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Ein junger Blick auf die Weltpolitik

Vereinte Nationen Ein junger Blick auf die Weltpolitik

Die Vereinten Nationen wurden vor 70 Jahren gegründet. Das deutsche UN-Jugenddelegierten-Programm wird zehn Jahre alt. Bundespräsident Joachim Gauck nimmt das zum Anlass, um am Montag mit sechs jungen Erwachsenen über ihre Erfahrungen mit den UN zu sprechen.

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Die Lübeckerin Elise Zerrath (28) war Jugenddelegierte bei der UNO.

Quelle: hfr

Kiel/Bonn. Bei der Diskussionsrunde in der Bonner Villa Hammerschmidt sitzen mit der gebürtigen Lübeckerin Elise Zerrath (28) und dem Kieler Jonas Meereis (18) gleich zwei Norddeutsche mit am Tisch.

Auf internationalem Parkett haben beide bereits Erfahrungen sammeln können. Meereis nahm in den vergangenen Tagen an einer Konferenz von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im UNO-Hauptquartier in New York teil, die gestern zu Ende ging. Der 18-jährige Schüler des Kieler Wirtschaftsgymnasiums vertrat dabei den Verein „Deutsche Model United Nations (DMUN)“. Dieser macht die Arbeitsweise der Weltorganisation verständlich, indem er Jugendlichen die Möglichkeit gibt, UN-Sitzungen nach zuspielen.

Zu den Angeboten von DMUN zählt auch das Rollenspiel MUN-SH im schleswig-holsteinischen Landtag, über das Meereis sein Interesse für die internationale Politik entdeckte. Gerade einmal ein Jahr ist das her. Dabei vertrat er Russland im Ausschuss zur Bekämpfung des Terrorismus. Begeistert nahm er noch im gleichen Jahr an einer UN-Simluation in Istanbul teil und trat dort als französischer Botschafter im Sicherheitsrat auf.

„DMUN hat bei den Vereinten Nationen eine Akkreditierung als Nichtregierungsorganisation“, erläutert Meereis. Damit sei der Verein anderen NGOs wie etwa Greenpeace oder Amnesty International gleichgestellt, die ebenfalls an der Konferenz anlässlich des 70. Jahrestags der UN-Gründung teilnahmen. „Ich bin hier vielen Teilnehmern begegnet, die ihre NGOs seit 20 oder 30 Jahren bei den Vereinten Nationen vertreten“, berichtete Meereis telefonisch aus New York.

Bei dem Gespräch mit Gauck, zu dem er als Vorsitzender der deutschen Sektion des Internationalen Jugendnetzwerks für die Vereinten Nationen (UNYA Germany) eingeladen wurde, werden zwei Themen im Mittelpunkt stehen: „Einmal wird es natürlich um die Möglichkeiten der Jugendpartizipation im politischen Prozess gehen“, sagt Meereis. „Tagesaktuell wollen wir mit dem Bundespräsidenten darüber sprechen, wie in Deutschland mit Flüchtlingen umgegangen wird.“ Es gebe „viel Verbesserungsbedarf“, betont der junge Mann, der im Februar zum Sprecher des „Jungen UNO-Netzwerk Deutschland“ gewählt wurde.

Auf das Zusammentreffen mit dem Staatsoberhaupt freut sich auch Elise Zerrath, die Deutschland vor zwei Jahren als Jugenddelegierte in der Generalversammlung der Vereinten Nationen vertreten hatte. Damals rückte sie Fragen der Menschenrechte in den Mittelpunkt: „Wir haben viel für die Gleichbehandlung von Menschen aus der LGBT-Gruppe geworben“, sagt sie. Der einfache Satz, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender gleiche Rechte wie Heterosexuelle haben, sei auf internationaler Bühne noch immer ein heißes Eisen.

Auf die Vielfalt der Positionen in globalen Fragen war die gebürtige Lübeckerin bereits während ihres Studiums der Internationalen Beziehungen in Schottland gestoßen. Ein „Erasmus“-Austausch führte sie nach Island. Nach dem Studium hat sie für eine Frauenrechtsorganisation in der Dominikanischen Republik gearbeitet. Derzeit ist die 28-Jährige bei der israelischen Botschaft in Berlin angestellt.

Eine Karriere im diplomatischen Dienst peilen sowohl Zerrath als auch Meereis nicht an. „Das wäre mir vermutlich zu behördlich“, gesteht der Kieler ein. Er will nach dem Abitur vermutlich ein duales Studium aufnehmen – und beim künftigen Arbeitgeber für die internationalen Beziehungen zuständig sein. Die Arbeit der Vereinten Nationen in Deutschland bekannter zu machen, werde ein Herzensanliegen bleiben. „Wenn man die Tagesschau anschaltet, sieht man nur sehr wenige Berichte über die UNO.“ Von dem, was gezeigt werde, machten Berichte über den Sicherheitsrat rund 70 Prozent aus. Der Rest drehe sich meist um die Generalversammlung. Über die Arbeit des Wirtschafts- und Sozialrat, der viele wichtige Dinge in der Entwicklungspolitik anstoße, werde hingen so gut wie gar nicht berichtet. Gerade jetzt, beim Übergang von den Milleniumszielen zur Post-2015-Agenda, sei das aber von großer Bedeutung.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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