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Tempolimit in Schleswig herabgesetzt

ADFC fordert Tempo 30 Tempolimit in Schleswig herabgesetzt

Schleswig will sich nahezu komplett zur Zone 30 erklären. Der Fahrradclub ADFC wünscht sich dieses Modell auch für andere Städte - der Autoclub ADAC hält dagegen.

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Schleswig will sich nahezu komplett zur Zone 30 erklären. Der Fahrradclub ADFC wünscht sich dieses Modell auch für andere Städte - der Autoclub ADAC hält dagegen.

Quelle: Markus Scholz/ dpa

Schleswig. Nach Schleswigs Votum für ein fast flächendeckendes Tempolimit von 30 km/h hat der Fahrradclub ADFC erneut solch eine Geschwindigkeitsbeschränkung generell gefordert. „In engen Innenstädten ist das die einfachste Lösung und oft auch die beste, um die Situation für Radfahrende zu verbessern“, teilte der Landesvorsitzende Thomas Möller auf Anfrage mit.

Der ADFC setze sich schon länger für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften ein: „Die verringerte Geschwindigkeit reduziert die Unfallwahrscheinlichkeit und -schwere erheblich. Nicht nur die objektive, auch die gefühlte Sicherheit steigt und macht das Radfahren attraktiver“, erklärte Möller. Nachteile erwarte er keine.

Der Schleswiger Bauausschuss hatte vergangene Woche einstimmig ein neues Verkehrskonzept verabschiedet, wonach Tempo 50 künftig nur noch auf wenigen Hauptverkehrsachsen erlaubt ist. Dazu sei die Stadt gezwungen gewesen, sagte eine Stadtsprecherin. „Wir haben Bereiche, in denen es zwar Radwege gibt, aber die sind nach Bundesrecht zu schmal. Wenn wir die Radfahrer dann auf die Straße leiten, müssen wir auch die Geschwindigkeitsbegrenzung senken“, sagte sie. Doch kann die Schleswiger Lösung trotzdem Modell für andere Kommunen sein?

Kritik kommt vom Automobilclub ADAC. „Radfahrer werden vor allem durch ein gut ausgebautes Radwegenetz und durch übersichtlich gestaltete Kreuzungen, Einmündungen und Ampeln geschützt“, teilte der Landesvorsitzende Ulrich Klaus Becker mit. „Kommunalpolitikern erscheint ein pauschales Tempo 30 dann oft als der kostengünstigere Weg. Eine Verbesserung der Sicherheitssituation der Radfahrer ist damit jedoch nicht gegeben“, erklärte er.

Das Landesverkehrsministerium erinnert daran, dass nach Bundesrecht innerorts grundsätzlich Tempo 50 gilt. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) befürworte zwar, wenn die Verkehrsbehörden vor Ort stärker auf die Sicherheit achteten — aber dann müsse wie in Schleswig ein Gesamtkonzept her, hieß es. Will sagen: Pauschal Tempo 30 in der ganzen Stadt geht nicht. Meyer machte jedoch erneut auf einen Vorstoß von ihm und seinen Länderkollegen aufmerksam, wonach zumindest vor Schulen, Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen künftig Tempo 30 der Regenfall werden soll — und die Ausnahme Tempo 50 begründet werden muss. Auch der ADFC begrüßt diese Initiative.

ADAC-Mann Becker hält Tempo 30 als städtische Regelgeschwindigkeit weder aus Sicherheits- noch aus Umweltgründen für richtig. Denn dann dürften auch Busse nur noch 30 km/h schnell fahren und müssten an allen Kreuzungen Rechts vor Links beachten. „Zeitverluste sind für den ÖPNV nicht hinnehmbar: Sie verschlechtern die Konkurrenzfähigkeit zum Pkw und bewirken höhere Betriebskosten“, erklärte er. Außerdem sei ein generelles Tempo 30 auswärtigen Autofahrern nicht vermittelbar. Er fürchtet, dass Autofahrer dann auf Strecken durch Wohngebiete ausweichen könnten, in denen ebenfalls Tempo 30 gilt.

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