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Hat er die Kinder einfach mitgenommen?

53-Jähriger steht vor Gericht Hat er die Kinder einfach mitgenommen?

Wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in neun teilweise schweren Fällen muss sich ein 53-Jähriger aus Hohenwestedt seit Montag vor dem Kieler Landgericht verantworten.

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Wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in neun teilweise schweren Fällen muss sich ein 53-Jähriger aus Hohenwestedt seit Montag vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Quelle: Malte Christians (dpa/ Archiv)

Kiel/Hohenwestedt. Der Angeklagte soll den zwölfjährigen Jungen und seine beiden Schwestern (7 und 10) auf der Straße angesprochen und mit nach Hause genommen haben. Harmlos und freundlich wirkt der Angeklagte mit dem grauen Rauschebart, der wegen mangelnder intellektueller Fähigkeiten einen Betreuer hat. Ein unbeschriebenes Blatt ist er nicht: Fast auf den Tag genau vor sieben Jahren stand er unter Mordverdacht vor dem Kieler Schwurgericht. Der damalige Mitarbeiter einer Behindertenwerkstatt hatte erklärt, mehr als 20 Jahre zuvor – im Sommer 1989 – seine Freundin Martina M. (25) erwürgt zu haben. Nach zweimonatiger Verhandlung wurde der Angeklagte auch auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigesprochen. Begründung: Das Geständnis, das er bei der Polizei abgelegt hatte, war offenbar suggestiv beeinflusst.

Zweifel an den Darstellungen

Am Ende zweifelten alle Beteiligten an seiner Darstellung, er habe einst die ihm lästig gewordene Freundin beim Geschlechtsverkehr auf einer Wiese bei Fockbek erwürgt. Anschließend wollte er die Leiche im nahegelegenen Moor versenkt haben. Martina M. war zuletzt beim Verlassen ihres Arbeitsplatzes mit dem Fahrrad lebend gesehen worden. Ihre sterblichen Überreste wurden nie gefunden. Für den ersten Prozess 2009 hatte das Gericht zwei psychologische Gutachter bestellt. Sie sollten die Zurechnungsfähigkeit des gebürtigen Rendsburgers prüfen. Auch diesmal steht seine Schuldfähigkeit zur Debatte. Als Sexualstraftäter fiel er zuvor nicht auf. Erstmals im Dezember 2015 soll er den Zwölfjährigen angesprochen und in seiner Wohnung unsittlich berührt haben.

„Komm mal her!“, befahl er laut Anklage dem Jungen, als er ihm im Mai 2016 zufällig mittags an der Kirche begegnete. An Ort und Stelle soll er ihn befummelt und fünf Euro für sein Schweigen versprochen haben. Zu intensiveren und schmerzhaften Übergriffen soll es gekommen sein, als das Kind seine Schwestern mit zum Angeklagten nahm. Trotzdem sollen die durch Drohungen zum Schweigen angehaltenen Kinder ihn über Monate hinweg immer wieder besucht haben.

"Der Angeklagte schweigt"

Im Mai 2016 folgte die Festnahme. Seitdem sitzt der 53-Jährige in U-Haft. Im Fall einer Verurteilung käme auch eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie in Betracht. „Der Angeklagte schweigt“, teilte sein Strafverteidiger Peer-Olaf Buck am Montag mit. Am nächsten von neun geplanten Prozesstagen will die 36. Hilfsstrafkammer eine Kripobeamtin als Zeugin hören. Und eine Videovernehmung ansehen: Aus der Brüchigkeit des Mordgeständnisses, das der Angeklagte 2009 nach monatelangen Vorgesprächen mit einem verdeckten Ermittler abgelegt hatte, zog die Polizei Konsequenzen: Diesmal vernahm sie ihn vor laufender Kamera.

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