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Das finanzielle Leid der Lebensretterin

Abrechnungspraxis Das finanzielle Leid der Lebensretterin

Natalie Schmoock und der Bundespräsident Steinmeier sind sich nie begegnet. Dennoch verbindet sie eine Erfahrung: Beide habe einem Angehörigen eine Niere gespendet. „Für mich war es selbstverständlich, dass ich meiner kranken Mutter helfe“, sagt die 35-jährige Kielerin, „aber ich hätte nie gedacht, dass ich dadurch immer wieder in finanziell Not kommen würde.“

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Natalie Schmoock hat ihrer Mutter eine Niere gespendet.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Mutter der Kielerin war im Februar 2016 in Esslingen mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert worden: Bei Sylvia Schmoock, damals 55 Jahre alt, wurde ein beidseitiges Nierenversagen diagnostiziert. „Es war klar, dass nur die dauerhafte Dialyse meine Mutter am Leben erhalten kann. Ich habe sofort gesagt, dass ich ihr eine Niere geben möchte. Aber sie wollte das nicht.“ Dennoch besteht die Tochter auf einem Termin bei einem Facharzt, der beide über die Risiken und Erfolgsaussichten informiert. Schließlich kann Natalie Schmoock ihre Mutter überzeugen, die Lebendspende anzunehmen.

 Es folgt für beide eine lange Reihe von Untersuchungen bei insgesamt 14 Fachärzten. Danach prüft noch die Ethik-Kommission, ob die Entscheidung der Tochter aus eigenen Stücken zustande gekommen ist. „Das ist ein langwieriger Prozess gewesen“, erzählt Natalie Schmoock, „aber am Ende stand ein Transplantationstermin Anfang Dezember 2016 fest.“ Doch an diesem Tag sind die Antikörper-Werte der Mutter zu hoch. Die Operationen müssen verschoben werden. Am 14. Dezember reist Natalie Schmoock wieder gen Süden. Einen Tag später findet die Transplantation statt. „Uns war klar, dass es das Risiko gibt, dass die Niere nicht angenommen wird“, berichtet die Mutter am Telefon. Doch sie hat Glück: Noch während der Operation fängt die neue Niere an zu arbeiten.

 Schmoock wechselt die Krankenkasse

 Doch schon vorher beginnen die Probleme von ganz anderer Seite. „Bei Lebendspenden werden alle Kosten von der Krankenkasse des Empfängers übernommen. Aber schon die Kosten vor der Operation sollte ich erst einmal vorstrecken. Doch das war mir finanziell gar nicht möglich“, berichtet Natalie Schmoock. Richtig schwierig sei es aber nach der Transplantation geworden. „Es war klar, dass ich monatelang nicht arbeiten können und vom Krankengeld als Lohnersatzleistung abhängig sein würde.“ Doch obwohl Natalie Schmoock immer pünktlich die Anschlusskrankschreibung vorlegt, muss sie immer wieder auf ihr Geld warten oder es wird ihr nur ein Teil überwiesen. Zunächst heißt es, dass es an den unterschiedlichen Krankenkassen von Mutter und Tochter liege. Daraufhin wechselt Sylvia Schmoock von der DAK zur Barmer. „Doch es gab trotzdem weiter Probleme. Ein paar Mal wusste ich wirklich nicht mehr, wie ich die Miete oder andere Fixkosten bezahlen sollte“, sagt die 35-Jährige.

 Bei der DAK und der Barmer bedauert man die Verzögerungen einhellig. Bei der Barmer verweist man auf die größte Umstrukturierung der Kassengeschichte: „Leider lief in den ersten Wochen dieser letzten Umstellungsphase im Norden noch nicht alles so reibungslos, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagt Pressesprecher Wolfgang Klink.

 Sonderfall Lebendspende

 Zudem würden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einen weitgehend automatisierten Prozess durchlaufen, damit das Geld schnell bei den Versicherten ankommt. Das sei auch bei Natalie Schmoock passiert, obwohl sie mit dem Sonderfall Lebendspende da nicht hineingehört: Denn in diesem Fall steht ihr mehr Geld als in anderen Fällen zu. Doch dass sie ein Lebendspender sei, sei aus der Bescheinigung des Arztes nicht ersichtlich. „Da sich dieser Spezialfall aus den Diagnose-Codierungen nicht eindeutig ableiten lassen, wäre ein zusätzlicher Hinweis auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hilfreich“, sagt Klink. „Warum hat man mir oder meinem Arzt das nicht gleich gesagt?“, fragt sich Natalie Schmoock. „Und warum wird das nicht grundsätzlich geändert? So wird Lebendspendern wird völlig unnötig das Leben schwer gemacht.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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