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Jeder Zweite möchte Abitur machen

100 Gymnasien Jeder Zweite möchte Abitur machen

In Schleswig-Holstein machen sich immer mehr Schüler auf den Weg zum Abitur. Wie Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auf einer Veranstaltung des Philologenverbandes in Rendsburg berichtete, besuchen derzeit rund 45650 Schüler eine Oberstufe. Das sind gut 8500 Schüler (23,3 Prozent) mehr als vor sechs Jahren.

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Für Schulranzen, Bücher und Klassenfahrten geben Eltern je Schüler im Jahresschnitt fast 1000 Euro aus – und das immer häufiger bis zum Abitur. Inzwischen besucht in Schleswig-Holstein mehr als die Hälfte eines Jahrgangs die Oberstufe eines Gymnasiums, eines beruflichen Gymnasiums oder einer Gemeinschaftsschule.

Quelle: Frank Peter

Rendsburg. Inzwischen möchte mehr als die Hälfte eines Jahrgangs Abi machen.

„Schleswig-Holstein erlebt eine Bildungsexpansion“, sagte Ernst. Ein Ende des Trends zum Abitur sei nicht in Sicht. „Das wird noch eine Weile weitergehen.“ Vom verstärkten Drang zum Abi profitieren auch die 100 Gymnasien, die vor Jahren noch über Schülerschwund klagten. An ihren Oberstufen lernen heute 27300 Schüler (plus 3500). Auch die Beruflichen Gymnasien (9950 Schüler, plus 1000) konnten zulegen. Größter Gewinner sind allerdings die Gemeinschaftsschulen, von denen mittlerweile 42 eine Oberstufe haben. Dort bereiten sich 8400 Schüler aufs Abi vor, 4000 mehr als im Schuljahr 2010/11.

 Ernst ließ in Rendsburg vor den Leitern von gut 20 Gymnasien keinen Zweifel daran, dass der Aufbau von Oberstufen an Gemeinschaftsschulen richtig gewesen sei. Schützenhilfe bekam sie aus den Regierungsfraktionen. Anke Erdmann (Grüne) betonte, dass der vom Philologenverband befürchtete „Kannibalismus“ zu Lasten der Gymnasien ausgeblieben sei. Martin Habersaat (SPD) stellte vorsichtshalber klar, das die Einrichtung neuer Oberstufen an Gemeinschaftsschulen nahezu abgeschlossen sei. „Da haben wir den Deckel erreicht.“ Fakt ist, dass die Regierung 17 neue Oberstufen geschaffen hat, darunter einige sehr kleine etwa in Bordesholm oder Nortorf. Derzeit liegt dem Ministerium nur noch ein Oberstufen-Antrag aus Geesthacht vor.

 Die Ministerin bekannte sich in Rendsburg zum Zwei-Säulen-Modell aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule und räumte weitere Kritikpunkte ab. Die Abschaffung der fragwürdigen Schulart-Empfehlung (Klasse vier) habe Vorteile, eine Rückkehr der Gymnasien zum Abi nach neun Jahren (G9) mache keinen Sinn und gefährde den Schulfrieden. Punkten konnte Ernst mit der nochmals verbesserten Unterrichtsversorgung. Sie liegt an den Gymnasien inzwischen bei 99 Prozent.

 Ein Haken: Das Land hat so viele neue Lehrerstellen geschaffen, dass es am nötigen Nachwuchs mangelt. „Wir haben zunehmend Probleme, freie Stellen qualifiziert zu besetzen“, sagte der Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Oberstudiendirektoren im Philologenverband, Hans-Walter Thee, der das Gymnasium Brunsbüttel leitet. Ernst hielt dagegen. „Wir haben keinen allgemeinen Mangel an Lehrern, sondern nur Lücken in bestimmten Regionen und Fächern.“ Ein anderes „heißes Eisen“, die Arbeitsbelastung der Gymnasiallehrer, ließ die Ministerin links liegen. „Das habe ich im Moment nicht auf der Tagesordnung.“ Die Schulleiter verabschiedeten Ernst mit höflichem Beifall.

 Am Rande der Veranstaltung kündigte Ernst an, Gespräche mit den Elternvertretungen im Land über die „Bildungskosten“ zu führen. Wie berichtet hatte das Kieler Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) ermittelt, dass Eltern für ein Schulkind im Schnitt knapp 1000 Euro im Jahr ausgeben. Ein Drittel davon geht allein für Fahrtkosten, Schulessen und Nachmittagsbetreuung drauf. Hinzu kommen etwa Ranzen, Hefte, Turnschuhe sowie Klassenfahrten und Nachhilfe. Sie wird von 15 Prozent der Schüler genutzt – für im Schnitt 640 Euro im Jahr.

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Kommentar

Schulministerin Britta Ernst hat sich in die Höhle des Löwen gewagt und auf der Veranstaltung des Philologenverbandes am Ende freundlichen Beifall erhalten. Mehr kann eine rote Schulministerium bei der schwarz-gelben Gewerkschaft der Gymnasiallehrer kaum erreichen.

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