16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Die Gefahr aus der Wasserpfeife

Warnung vor Shisha-Rauchen Die Gefahr aus der Wasserpfeife

Shisha-Rauchen ist auf dem Vormarsch: 29 Prozent der 12-bis 17-Jährigen haben bereits einmal eine Wasserpfeife geraucht. Das Gesundheitsrisiko indes wird massiv unterschätzt, warnt das Robert Koch-Institut. Suchtberater in Schleswig-Holstein bestätigen die Aussagen.

Voriger Artikel
Sturmwarnung für Nord- und Ostsee
Nächster Artikel
50 000 Vögel bei Ringelganstagen erwartet

Jugendliche unterschätzen die Wirkung von Wasserpfeifen.

Quelle: Patrick Lux/dpa-Archiv

Kiel. Shisha-Lounges sind längst nicht mehr nur in Großstädten zu finden. Das Rauchen von Wasserpfeife stufen viele schließlich als weniger gesundheitsschädlich als Zigarettenkonsum ein. Das sieht das Robert Koch Institut RKI anders: „Die Gesundheits- und Suchtgefahren werden von einem Großteil der Jugendlichen und der Öffentlichkeit systematisch unterschätzt“, heißt es. Viele der Raucher hielten es sogar für so ungefährlich, dass sie sich selbst als Nichtraucher bezeichnen würden.

 Das erlebt auch Karolina Gren, Beraterin bei der Landesstelle für Suchtfragen in Schleswig-Holstein (LSSH): „Das Shisha-Rauchen wird leider immer noch sehr stark verharmlost, auch von Erwachsenen.“ Die vielen Geschmacksrichtungen des Tabaks (von tropischer Frucht bis Schokolade) würden die Fehleinschätzung fördern. Weil zudem das Inhalieren leichter als bei Zigaretten sei, sei die Hemmschwelle für Kinder und Jugendliche besonders niedrig. „Die machen regelmäßig große Augen, wenn sie von uns hören, dass sie sogar im Schnitt deutlich mehr Nikotin und Kohlenmonoxid inhalieren als beim Zigarettenrauchen.“ Eine Zigarette enthält etwa 0,7 Gramm Tabak – eine Wasserpfeife fünf bis zehn Gramm.

 Beim Verschwelen aus dem Tabak und dem zugesetzten Zucker und Sirup entstehen zudem weitere giftige und krebserregenden Substanzen. Auch wenn eine Wasserpfeife im Schnitt nur ein paarmal pro Woche geraucht wird, die Zigaretten hingegen 20 bis 30 mal am Tag, ist für das RKI unstrittig: Regelmäßige Shisha-Konsumenten tragen ähnlich wie Zigaretten- und Passivraucher ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Erkrankungen im Mundbereich tragen. Neben Kindern und Jugendlichen sind besonders Schwangere gefährdet.

 Karolina Gren fordert mehr Aufklärung von Schülern, aber auch von Erwachsenen. Zudem sollten Betreiber von Shisha-Bars stärker in die Pflicht genommen werden: „Wir erleben leider, dass dort keine konsequenten Alterskontrollen gibt. Wasserpfeifen sind in der Öffentlichkeit wie Zigaretten erst ab 18 Jahren erlaubt.“

 Für Prof. Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel, zeigen die Studienergebnisse, dass Shishas quer durch alle Bildungsschichten beliebt sind. „Also auch unter Gymnasiasten. Zigaretten werden dagegen heute vor allem in bildungsfernen Schichten geraucht.“

 Dass sich viele Shisha-Raucher als Nichtraucher bezeichnen, könnte laut Hanewinkel eine Neubewertung notwendig machen: „Seit Jahren gehen wir von rückläufigen Zahlen jugendlicher Raucher aus“, sagt Hanewinkel. Möglicherweise greife ein Teil der Jugendlichen statt zur Zigarette zur Wasserpfeife und gebe bei Befragungen dann fälschlicherweise ‚Nichtraucher‘ an.

 Hotline Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung: 01805-313131 (Festnetz 14 ct/Min., Mobilfunknetz: bis zu 42 ct.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Kommentar

Exotisch. Gemütlich. Eine schöne Urlaubserinnerung. Ein gutes Gemeinschaftserlebnis. Oder einfach lecker. Das geben junge Leute an, wenn man sie fragt, warum sie Wasserpfeife rauchen. Und oft fügen sie hinzu: Ist ja nicht gefährlich. Dass diese Fehleinschätzung unter jungen Leuten verbreitet ist, ist schlimm genug. Aber dass auch viele Erwachsene diesem Irrglauben aufsitzen, macht dann doch perplex.

  • Kommentare
mehr