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Polizei soll sich Kaspern sparen

Verkehrserziehung Polizei soll sich Kaspern sparen

Der Verkehrskasper ist seit Langem eine Institution der schleswig-holsteinischen Landespolizei. Die neun Planstellen der Polizeipuppenbühnen stellt Innenminister Stefan Studt jetzt aber in Frage.

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Tri-tra-trullala, das Rotlicht ist zum Halten da: Die meisten Kinder haben mit dem Verkehrskasper den ersten Kontakt zur Polizei – das schaffe wichtiges Vertrauen, geben Kritiker der Umstrukturierung zu Bedenken.

Kiel. „Bist du eigentlich ein echter Polizist?“ Diese Frage hören Joachim Fetkenhauer und sein Kollege Bernhard Wieck von der Polizeipuppenbühne Neumünster regelmäßig bei ihren Besuchen in Kindergärten und Schulen. „Ja, natürlich“, lautet dann ihre Antwort. Ab 2018 könnte sich das allerdings ändern. Dann stehen hinter dem Vorhang im Zweifel keine echten Polizisten mehr, sondern externe Puppenspieler oder pensionierte Ex-Kollegen.

122 Stellen will Innenminister Stefan Studt (SPD) bis 2020 bei der Landespolizei streichen. Auch der Verkehrskasper ist von den Umstrukturierungen betroffen. Schließlich müssen die Bühnen nicht zwingend von aktiven Polizeibeamten bespielt werden, so das Argument „Dies könnten auch pensionierte Kollegen sein, die Interesse an der Verkehrserziehung haben.“ Dabei seien insbesondere Kooperationen mit externen Trägern einzugehen. Das heißt: Die Bühnen könnten künftig von privaten Puppenspielern betreut werden, die nicht im Polizeidienst sind. „Frei werdende Stellen fallen nicht weg, sondern verstärken die Bereiche Einsatz und Ermittlung“, sagt Studt. Die schon heute obligatorische Begleitung eines Auftritts durch einen örtlichen zuständigen Polizeibeamten werde selbstverständlich beibehalten.

Nur das Saarland hat keine eigene Polizeibühne

Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der drei Polizeipuppenbühnen in Neumünster, Flensburg und Bad Oldesloe mit insgesamt neun Planstellen steht allerdings noch aus. „Im Herbst wird geklärt, was aus uns wird“, sagt Polizeihauptmeister Joachim Fetkenhauer. Die Aussichten, sich weiterhin voll und ganz den Kindern widmen und ihnen die Angst vor den Männern in Uniform zu nehmen, sind jedoch alles andere als rosig. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung bei dem Neumünsteraner Duo, das bereits seit einigen Jahren mit Kasper, der Ente Watschel, dem Hund Schnuffi und dem Straßenschreck unterwegs ist. „Wir wären alle traurig, wenn das wegbricht. Dann hätten wir neben dem Saarland als einziges Bundesland keine eigene Bühne.“

Rund 600 Kindergärten betreut die Neumünsteraner Polizeibühne. „Unser Bezirk reicht von Wedel bis nach Damp“, erklärt Fetkenhauer. „Wir absolvieren rund 150 Auftritte pro Jahr.“ Bei Fetkenhauer spielt Herzblut mit, wenn er von seiner Arbeit erzählt. „Ich bin seit zehn Jahren dabei und stehe hinter dem, was ich mache.“ Rund 60 Kinder erreichen er und sein Kollege pro Vorstellung. Und nach dem Auftritt ist die Arbeit meist noch nicht erledigt. „Wenn genügend Zeit ist, gehen wir mit den Kindern noch an die nächstgelegene Straße.“ Ob externe Puppenspieler das in Zukunft dürfen, bleibt zu klären. „Die meisten Kinder haben mit dem Verkehrskasper den ersten Kontakt zur Polizei“, erklärt Fetkenhauer. „Durch unseren Besuch in Uniform bauen wir gezielt Ängste ab und schaffen Vertrauen.“

Ist der Verkehrskasper noch zeitgemäß?

„Verkehrsprävention ist eine gute Sache – wenn man sie sich leisten kann“, sagt Manfred Börner von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er verweist darauf, dass der Verkehrskasper nicht zu den Kernaufgaben der Polizei gehöre und eher im Bereich der Bildungsarbeit anzusiedeln sei und daher auch aus diesem Topf bezahlt werden müsse. Dem geplanten Einsatz von Externen oder pensionierten Beamten steht er jedoch kritisch gegenüber: „Kinder gucken sehr genau hin, wer ihnen etwas präsentiert“, so der GdP-Chef. Er hält die geplante Lösung für einen faulen Kompromiss: „Entweder man lässt alles so, wie es ist und bislang gut lief, oder man schafft die Bühnen ab.“ Auch politisch sorgt das Thema für Zündstoff: „Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, diese wichtige Präventionsaufgabe von aktiven Beamten durchführen zu lassen, weil sie näher an der aktuellen Polizeiarbeit sind“, sagt Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef. „Unsere Kinder dürfen die Polizei nicht nur aus dem Fernsehen kennen“, meint Wolfgang Dudda, innenpolitischer Sprecher der Piraten. Man könne aber darüber diskutieren, ob der Verkehrskasper noch zeitgemäß sei.

Den Grünen geht es eher grundsätzlich um den Erhalt der Präventionsarbeit. „Wenn professionelle Puppenspieler oder pensionierte Beamte mit entsprechendem Talent den Job machen, ist das für uns in Ordnung“, erklärt Innenpolitik-Experte Burkhard Peters. Die SPD hält sich noch zurück und will zunächst das Ergebnis des Prüfauftrags des Innenmisters abwarten. Im Hinblick auf die steigenden Unfallzahlen mit Kindern unter sechs Jahren im Jahr 2014 sagt CDU-Innenpolitiker Axel Bernstein: „Der Verkehrskasper ist eine feste pädagogische Einrichtung in Schleswig-Holstein, die nicht weggespart werden darf.“

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

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Polizeikasper
Foto: Seit mehr als 60 Jahren leistet der Verkehrskasper in Schulen und Kindergärten wichtige Arbeit. Das Problem: Er ist nur so gut wie die Beamten, die ihn zum Leben erwecken.

Dem Verkehrskasper geht es nun doch an den Kragen: Obwohl der Stellenabbau-Plan bei der Landespolizei inzwischen vom Tisch ist, sollen die drei Puppenbühnen abgewickelt werden. Die neun Stellen werden in andere Bereiche „umgesteuert“, heißt es in einem internen Papier des Landespolizeiamtes.

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