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Gut gerüstet für den Politik-Alltag

Politische Nachwuchsförderung Gut gerüstet für den Politik-Alltag

Der Verein zur Förderung der politischen Nachwuchsbildung in Schleswig-Holstein soll Jungpolitikern als Karrieresprungbrett dienen. Am Donnerstag entlässt der Verein auf Gut Projensdorf seinen fünften Absolventenjahrgang.

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Die Teilnehmer der politischen Nachwuchsbildung erhalten sehr persönliche Einblicke ins Kieler Landeshaus und treffen dort die wichtigsten handelnden Personen. „Das habe ich als Privileg empfunden“, sagt Hauke Petersen (SPD). Er ist Studienleiter der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte Malente.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das ist in bundesweit einmalig: In Schleswig-Holstein gibt es einen Verein zur Förderung der politischen Nachwuchsbildung – überparteilich, praxisorientiert und bewusst als Karrieresprungbrett angelegt. „Anders als früher reicht es jungen Leuten nicht mehr aus, bei Entscheidungsprozessen wie ein kleiner dummer August dabeizustehen“, sagt Geschäftsführer Reinhardt Hassenstein. „Heute motiviert man jemanden, wenn er sich selbst einbringen kann.“ An diesem Donnerstag entlässt der Verein auf Gut Projensdorf bei Altenholz seinen fünften Absolventenjahrgang.

Schon die Gästeliste verrät das Selbstverständnis der Organisatoren: In früheren Jahren war schon mal der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) beim Abschluss dabei. Der ehemalige Innenminister Andreas Breitner (SPD) überreicht als Vereinsvorsitzender die Zertifikate, und diesmal hält der SPD-Landes-Chef Ralf Stegner die Festrede. „Wir haben an politischem Nachwuchs bestimmt kein Überangebot“, sagt er und spricht von „spannenden jungen Leuten“, die man dort treffe. „Der eine oder andere bleibt in der Politik hängen.“

Mareike Watolla (33) zum Beispiel. Die Staderin hatte 2007 nach abgeschlossenem Politik- und Medienstudium in Halle/Saale und London durch eine Annonce vom Verein erfahren. Bei der CDU-Landtagsfraktion war sie als No-Name zunächst abgeblitzt, so dass ihre Überraschung umso größer war, als sie im Frühsommer 2008 der damalige Unions-Landesgeschäftsführer sehen wollte. Daniel Günther hatte sich beim Verein nach der Bewerberin erkundigt: Wer ist das? Watolla bekam den Job im Wahlkampfteam und sitzt als persönliche Referentin des Chefs nun doch in der Fraktion – erst bei Johannes Callsen, jetzt bei Günther.

Ja, die 15-monatige Fortbildung sei für sie ein Türöffner gewesen, sagt Watolla. „Aber man bekommt vor allem ein Rüstzeug an die Hand, wie man rhetorisch geschickt argumentiert und wer die handelnden Personen sind.“ Um persönliche Eindrücke geht’s auch: Der Förderverein arrangiert Gesprächsrunden mit Fraktions- und Parteivorsitzenden und gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Der Lerneffekt: „Politik ist nicht frei von Rahmenbedingungen“, sagt Watolla mit Blick auf gesellschaftliche Ansprüche. „Ist ja kein Zauberkasten.“

Das sieht Hauke Petersen (32), Absolvent von 2013, ganz ähnlich. Der promovierte Historiker war mehrere Jahre Landesvorsitzender der Europa-Union, gehört der SPD an und ist Studienleiter der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente. Sein Vorgänger hatte ihm begeistert von der Vereinsausbildung erzählt. In der Tat: „Über persönliche Kontakte kommt man auf Gedanken, die nicht der eigenen politischen Sphäre entsprechen.“ Und die dennoch nachdenkenswert seien. „Ich fand zum Beispiel Johannes Callsen von der CDU überraschend sympathisch und kompetent.“ Die Vereinsteilnehmer werden aufgefordert, mit einem Partner eine möglichst klug geführte Pro- und Kontra-Debatte zu führen – unabhängig von der persönlichen Meinung. „Über den Mindestlohn diskutiert jemand aus der FDP ganz anders als aus der SPD“, sagt Petersen. Der Lerneffekt hier? „Wie sich Weltbilder unterscheiden und welche Konsequenzen das hat.“

Mehr als 100 Absolventen in gut zehn Jahren: Sven Donat, Sprecher der Wirtschaftsakademie und langjähriger Vorsitzender der Jungen Union Kiel, hatte durch seine Magisterarbeit zur „Notwendigkeit der politischen Nachwuchsförderung“ den Stein ins Rollen gebracht. Absolvent Götz Borchert ist persönlicher Referent von Stegner, Christian Koch ist FDP-Ratsherr in Flensburg und Rixa Kleinschmit leitet die Geschäfte des Kreisbauernverbands Rendsburg. Der Kontakt zu den Alumni ist ausdrücklich erwünscht. Wobei der Nachwuchs längst digital kommuniziert – über eigene WhatsApp-Gruppen.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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