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Warum Schleswig-Holsteiner die Glücklichsten sind

Wie tickt Deutschland? Warum Schleswig-Holsteiner die Glücklichsten sind

Dass die Schleswig-Holsteiner glückliche Menschen sind, bestätigen Meinungsumfragen seit Jahren. Das am Montag erscheinende Buch „Wie wir Deutschen ticken“ liefert einige Anhaltspunkte dafür, warum dem so ist.

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Gut 80 Millionen Menschen leben in Deutschland. Wie sie ticken, was sie ärgert oder freut, ist in einer neuen Studie nachzulesen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Im Norden nutzt man die sprichwörtliche Gunst der Stunde: 62 Prozent der Schleswig-Holsteiner stehen vor sieben Uhr auf. Nur in Sachsen kommen noch mehr Menschen so früh aus den Federn, Hessen hingegen ist das Land der Langschläfer. 86 Prozent der Schleswig-Holsteiner versuchen, in allen Dingen die positiven Seiten zu sehen. Bundesweit geben das gerade einmal 76 Prozent als Ziel aus. Außerdem ist der Schnack hierzulande beliebt: 29 Prozent der Deutschen halten Plattdeutsch für eine überaus sympathische Mundart – knapp vor Bayerisch und weit vor Sächsisch.

 In mehr als 500 Grafiken klärt der Band „Wie wir Deutschen ticken“ über Vorlieben und Eigenarten der Bundesbürger auf. Mal bekommt der Leser Unterschiede zwischen Mann und Frau, Alt und Jung oder Ost und West verdeutlicht. Auch wenn man einiges davon schon gewusst oder zumindest geahnt hat, macht ein Stöbern in den Statistiken Spaß. Warum? Autor Christoph Drösser meint, dass sie ein grundlegendes Bedürfnis erfüllen: „Menschen lesen gern Meinungsumfragen, weil sie sich vergleichen wollen“, sagt er, „sie wollen ihre Position in der Gesellschaft bestimmen.“

 Umfragen können die Meinungsbildung aber auch beeinflussen, räumt der diplomierte Mathematiker und Chef des Ressorts Wissen bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein: „Wenn heute 63 Prozent finden, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Ehe zwischen Mann und Frau in jeder Hinsicht gleichgestellt werden sollen, dann wird das Ergebnis das verbliebene Drittel zumindest nachdenklich machen.“ Und die Politik erst recht: Regierende nehmen durch Umfragen wahr, wenn es einen Meinungsumschwung im Volk gibt – und reagieren darauf. „In Umfragen kündigen sich gesellschaftliche Umwälzungen oft an, lange bevor sie die Politik erreichen“, glaubt Drösser.

 Haben die Grünen für ihre Forderung nach einem Veggie Day im Bundestagswahlkampf 2013 noch viel Spott einstecken müssen, ermitteln Demoskopen ein wachsendes Interesse an fleischloser Kost. Auch in Drössers Buch finden viele gute Gründe, warum weniger Tier auf dem Teller besser ist. 43 Prozent finden zu viel Fleisch ungesund, 33 Prozent verweisen auf den Tierschutz, 30 auf Umweltschäden. Lediglich ein Viertel der Befragten findet, dass der Fleischkonsum nicht reduziert werden muss.

 In manchem Bereich wiederum scheint die Politik weiter als die Bevölkerung. 2010 hatte der damalige Bundespräsident Christian Wulff festgestellt, dass der Islam zu Deutschland gehört – auch fünf Jahre später schließen sich nur 16 Prozent der Bürger dieser Meinung an. Fast die Hälfte aller Deutschen meint sogar, dass der Islam und die Demokratie nicht miteinander vereinbar sind.

 Neben diesen ernsten Themen enthält der Band viele Punkte, die banaler sind. So geben 38 Prozent zu, ab und an ins Meer oder in den Badeteich zu pinkeln. Der Leser erfährt, dass sich 77 Prozent der Befragten vor Maden im Fleisch, aber auch acht Prozent vor Edelschimmelkäse ekeln. Und immerhin 80 Prozent goutieren nicht, wenn der vorherige Toilettenbenutzer zu spülen vergaß. Gerne wird gescherzt, die Republik habe 80 Millionen Bundestrainer. Drössers Buch relativiert diese These erheblich. Gerade einmal sechs Prozent der Deutschen wollen eine Mannschaft trainieren. Recht beliebt ist dagegen der Job von Oliver Bierhoff: 22 Prozent wären gerne Fußball-Manager.

 Manchmal ist der Ansatz der Fragen durchaus eigenwillig: Das fällt etwa bei der „Landkarte der Leseratten“ auf. „Wie viele Menschen haben im letzten halben Jahr sieben oder mehr Bücher gelesen?“ Beim Spitzenreiter Schleswig-Holstein können das immerhin 34 Prozent bejahen. Brandenburg mit 13 Prozent ist Schlusslicht.

 Bei der Auswahl Fragen hat sich Drösser vom eigenen Interesse leiten lassen. „Trotz aller Subjektivität ist ein Buch herausgekommen, das nicht nur Unterhaltung ist“, betont er im Vorwort. „Es ist eine fast schon soziologische Annäherung an die Deutschen im Jahr 2015.“

 Und eine streng repräsentative: Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hat für die 555 Grafiken zwischen September 2014 bis April 2015 jeweils 48,5 Prozent Männer und 51,5 Prozent Frauen befragt – entsprechend ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung. 40,7 Prozent der Befragten waren älter als 54 Jahre, 9,2 Prozent zwischen 18 und 24 Jahren. Auch die regionale Herkunft und die Parteienpräferenz sind eins zu eins wiedergegeben.

 Welchen konkreten Erkenntnisgewinn bietet das Buch? Schwer zu sagen. Jeder Leser wird eigene Schlüsse ziehen. Zumindest beweist es aber, dass Meinungsforschung mehr ist als trockenes Datenmaterial, endlose Zahlenkolonnen und dröge Statistiken. Ansehnlich aufbereitet kann sie Missstände in denkwürdige Relationen setzen: Bei vier Prozent der Deutschen arbeitet eine Haushaltshilfe, die dem Fiskus gemeldet ist – und bei drei Prozent eine, die es nicht ist. Während 91 von 100 Frauen finden, dass sich beide Geschlechter die Hausarbeit teilen sollten, unterschreiben nur 86 Männer den Satz. Kein Wunder, dass da 24 Prozent der Frauen sagen: „Manchmal wäre ich gern vom anderen Geschlecht“.

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Holger Geißlers Team hat die Daten erhoben.

Optimistisch, ruhig und treu – so lassen sich die Norddeutschen beschreiben. Damit unterscheiden sie sich vom Rest des Landes, sagt Holger Geißler, Diplom-Psychologe und Vorstand des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGov.

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