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Autopilot-Modus: Zurücklehnen und rollen lassen

ADAC-Verkehrsforum Autopilot-Modus: Zurücklehnen und rollen lassen

Das ADAC-Verkehrsforum, das am Donnerstag in Neumünster stattfand, warf einen Blick in die automobile Zukunft. Die Diskussionen der rund 150 Teilnehmer in den Holstenhallen drehten sich dabei vor allem um rechtliche Aspekte wie etwa die Haftungsfrage.

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Computergestützte Systeme können Fahrzeuge in der Spur halten und auch die Zahl der Auffahrunfälle deutlich reduzieren: Ein Testfahrer demonstriert das automatische Bremsen während des ADAC-Verkehrsforums in Neumünster mit einem Reisebus.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Neumünster. Sich entspannt zurücklehnen und die Landschaft an sich vorbei ziehen lassen – bei einer Reise mit dem Zug ist das möglich. Wer jedoch auf der Autobahn oder innerorts mit dem eigenen Wagen unterwegs ist, muss in jeder Sekunde hellwach sein und sich konzentrieren. Noch. Denn wenn man den Ankündigungen der Automobilindustrie glaubt, sind vollkommen autonom fahrende Fahrzeuge in einem guten Jahrzehnt fast schon gang und gäbe.

 Im vergangenen Jahr zählte die Polizei nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 2,5 Millionen Verkehrsunfälle – 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Verkehrstoten stieg abermals an. Moderne Technik, das steht für den ADAC fest, kann das Autofahren sicherer machen. „Das ist ein positiver Ausblick“, sagte Ulrich Klaus Becker, Vorsitzender des Automobilclubs in Schleswig-Holstein. Die Zahl der Unfälle durch Computersystem auf null senken zu können, sei zwar illusorisch. Aber so wie sich durch Gurte und Airbags der Schutz der Fahrzeuginsassen in den zurückliegenden Jahrzehnten stetig erhöht habe, trügen Notbremsassistenten inzwischen dazu bei, Auffahrunfälle zu vermeiden. „Künftige Systeme werden auch Gefahren im Quer- und Gegenverkehr erkennen und entschärfen können“, hofft die Autofahrer-Lobby.

 Auf dem Außengelände demonstrierten verschiedene Hersteller, was heute schon möglich ist. So kann etwa der Fahrer des neuesten 7er-BMWs seinen Wagen ferngesteuert in schmalste Parklücken bugsieren – selbst ist er zuvor ganz komfortabel auf der Straße ausgestiegen. Und auch selbstständig fahren kann das Auto, dessen Einstandspreis bei 82600 Euro liegt. Welche Gefahren jedoch aus der Technik erwachsen, verdeutlichte ein Unfall, der sich bereits am Mittwochnachmittag auf der A24 in Höhe des Rastplatzes Gudow ereignete: Ein Elektrofahrzeug der Marke Tesla war im Autopilot-Modus auf einen dänischen Bus aufgefahren, als der nach dem Überholen auf die rechte Spur zurückkehren wollte. Der 50-jährige Fahrer aus Brandenburg will die Hände nicht vom Steuer genommen haben. Warum der Autopilot nicht korrekt funktionierte, wird nun untersucht. Der Tesla-Fahrer wurde bei dem Unfall leicht verletzt, die 29 Insassen des Busses kamen mit dem Schrecken davon. Bei der Autopilot-Nutzung im Tesla-S war es schon mehrfach zu Unfällen gekommen, in den USA sogar mit Todesfolge.

Gesetzgeber hinkt hinterher

 Während die Technik rasante Fortschritte macht, hinkt der Gesetzgeber hinterher, wie die ADAC-Juristin Claudia May deutlich machte. „Auch wenn Hersteller schon bald ihre Systeme auf den Markt bringen könnten, scheitert die Markteinführung hoch automatisierter oder gar autonomer Fahrzeuge derzeit noch an den rechtlichen Rahmenbedingungen“, sagte sie und verwies unter anderem auf das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968. Demnach muss jedes Fahrzeug einen Fahrer haben, der dieses dauerhaft beherrschen kann. „Diese internationale Regelung findet sich in der Straßenverkehrsordnung wieder.“ Fahrerlose Autos sind damit derzeit also unmöglich.

 Und auch in anderen Rechtsbereichen tun sich neue Fragen auf: So forderte der Datenschutzexperte Thilo Weichert ein strenges Regelwerk für den Datenschutz beim automatisierten Fahren. „Es geht um die Frage, wie dürfen die Daten von wem zu welchem Zweck ausgewertet werden“, sagte der frühere Datenschutzbeauftragte des Landes. Als Beispiele nannte er mögliche Bewegungsprofile der Autos und auch die Möglichkeit, über die von der Technik erfassten Daten Fahrprofile der Nutzer zu erstellen. „Die nötigen Regelungen müssen sich orientieren an den Grundrechten der Betroffenen, also insbesondere am Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung beziehungsweise auf Datenschutz sowie am Recht auf anonyme Inanspruchnahme weiterer Grundrechte.“

 Optimistisch zeigte sich in dieser Frage der Grünen-Landtagsabgeordnete Detlef Matthiessen. „Das sind Probleme, die wir bewältigen können.“ Ihm war es wichtig zu betonen, dass sich nicht nur die Technik verändert – sondern auch die Mobilität insgesamt. „Es wird künftig viel enger verzahnte Verkehrsverbünde geben, die die Autozentriertheit relativieren werden.“ Dank Carsharing werde die Zahl der Fahrzeuge abnehmen, ihre Nutzung jedoch zunehmen. Die Bedeutung von Bus und Bahn – eines Tages ebenfalls autonom fahrend – werde steigen.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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