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Nach Brandserie in Ahrensburg „Mit einem Test erkennt man noch keinen Täter“

Immer wieder sorgen Feuerwehrleute als Brandstifter für Schlagzeilen. Doch ist der Anteil von Feuerwehrleuten unter Brandstiftern wirklich so hoch? Können sich Feuerwehren gegen zündelnde Kameraden in den eigenen Reihen schützen? Der Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes, Holger Bauer, rückt das Bild zurecht.

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Immer wieder sorgen Feuerwehrleute als Brandstifter für Schlagzeilen.

Quelle: RTN

Ahrensburg/Kiel. KN-online: Wie geht der Landesfeuerwehrverband mit einer Situation wie in Ahrensburg und Ahrensfelde um?

Für uns als Landesfeuerwehrverband ist so ein Fall natürlich eine Katastrophe, die auch die mühevolle Arbeit der Nachwuchsarbeit schwer schädigt. Gerade erst haben wir durch Erfolge bei der Jugendarbeit eine Trendwende erreicht und wieder steigende Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Da passen solche Fälle wie in Ahrensburg überhaupt nicht ins Bild. Unter dem Strich hat die Feuerwehr aber ein sehr gutes Image in der Bevölkerung.

2014 gab es 19.214 Fälle von Brandstiftung in Deutschland. In Schleswig-Holstein waren es über 400. Knapp 49.000 Mitglieder helfen in den rund 1371 freiwilligen Feuerwehren mit. Wie hoch ist die Zahl der Tatverdächtigen aus den Reihen der Feuerwehr?

Jeder Fall ist natürlich ein Fall zu viel. Im Schnitt sind es in Schleswig-Holstein ein bis zwei Fälle im Jahr bei unseren Wehren. Das ist gemessen an der Zahl der Taten und auch an der Zahl unserer Mitglieder natürlich sehr gering. Die öffentliche Wahrnehmung ist aber bei einem Tatverdächtigen aus den Reihen der Feuerwehr eine ganz andere, da natürlich bestimmte Klischees bedient werden. Tatsächlich ist die Zahl der Feuerwehrleute unter den Brandstiftern verschwindend gering.

Holger Bauer, Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes, im Interview. Foto: Landesfeuerwehrverband

Quelle:

Kann sich eine Freiwillige Feuerwehr bei der Aufnahme der Mitglieder gegen schwarze Schafe schützen. Etwa durch Aufnahmeprüfungen und psychologische Tests?

Bei der Aufnahme von Mitgliedern für die ehrenamtliche Tätigkeit in einer Feuerwehr müssen wir den Menschen Vertrauen entgegenbringen. Wenn wir neue Mitglieder mit Misstrauen begrüßen, wäre das auch bei der Nachwuchswerbung kontraproduktiv. Das gilt auch für psychologische Tests, so etwas wollen wir nicht. Mit so einem Test erkennt man auch keinen Brandstifter. Wir wollen nicht jeden Bewerber vor dem Einstieg unter Generalverdacht stellen.

Wo liegen dann die Möglichkeiten einer Wehrführung, möglichst frühzeitig einen Brandstifter in den eigenen Reihen zu erkennen?

Der einzige Weg ist das Arbeiten im Team. Wenn man heute eine Freiwillige Feuerwehr führt, ist das durchaus vergleichbar mit einem mittelständischen Unternehmen. Wir setzen dabei auf die Führung der Mitglieder. Die Führungskräfte müssen auch ein gehöriges Maß an Qualität der Menschenführung mitbringen. Dann lassen sich auch möglicherweise bereits frühzeitig Auffälligkeiten bei Mitgliedern erkennen.

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Ahrensburger Serie
Foto: Vom Herbst 2013 (Foto) bis Ende 2014 sorgten mehrere Großbrände rund um Ahrensburg für Unruhe. Meist brannten Strohlager, Kleingärten oder Carports.

Das Amtsgericht Ahrensburg hat zwei junge Männer wegen Brandstiftungen zu Haftstrafen verurteilt. Ein 17 Jahre alter Angeklagter wurde unter Einbeziehung von zwei früheren Rechtsprechungen mit einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung belegt, sein 20 Jahre alter Mittäter mit einer Haftstrafe von zwei Jahren, teilte das Gericht am Montag mit.

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