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Private übernehmen A7-Strecke

Schleswig-Holstein Private übernehmen A7-Strecke

Zeitenwende auf dem Asphalt und Start eines Pilotprojekts im Norden: Zum ersten Mal wird in Schleswig-Holstein das Teilstück einer Autobahn in private Hände gegeben. Die Bau- und Betreibergesellschaft Via Solutions Nord übernimmt in der Nacht zum 1. Mai den Betrieb von 59 Kilometern der A7 und schickt eigene Straßenwärter auf die Piste. Die vertrauten Männer in Orange der landeseigenen Autobahnmeisterei ziehen sich damit zurück.

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Verlässt die A7: Dirk Putzer, Leiter der Autobahnmeisterei Quickborn.

Quelle: fpr: Frank Peter

Kiel/Kaltenkirchen. Bis 2018 baut Via Solutions, hinter der unter anderem der Baukonzern Hochtief steht, den A7-Abschnitt zwischen Hamburg-Nordwest und dem Dreieck Bordesholm für geschätzt 600 Millionen Euro aus. 30 Jahre lang läuft der Vertrag, der dem Unternehmen die Einnahmen aus der Maut verspricht. Erstes sichtbares Zeichen der Privatisierung: Die staatliche Straßenmeisterei in Quickborn gibt ihre Arbeit auf der Autobahn ab. Künftig sollen die 22 Mitarbeiter des Landesbetriebs nur noch auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Einsatz sein.

 Die neuen A7-Betreiber bauen auf der grünen Wiese an der Abfahrt Kaltenkirchen eine eigene Autobahnmeisterei. Bis diese – voraussichtlich im November – fertig ist, nutzt Via Solutions Nord ein Ausweichquartier für Fuhrpark und Personal bei Nützen. Der neuen Mannschaft stehe „ein moderner Maschinenpark aus Lkw mit diversen Anbaumöglichkeiten, Reinigungsgeräten und Schneepflügen zur Verfügung“, sagt Via-Solutions-Sprecher Peter Caspar Hamel. Während die künftigen Betreiber zuversichtlich auf ein neues Kapitel deutscher Autobahngeschichte blicken, sind Autofahrer, Politiker und Verkehrsexperten gespannt. Denn die Strecke wurde nach dem sogenannten „Verfügbarkeitsmodell“ vergeben: Der private Betreiber bekommt dabei eine leistungsabhängige Vergütung; Geld fließt nur, wenn der Verkehr rollt. Baustellen oder die Sperrung von Fahrstreifen reduzieren die Einnahmen. Dadurch – so das Kalkül – hält der Unternehmer die Straße in Ordnung.

 Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) macht keinen Hehl aus seiner Skepsis gegenüber dem Projekt. Dass ein Unternehmen Geld verdienen wolle, sei legitim, das sei „aber am Ende nicht unbedingt günstiger für den Steuerzahler“, so Meyer. Deswegen müsse man an anderer Stelle zeigen, dass man besser sei. „Zum Beispiel, indem man schneller und kostengünstiger baut.“ Rainer Kersten, Geschäftsführer beim Bund der Steuerzahler, wird deutlich: „Grundsätzlich ist der private Betrieb einer Autobahn ein Armutszeugnis für die Politik.“ Schließlich zahle der Autofahrer mit Kfz- und Mineralölsteuer sowie über die Maut etwa das Dreifache von dem, was zurück in die Infrastruktur fließe.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Schleswig-Holstein
Foto: Straßenwärter Uwe Hoffmann (56) arbeitet seit 1981 in Quickborn. Der Verkehr auf der Autobahn hat sich seither vervielfacht, das Arbeitspensum stieg stetig. In einer Woche ist Schluss: Hoffmann und seine Kollegen haben dann nur noch Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zu betreuen.

59 Kilometer Autobahn zwischen Hamburg und Neumünster wechseln für die kommenden 30 Jahre den Betreiber. Das hat Folgen: Die staatliche Autobahn- und Straßenmeisterei Quickborn ist nur noch wenige Tage für Pflege und Wartung der Fahrbahnen zuständig. Am 1. Mai um Mitternacht übernimmt mit der Via Solutions Nord ein privater Unternehmer. Und der steht unter Beobachtung.

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