein perfekter Sieg. Denn tatsächlich war die „Prinzessin Hedvig Sofia“ durchs Aufgrundsetzen unbrauchbar geworden. „Sie wurde ausgeschlachtet, fiel auseinander und geriet in Vergessenheit“, so Krüger. Durch die „Prinzessin Hedvig Sofia“ wurde die Schlacht im Januar 2008 aber wieder ins Bewusstsein gerückt. Damals entdeckte der Kieler Taucher Rolf Lorenz ihre Reste auf dem Meeresgrund, etwa eine Seemeile vor der Stohler Steilküste. Was folgte, war eine große Unterwassergrabung, die unter anderem Kanonen, Holzteile und auch Löffel der Besatzung ans Licht brachte. „Auch ein Degen, von dem sich allerdings nicht klären lässt, ob es sich um den von Wachtmeister handelt“, so Krüger. Auf jeden Fall bilden die Funde die Basis für die Gottorfer Ausstellung „Von Degen, Segeln und Kanonen: Der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“. Krüger hat die vom 28. Mai 2015 bis 4. Oktober 2016 laufende Schau vorbereitet, am Katalog zur Ausstellung mitgewirkt und bringt jetzt das Buch „Princess Hedvig Sofia and the Great Northern War“ mit heraus. Der Krieg endete 1721 mit der Niederlage der Schweden.

 Über den Ursprung des Namens Schwedeneck kann Krüger auch aufklären. Die 353 schwedischen Opfer der Schlacht wurden damals an Land beigesetzt. Das geschah auf dem sogenannten Schwedenfriedhof. Auf ihn geht der Name der Gemeinde Schwedeneck zurück, die 1928 nach der Zwangsauflösung der Güterdistrikte gebildet wurde. So wirkt die Schlacht bis heute nach.

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