9 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
28 Mal auf das Opfer eingestochen

Urteil: Freiheitsstrafe 28 Mal auf das Opfer eingestochen

Wegen Totschlags hat die Schwurgerichtskammer des Kieler Landgerichts am Mittwoch einen 45-jährigen Mann aus Rendsburg zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 28 Mal hatte der Angeklagte auf sein gleichaltriges Opfer eingestochen, mit dem er am 6. November 2015 bei einem Trinkgelag in Streit geraten war.

Voriger Artikel
Sporendonk freut sich über Kursschwenk
Nächster Artikel
Travemünde im Tauffieber

Wegen Totschlags hat die Schwurgerichtskammer des Kieler Landgerichts am Mittwoch einen 45-jährigen Mann aus Rendsburg zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Quelle: dpa/Symbolbild

Kiel. Der Streit und die anschließende Tat ereigneten sich in der Wohnung eines Nachbarn. Der Grund für die Auseinandersetzung und den tödlichen Wutausbruch des Täters blieb im Dunkeln, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann in der knapp anderthalbstündigen Urteilsbegründung. Erst am Ende des viertägigen Prozesses hatte sich der vielfach wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte doch noch zur Sache eingelassen.

Sein Gegner sei immer lauter geworden und habe ihn genervt, erklärte der Angeklagte, der seit seiner frühen Jugend drogenabhängig ist, aber zuvor nicht wegen Gewalt auffällig geworden war. Er habe seinem Bekannten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Blutspuren des Opfers an seiner Kleidung führte der Mann später auf „Nasenbluten“ zurück. Doch gerade die Nase wies laut dem Urteil keine offene Verletzung auf.

Der Gastgeber und einzige Augenzeuge hatte den Namen des Täters vor der Polizei zunächst aus Angst verschwiegen. „Halt´s Maul, sonst bist du auch dran“, hatte der Angeklagte ihm gedroht. Später verplapperte sich der Zeuge. Als er kurz nach 14 Uhr die Wohnung verließ, um die Polizei zu alarmieren, wirkte der mit bis zu 2,7 Promille alkoholisierte Angeklagte weiter mit Fußtritten und Stichen auf das am Boden liegende Opfer ein, so das Urteil. Der ebenfalls alkoholisierte Getötete (1,9 Promille) erlag am Folgetag seinen schwersten Kopfverletzungen. Eine Notoperation in der Klinik konnte sein Leben nicht mehr retten. Dort hatten die Ärzte ihm noch vergeblich einen großen Teil der Schädeldecke entfernt, um den Druck einer lebensbedrohlichen Hirnblutung zu lindern.

Zwei Schwestern des Getöteten traten als Nebenklägerinnen auf. Während die beiden schwarz gekleideten Frauen mit spürbarer Betroffenheit den Prozess verfolgten, ließ der kräftige, rotblonde Mann die Urteilsbegründung ohne erkennbare Regung über sich ergehen. Zu weiteren zweieinhalb Jahren Haft wurde er wegen besonders schweren räuberischen Diebstahls verurteilt: Zweimal war er im Supermarkt beim Mitnehmen von Spirituosen auf frischer Tat ertappt und verfolgt worden. Einen Marktleiter bedrohte er mit erhobener Wodkaflasche.

Nach Verbüßung von dreieinhalb Jahren soll der Angeklagte laut Urteil aus der JVA in eine geschlossene Entziehungsanstalt wechseln. Von dort könne er im günstigsten Fall nach weiteren zwei Jahren Therapie entlassen werden. Das Gericht zeigte sich aber skeptisch: Der Angeklagte nahm seit früher Jugend harte Drogen, wechselte später zu Alkohol. In Verbindung mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung konnte die Kammer eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten nicht ausschließen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3