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Milde Strafe für Tankstellenraub

Selent Milde Strafe für Tankstellenraub

Fünf Männer waren an dem bewaffneten Überfall im Dezember 2010 auf eine Tankstelle in Selent (Kreis Plön) beteiligt, bei dem eine Mitarbeiterin am Kopf verletzt wurde. Drei Angeklagte mussten sich am Dienstag vor dem Kieler Landgericht wegen schweren Raubes verantworten.

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Der Überfall hätte sich im Fall einer Verurteilung in der Gesamtstrafe nur geringfügig bemerkbar gemacht, hieß es im Landgericht.

Kiel/Selent. Zwei von ihnen verbüßen derzeit wegen Totschlags langjährige Haftstrafen: Wenige Wochen nach dem Tankstellenüberfall hatten ein Iraker (36) und sein Schwager (36) gemeinsam mit drei weiteren Familienmitgliedern vor einer Bäckerei in Kiel-Gaarden einen Nebenbuhler mit zahlreichen Messerstichen getötet. Zeugen sprachen damals von einer „Hinrichtung“. Der gewaltsame Tod von Ali O. (27) am 7. Januar 2011 machte als „Ehrenmord“ Schlagzeilen.

Alle fünf Messerstecher waren im März 2012 nach sechsmonatigem Prozess wegen Totschlags verurteilt worden. 14 Jahre Haft verhängte das Landgericht gegen den Iraker, 12 Jahre gegen den Schwager. Die beiden sollen sich bei dem Überfall auf die Tankstelle im Hintergrund gehalten haben. Der eine stand Schmiere, der andere saß am Steuer eines der beiden Fluchtwagen.

Im Hinblick auf ihre hohen Haftstrafen stellte die 1. Große Strafkammer das Raubverfahren gegen die beiden im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft ein. Der Überfall hätte sich im Fall einer Verurteilung in der Gesamtstrafe nur geringfügig bemerkbar gemacht, hieß es. So sparte man sich eine umfangreiche Beweisaufnahme. Ursprünglich hatte die Kammer drei Sitzungstage eingeplant.

Mit einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung ging die Sache auch für einen deutschen Mittäter (33) glimpflich aus. Die am Dienstag als Zeugin vernommene Tankstellenmitarbeiterin (47) war fassungslos, als sie bemerkte, dass sie den in Selent aufgewachsenen Angeklagten kannte. Er war mit ihrem jüngeren Bruder zur Schule gegangen.

Offenbar drückte den Selenter jedoch bald das Gewissen. Nachdem er zunächst versuchte, einem der Messerstecher ein falsches Alibi für die Tötung von Ali O. zu liefern, machte er reinen Tisch. Bei der Polizei gestand er von sich aus den Überfall und benannte seine Komplizen. „Sonst wäre die Tat vielleicht nie aufgeklärt worden“, begründete der Vorsitzende das milde Urteil.

Ein vierter Täter wurde bereits nach Jugendrecht verurteilt. Untergetaucht ist der fünfte, der die Kassiererin durch einen Schlag mit der Schreckschusspistole auf den Kopf verletzte. Die Zeugin erlitt eine blutende Platzwunde. Beherzt hatte sie zu einer Sprühdose mit Reizgas gegriffen, als die drei Maskierten den Verkaufsraum betraten. Sie erbeuteten 400 Euro.

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