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Warum musste Snatch sterben?

Aufruhr in Boksee Warum musste Snatch sterben?

Der Tod eines jungen Hundes sorgt für Empörung in Boksee. Ein Jäger in der 500-Seelen-Gemeinde im Kreis Plön hat das angeblich wildernde Tier am vergangenen Wochenende erschossen. Die Besitzer widersprechen den Aussagen des Schützen energisch. Im Internet wird der 36-Jährige seither massiv angefeindet, im Ort kursiert eine Unterschriftenliste gegen ihn. Nach mehreren Strafanzeigen ermittelt jetzt die Polizei.

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Der Tod von Doggen-Mischling Snatch aus Boksee beschäftigt jetzt die Behörden. Der Kadaver des elf Monate alten Tieres wird in einem Labor in Neumünster untersucht.

Quelle: hfr

Boksee. „Ich kann kaum noch schlafen, ich vermisse unseren Snatch so sehr.“ Carmen Ritchie hat in den vergangenen Tagen viele Tränen vergossen. Wie schwer die 35-Jährige die Ereignisse seelisch belasten, ist der Pferdewirtin anzusehen. „Ich weiß nicht, warum er das getan hat“, sagt die junge Mutter.

 Er ist ein Nachbar – einst ein guter Bekannter, mit dem sie zusammen in der kleinen Gemeinde vor den Toren Kiels aufgewachsen ist, zusammen auf Dorffesten feierte, den man beinahe täglich im Ort grüßte. Warum er ihren jungen Hund – „Das war fast noch ein Welpe, so tapsig“ – erschossen hat, weiß sie nicht.

 Der folgenschwere Zwischenfall ereignete sich vor acht Tagen gegen 20.30 Uhr. „Snatch tollte über die Koppel hinter unserem Hof, spielte an einem angrenzenden Maisfeld“, berichtet Carmen Ritchie. Ihr Mann sei hinter die Pferdestallungen gegangen, um nach dem Hund zu pfeifen. „Wie immer“, sagt Andrew Ritchie. „So auch an dem Sonntag.“

 Nur Augenblicke nach dem Pfiff knallt es plötzlich. Ein Schuss. Dann das Schmerzensgeheule eines Hundes, das nicht nur die Ritchies hören, sondern das auch mehrere Nachbarn entlang der Dorfstraße aufschreckt. „Wir haben das Schlimmste befürchtet, suchten mit Freunden nach unserem jungen Hund“, berichtet der 49-Jährige. Auch bei dem örtlichen Jäger fragten die Ritchies nach. „Der leugnete jedoch die Erschießung. Der Schuss habe einem Rehbock gegolten“, sagt Ritchie.

 Bis Montagmorgen habe das Paar nach Snatch gesucht. „Eine Zeugin, die auch den Schuss und das Heulen des Hundes gehört hatte, berichtete uns dann, dass sie beobachtet habe, wie der Jäger kurz nach dem Vorfall mit hoher Geschwindigkeit mit seinem Fahrzeug weggefahren sei“, berichtet Carmen Ritchie. Erst nachdem das Paar die Polizei einschaltete, habe der Schütze die Tötung des Hundes eingeräumt. Den Kadaver hatte er fünf Kilometer entfernt in einem Moorgebiet bei Havighorst vergraben. „Erst nachdem wir massiven Druck machten, zeigte er einem Bekannten von uns, wo unser Snatch lag“, sagt die 35-Jährige. Der Hund habe noch immer das Halsband mit der Telefonnummer der Besitzer getragen.

 Der Jäger will sich auf Nachfrage nicht äußern, warnt nur davor, „etwas Falsches zu schreiben“, und verweist auf seine Aussage bei der Polizei. Dort hat der Beschuldigte, gegen den die Familie Ritchie Strafanzeige erstattet hat, zu Protokoll gegeben, den Hund bereits zum dritten Mal beim Wildern beobachtet zu haben. An dem Sonntag habe das Tier ein Reh gehetzt. „Den Hund habe er nicht als Eigentum der Familie zuordnen können. Entgegen den Aussagen der Halterin habe der Hund sich weiter als 30 Meter vom Haus entfernt befunden“, berichtet Matthias Arends von der Polizei in Kiel. Warum der Jäger die Tötung des Hundes gegenüber den Besitzern zunächst leugnete und weshalb er stattdessen den Kadaver Kilometer entfernt vergraben hat, kann der Polizeisprecher nicht beantworten.

 Eine Frage, die auch Andreas Schober vom Landesjagdverband beschäftigt. Selbst wenn der Hund gewildert habe: „Die Tötung muss gemeldet und der Kadaver ordnungsgemäß in eine Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht werden“, sagt der Geschäftsführer. Schober regt an, dass sich die Untere Jagdbehörde des Kreises Plön des Falles annehmen solle.

 Außer der Anzeige der Familie muss die Polizei zwei weitere Verfahren bearbeiten: Unbekannte haben ein Fenster am Haus des Jägers eingeworfen. Überdies erstattete der 36-Jährige nach einer Ohrfeige Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen Carmen Ritchie.

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Foto: Der Tod von Doggen-Mischling Snatch aus Boksee beschäftigt jetzt die Behörden.

Der Tod eines jungen Hundes in Boksee wird jetzt ein Fall für die Behörden. Der Kreis Plön hat sich in die Untersuchungen eingeschaltet. Der Jäger, der das angeblich wildernde Tier erschossen hatte, bekommt derweil Rückendeckung aus den eigenen Reihen. Im Internet entlädt sich die Wut von Tierschützern.

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