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Der Sport von seiner besten Seite

Sportlehrertag in SH Der Sport von seiner besten Seite

Beim Sportlehrer-Tag in Kiel konnten die Pädagogen einzelne Sportarten auf ihre Schultauglichkeit prüfen.

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Der Mannschaftssport Kin-Ball, mit einem riesigen Ball von 1,20 Meter Durchmesser, hatte besonders großen Zulauf bei den Sportlehrern.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Wir stellen uns mal bitte im Kreis auf – und nun hakeln sich alle bei ihren Nachbarn ein.“ Dienstagvormittag, die Turnhalle im Sportforum der Kieler Uni: Torsten Cordts, ein kurzer, bestimmt sehr starker Mann dirigiert zwei Dutzend Sportlehrer-Kollegen.

Sein Fortbildungsangebot: „Vom Ringen und Raufen zum Judo“. Der Stoff: schultauglich für alle Schüler ab elf Jahren, im Pädagogensprech: „Sek I + II, alle Schularten“. Im Kreis steht kräftig neben elfenhaft, jünger neben älter, lang neben kurz – untergehakt müssen sie aufeinander zu und wieder auseinander gehen. Der Kreis schrumpft und dehnt sich. Die Ersten lachen schon. Dann Distanz: Jeder muss einzeln sockfuß auf der Matte wandeln. „Begegnet uns jemand, weichen wir aus, nach links“, ruft Cordts. Dann nach rechts. „Aber mutig aufeinander zugehen!“ Es folgen Begegnungen mit Händeschütteln, mit Füßegeben, mit Abklatschen, mit Schulterklopfen, „Gesäßhälften berühren sich – flüchtig!“, und beim kurzen gegenseitigen Anheben hilft der Schwere dem Leichten eben mit einem Hüpfer.

Das schöne Beispiel, das dieses eine von insgesamt 33 Angeboten des 24. Sportlehrertages im Sportforum gab, wirkte auf alle, die von der Empore aus zusahen, wie ein Idealfall von 90 Minuten Sportunterricht: Intrinsisch hoch motivierte Gruppe trainiert unter freundlich bestimmter Anleitung fast spielerisch, aber körperlich anspruchsvoll in gut gerüsteter, heiler Halle Teamgeist, Interaktion und Respekt ein. Alles klappte, nichts und niemand störte. Wer zusah, hätte ein Loblied auf den Sport singen können, weil dieser spürbar Bewegungsfreude weckte und einem angeborenen Bedürfnis Raum und Form gab. „Im Schulalltag muss man sehen, welche einzelnen Übungen zu welcher Schülergruppe passen“, meinte Zuschauerin Carola Pilz, Sportlehrerin an der Kieler Theodor-Storm-Schule. „Umso wichtiger, dass es Fortbildungen wie diese gibt, an denen man sich die Bedeutung von Sport und Bewegung ins Gedächtnis ruft.“

Pilz war eine von 450 Sportpädagogen, die am Dienstag das weitläufige Sportforum dominierten. Es sind Semesterferien. In den Vorjahren seien mehr Teilnehmer gekommen, Schulleiter gäben heute weniger Fachkräfte frei, meinte Achim Rix, Vorsitzender des Sportlehrerverbandes (DSLV) Schleswig-Holstein, der in Kooperation mit dem Lehrerausbildungsinstitut IQSH auch den 24. Sportlehrertag organisiert hatte. Kin-Ball, Spielformen im Schulvolleyball, differenziertes Training im Volleyball, Stand-up-Paddling, Bouldern als niedrigschwelliger Unterricht, Seilspringen, das Schulsport-Projekt Skipping Hearts der Deutschen Herzstiftung, das aus Gummitwist entwickelte Gambol Jump, Rope Skipping, Speed Badminton, Bewegungstheater, Kickball, Krav Maga für Kids, ein System der Selbstverteidigung, oder Floorball-Spiel mit Inklusionsansatz – in allen Hallen und auch draußen, auf den Rasenflächen, wo es nach Grasschnitt und Kiefernharz roch, im Stadion und auf der teilbegrünten Wasserfläche, sah man Lehrer lernen.

Das Lehrplanziel in SH

Die von Achim Rix moderierte Podiumsdiskussion zum „Schwimmunterricht“ und der Divergenz von Anspruch und Realität hätte größere Resonanz verdient, aber nur zehn Zuhörer kamen. „20000 Kinder pro Jahr in Schleswig-Holstein und etwa 6000 ausgegebene Schwimmabzeichen im vergangenen Jahr – was ist mit den anderen 14000?“, fragte Steffen Weber, Präsident des Landesschwimmverbandes. DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen unterstrich den Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl ertrunkener Kinder, der abnehmenden Zahl von Anfängerschwimmausbildungen und der Verfügbarkeit von Schwimmstätten. Es ärgere ihn sehr, sagte Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken, „dass in das beheizte Freibad Katzheide keine Schule geht, und dass auch keine Schule die Meerwasserschwimmbäder Düsternbrook und Holtenau zur Kenntnis nimmt. Wir reden nur noch über überdachte Hallen.“ Neubauten aber, wie das für 26 Millionen Euro an der Hörn entstehende Schwimmbad (Eröffnung: Ende 2018), würden Ausnahmen bleiben. Parallel würden Lessinghalle und Gaardener Halle „vom Netz gehen, die Schilkseer Halle werden wir noch sanieren können", und das Eiderbad in Hammer, allerdings unbeheizt, werde mit einem Stahlbecken ertüchtigt. Er sei ja schon froh, wenn vorhandene Schwimmbäder erhalten bleiben.

Lehrplanziel in Schleswig-Holstein ist, dass jedes Kind spätestens am Ende der 6. Klasse mindestens das Schwimmabzeichen in Bronze erworben hat. Nicht erfüllt wird bisher die gemeinsame Forderung von DSLV und IQSH-Landesfachberater Sport, Manhard Miehlke, jeweils mindestens ein halbes Jahr Schwimmunterricht in Grundschule, 5./6. und 8./9. Klasse zu erteilen. „Wir brauchen mehr qualifizierte Lehrkräfte in der Grundschule und eine höhere Akzeptanz der Schulleitungen für Schwimmunterricht“, sagte Holger Bull, Leiter des IQSH-Schwimmausbildungsteams. Michael Tholund, im Ministerium für Schule und Berufsbildung Schleswig-Holstein für die Lehrkräfteausbildung zuständig, erklärte, eine Schwimmlehrbefähigung in Kombination mit Rettungsfähigkeit und deren Erhalt sei für eine Sportlehrerausbildung unabdingbar, aber nicht in allen Bundesländern so reguliert. „In Schleswig-Holstein sind wir da wirklich gut aufgestellt", erklärte Manhard Miehlke, „die Hochschulen verabschieden nur examinierte Lehrkräfte mit Schwimmlehrbefähigung, und halbjährlich finden die Kurse zum Erhalt der Rettungsfähigkeit statt." Die zweimal im Jahr abgehaltenen Schwimmlehrbefähigungskurse, eigentlich gedacht für fachfremde Kollegen, also Lehrer ohne Sportstudium, seien, auch wegen in anderen Bundesländern ausgebildeter Sportlehrer, „rappeldicke voll und schnell ausgebucht".

„Für uns muss wichtiger als irgendein Schwimmabzeichen sein, dass Kinder sich angstfrei im Wasser fortbewegen können“, sagte Holger Bull. In Lübeck kämen mehrere Kitas in die Schwimmhallen der Hansestadt „und machen eine Wassergewöhnung, damit in den dritten Klassen das Erlernen einer Schwimmtechnik beginnen kann. Bei uns fahren alle 32 Grundschulen zum Schwimmunterricht. Und wir haben eine Kooperation mit der DLRG, sodass die DAZ-Klassen morgens versorgt werden." Die Möglichkeiten seien also da, meinte Bull, und betonte: „Schwimmen ist Bildung, und gebildet ist, wer lesen und schwimmen kann." 

Wie weit Anspruch und Notwendigkeit auf der einen und Wirklichkeit auf der anderen Seite auseinanderklaffen, dokumentierte das Sportforum selbst. Weil das Becken wegen Revision und Reparatur geschlossen war, musste sogar der Sportlehrertag ohne Schwimmen auskommen. „Mich ärgert sehr, dass die Uni sich den Luxus erlaubt und hier für zwei, drei Monate das Wasser herausnimmt“, erklärte Gerwin Stöcken.

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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