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"Befund ernst": Brennstäbe mit zu dicker Oxidschicht

AKW Brokdorf "Befund ernst": Brennstäbe mit zu dicker Oxidschicht

Im Akw Brokdorf wurden an Brennstäben dicke Oxidschichten festgestellt. Für Umweltminister Habeck ist es ein ernst zu nehmender Befund und auch ungewöhnlich. Wann das Kraftwerk wieder angefahren wird, ist noch offen.

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Das Akw Brokdorf steht derzeit nach einem ungewöhnlichen Vorfall still.

Quelle: Uwe Paesler (Archiv)

Brokdorf/Kiel. An Brennstäben im Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) haben sich außergewöhnlich dicke Oxidschichten gebildet. „Dieser Befund ist ernst zu nehmen“, erklärte dazu am Montag der für die Atomaufsicht zuständige Umweltminister Robert Habeck (Grüne). So könne das Kraftwerk nicht wieder anfahren. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mitarbeiter oder die Bevölkerung“, betonte Habeck. Brokdorf ist das einzige Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein, das noch Strom produziert. Die Meiler Krümmel (Geesthacht) und Brunsbüttel sind nach Pannen bereits seit Jahren abgeschaltet und seit einiger Zeit endgültig stillgelegt. Sie sollen zurückgebaut werden.

Der Reaktor in Brokdorf ist derzeit für den Wechsel von Brennelementen und die Jahresrevision vom Netz. Bei diesen Routineaufgaben wurden den Angaben zufolge im Reaktorwasser außergewöhnlich viele Schwebestoffe festgestellt. Diese stellten sich als abgelöste Teile der Oxidschicht heraus. Die anschließenden Messungen ergaben Oxidschichtdicken, die die Grenzwerte und Zuwachsprognosen an einigen Stellen deutlich überschreiten.

So schnell dürfen die Schichten nicht anwachsen

Dass Brennstäbe außen oxidieren, sei üblich, sagte Habeck. Aber ein solch schnelles und starkes Anwachsen der Schicht wie jetzt in Brokdorf sei in Deutschland noch nicht bekannt geworden. Dies dürfe nicht geschehen. Die Schichtdicke darf ein bestimmtes Maß nicht überschreiten. Sonst könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Hüllrohr, das die hoch radioaktiven Uranpellets umschließt, nicht mehr vollständig dicht ist, informierte das Umweltministerium. Zudem könne bei einer zu dicken Schicht die Wärme vom Brennstab in das Kühlmittel nicht mehr wie vorgesehen abgeführt werden.

Der Betreiber PreussenElektra teilte mit, bei der planmäßigen visuellen Inspektion sei festgestellt worden, „dass einzelne Brennstäbe eine das übliche Maß übersteigende Oxidschicht aufweisen“. Auf den sicheren Betrieb hatten diese Befunde demnach keine Auswirkung. „Die Barrierefunktion der Brennstäbe war zu jeder Zeit garantiert.“ Das Unternehmen kündigte an, die eigentlich bis zum 24. Februar geplante Revision bis zum 3. März zu verlängern und in dieser Zeit die Ursachen für die erhöhte Oxidation zu suchen.

Erst nach Klärung geht es weiter

Ob dieser Zeitrahmen ausreichte, konnte Habeck nicht sagen. Derzeit seien die zentralen Annahmen, wie Brennstäbe sich im Kern des Reaktors bei laufendem Betrieb verhalten, infrage gestellt. Habeck machte deutlich, dass ein Wiederanfahren des Kraftwerks erst in Betracht komme, wenn die Ursache geklärt und ausgeschlossen sei, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt.

Insgesamt befinden sich im Reaktordruckbehälter des Kernkraftswerks Brokdorf 193 Brennelemente mit jeweils 236 Brennstäben. In der Regel werden Brennelemente für insgesamt bis zu fünf Betriebszyklen von je etwa einem Jahr genutzt. Der Grenzwert für die gesamte Einsatzdauer eines Brennelements liegt bei einer Oxidschichtdicke von höchstens 100 Mikrometer. Dieser Grenzwert wurde jetzt bei mehreren Brennstäben bereits nach knapp zwei Jahren erreicht. Die Ursache wird derzeit unter Einbeziehung des Brennelementeherstellers untersucht.

Nach Angaben von PreussenElektra liegt das Vorkommnis unterhalb der siebenstufigen internationalen Skala zur sicherheitstechnischen Bewertung von Vorkommnissen in Kernkraftwerken („Stufe 0“). Der Aufsichtsbehörde wurde es nach der Kategorie „E“ („Eilt“) fristgerecht innerhalb von 24 Stunden gemeldet.

dpa

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