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Es ist wirklich ein Finnwal!

Eckernförder Bucht Es ist wirklich ein Finnwal!

Jetzt steht es fest: Der Wal, der am ersten Mai-Wochenende in der Eckernförder Bucht gesichtet wurde, ist ein Finnwal. Drei Anglern aus dem Emsland ist es gelungen, den Wal mit einem Handy zu filmen.

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Nicht selten verirren sich Großwale wie dieser Finnwal (Beispielbild) in die Ostsee. Dennoch sorgt die Sichtung eines Finnwals in der Eckernförder Bucht für Aufregung.

Quelle: Imago/hfr

Eckernförde. Anhand der Bilder konnten Walexperten das Tier gestern eindeutig als Finnwal identifizieren. Mit den beiden Buckelwalen, die seit Sommer 2014 regelmäßig in der Bucht sowie in der Flensburger Förde auftauchen, tummeln sich also jetzt drei Wale in dem Gebiet.

 Markus Tombrink aus dem emsländischen Lathen kann sein Glück kaum fassen. Er war mit zwei Kollegen übers lange Wochenende nach Eckernförde zum Angeln gefahren – und bekam zufällig ein „Whalewatching“ obendrauf. „Plötzlich tauchte der Wal auf, direkt vor unserem Boot“, erzählt der Kfz-Schlosser, der nach einer ersten Schrecksekunde zum Handy griff und die unerwartete Begegnung filmte. „Das war schon ein außergewöhnlicher Moment.“ Sein Video hat endlich Gewissheit gebracht, denn zunächst hatten selbst erfahrene Walbeobachter wie Oliver Graßmann vom Ostsee-Info-Center in Eckernförde das mächtige Tier für einen Buckelwal gehalten. „Ich habe an der Außenmole Muscheln ins Meer geschüttet, als ich 200 Meter vom Land entfernt eine komische Fläche im Meer entdeckte“, erinnerte sich Graßmann. Gemeinsam mit Touristen habe er „ eine Weile gerätselt“, bis er die „keulenförmige“ Rückenpartie erkannt habe.

 Da seit Juli 2014 immer wieder eine Buckelwal-Mutter mit ihrem Kalb in der Bucht gesichtet worden sei, habe er nicht sofort erkannt, dass es sich um einen Finnwal handelt. „Für eine genaue Beobachtung braucht man Ausdauer“, betonte Graßmann. „Die Wale sind drei Sekunden zu sehen, bevor sie wieder für 40 Minuten abtauchen.“ Auch der Eckernförder Fischer Eckhard Michalsen hat den Finnwal gesehen und ihn anschließend gemeldet. Er möchte das Thema aber nicht „aufbauschen“, weil er Nachteile für seinen Berufsstand befürchtet. „Je öfter man Wale sieht, umso mehr Verbote müssen wir in Kauf nehmen.“ Eine Konkurrenz sind die großen Meeressäuger jedenfalls nicht, wie der Kappelner Walexperte Andreas Pfander von der Gesellschaft zum Schutz von Meeressäugern (GSM) betonte. „Er frisst vor allem Plankton und kleinere Schwarmfische wie Heringe, die er zu einem dichten Haufen zusammentreibt.“ In der Ostsee grase er verschiedene Fjorde ab und ziehe dann weiter.

 Pfander zufolge ist der Aufenthalt des Finnwals in den schleswig-holsteinischen Küstengewässern der Ostsee nicht ungewöhnlich. Es komme immer wieder vor, dass sich Großwale in die Ostsee verirrten. So hielt sich im Sommer 2003 ein 15 Meter langer Finnwal in der Kieler Förde auf, 2006 und 2007 wurde ein Exemplar in der Flensburger Förde gesichtet. Auch 2010 bewegte sich dort ein junger Finnwal. Er erlangte traurige Berühmtheit, als er im dänischen Vejle-Fjord in flachem Wasser strandete. Tierschützern und Feuerwehr war es damals nicht gelungen, das festgeschwommene Tier zurück ins tiefe Wasser zu lotsen. Dieses Schicksal bleibt dem Finnwal in der Eckernförder Bucht hoffentlich erspart. Andreas Pfander hofft, dass er sich satt frisst und dann weiterzieht. „Das wäre typische Finnwal-Verhalten.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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